Montabaur - 6 - 39/84
Besichtigungen, Fachgespräche oder das Studium einschlägiger Literatur ein Fachwissen anzueignen, damit sie im Rat die Gesichtspunkte des Umweltschutzes in die Diskussion ein- bringen können. Thomas Becker erläuterte sodann, daß nach den Vorstellungen der CDU-Fraktion nicht bereits mit der Bildung des Umweltbeirates ein Aufgabenkatalog durch den Verbandsgemeinderat verabschiedet werden sollte, vielmehr halte es die CDU-Fraktion für zweckmäßig, daß die Mitglieder des Umweltbeirates selbst einen Aufgabenkatalog erarbeiten und diesen dann dem Rat zur Beratung und Entscheidung vorlegen. Der CDU-Sprecher schloß seine Ausführungen mit der Aussage, seine Fraktion sei sich bewußt, daß dieser Umweltbeirat manchmal unbequem werden könne, vielleicht sogar müsse. Gleichwohl sei man überzeugt, m it der Gründung dieses Umweltbeirates einen wichtigen Schritt in die Zukunft zu tun, um den Belangen des Umweltschutzes zu entsprechen. Zur Zusammensetzung des Umweltbeirates bemerkte Thomas Becker, man habe sich mit der SPD-Fraktion verständigt, die Stärke des Umweltbeirates auf 13 Mitglieder festzulegen. Davon sollten 8 von der CDU, 4 von der SPD und 1 Mitglied von der FWG vorgeschlagen werden. Den Vorsitz sollte Bürgermeister Dr. Possel-Dölken übernehmen.
Für die SPD-Fraktion wies Willi Bode auf die Wichtigkeit der Bildung eines Umweltbeirates und der Diskussion über dessen Aufgaben hin. Erfreulich sei .daß in letzter Zeit das Umweltbewußtsein wachse. Nach den Worten von Willi Bode muß die Umweltzerstörung auch im heimischen Bereich die Bürger hellhörig machen. In diesem Zusammenhang nannte er das Waldsterben. Es sei wahrscheinlich, daß im Forstamtsbezirk Montabaur 40 % des Waldes geschädigt seien. Aber auch in anderen Bereichen würden "Umweltsünden" begangen, etwa durch das Auffüllen von Bachtälern mit Bauschutt oder das Verfüllen von Talauen mit Erdreich. Auch das Verhalten einzelner Privatpersonen verursache nachhaltige Schäden für das Landschaftsbild. Man müsse feststellen - so Bode -, daß es Umweltschäden und Zerstörungen nicht nur im Ruhrgebiet oder in den Ballungsräumen, sondern auch im Bereich der Verbandsgemeinde Montabaur gibt.
Nach den Worten des SPD-Sprechers begrüßt seine Fraktion die Schaffung eines Umweltbeirates und stimmt dieser Institution ebenso vorbehaltlos zu, wie der beabsichtigten Zusammensetzung. Die SPD-Fraktion hoffe, daß der Umweltbeirat dazu beitrage, der Öffentlichkeit, also den Bürgern der Verbandsgemeinde, aber auch den politisch Verantwortlichen im Verbandsgemeinderat notwendige Informationen und Erkenntnisse über die Situation der Umwelt im Verbandsgemeindebereich zu vermitteln. Es sei erfreulich, daß Einvernehmen im Verbandsgemeinderat über die Bildung des Umweltbeirates und seine Zusammensetzung besteht. Dieser Umweltbeirat dürfe aber kein "Alibiausschuß" oder "Anhängsel" sein, weil es momentan schick und opportun ist, sich mit Umweltfragen zu beschäftigen. Es dürfe auch kein Ausschuß zur Beruhigung des schlechten Gewissens sein. Vielmehr müsse der Umweltbeirat unbequemer Mahner sein gegenüber der Bevölkerung, gegenüber der Verbandsgemeindeverwaltung, aber auch gegenüber dem Verbandsgemeinderat und nicht zuletzt auch gegenüber den staatlichen Fachbehörden.
Willi Bode forderte Bürgermeister Dr. Possel-Dölken auf sicherzustellen, daß der Umweltbeirat in die verschiedenen Abteilungen der Verbandsgemeindeverwaltung eingebunden und gewährleistet wird, daß in der Verwaltung ein kompetenter Ansprechpartner vorhanden ist. Man müsse sich auch dessen bewußt sein, daß der Umweltbeirat in Zukunft Anregungen, Empfehlungen und Forderungen geben wird, die mit finanziellen Auswirkungen verbunden sein könnten, bemerkte SPD-Sprecher Bode.
Trotz eines wachsendensUmweltbewußtseins sei es erforderlich, das Interesse der Bürger am Umweltschutz durch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit zu wecken. Gerade im Bereich dieser Informationsvermittlung liege nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion ein Schwerpunkt der Arbeit des Umweltbeirates. Seine Aufgabe sei es u.a., im Wochenblatt, in der
Zeitung, durch Flugblätter, Handzettel und Aufkleber lnf 0r . mationen im Umweltschutzbereich zu vermitteln, um so alle Schichten der Bevölkerung anzusprechen und ihnen ökologisch, Problemstellungen in verständlicher Form darzubieten und erlebbar zu machen. Aufgabe der Verwaltung sei es, Industrie und Gewerbe durch Aufklärung dazu zu bewegen, auch über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus Belastungen der Umwelt zu vermindern oder zu vermeiden. Information, Aufklärung und Bewußtseinsbildung erforderten Phantasie und Einfallsreichtum des Umweltbeirates und auch eine engagierte Unterstützung durch die Verbandsgemeindeverwaltung.
Willi Bode ging sodann auf die besondere Bedeutung des Wassers als Grundbaustein des menschlichen Lebens ein. Es werde immer noch verschmutzt, vergeudet und mißachtet, obwohl das Wasser das wichtigste Lebensmittel sei. Da die Wasserver- sorgung zu den Aufgaben der Verbandsgemeinde gehört, also deren Zuständigkeit gegeben ist, müsse durch das Verbandsgemeindewerk und den Werksausschüß in diesem Bereich Informationsarbeit betrieben werden. Diese Informationsarbeit solle insbesondere den Bürger auf die Folgen unvernünftigen Wasserverbrauchs aufmerksam machen, den Mitbürgern Anregungen vermitteln, Wasser zu sparen und Abwasser möglichst wenig zu belasten. In diesem Zusammenhang verwies Bode auf Prognosen namhafter Wissenschaftler, nach denen spätestens die übernächste Generation, vielleicht sogar schon die nächste das zur Zubereitung der Babynahrung benötigte Wasser in der Drogerie oder Apotheke kaufen müßte. Gerade auf dem Gebiet der Trinkwasserversorgung und der Abwasserbeseitigung seien vielfältige Informationen notwendig. SPD-Sprecher Bode verwies sodann auf die Abwasserbelastung durch Wasch- und Reinigungsmittel. Hier ergäbe sich eine Verantwortlichkeit der Verbandsgemeinde aus ihrer Zuständigkeit für die Abwasserbeseitigung. Nur 79 % der rheinland-pfälzischen Haushalte seien an Kläranlagen angeschlossen. Es stell; sich die Frage, wie es in der Verbandsgemeinde Montabaur aussehe. Diese und ähnliche Fragen könnter^auch in einer Informationsschrift des Verbandsgemeindewerkes beantwortet werden, die andere Verbandsgemeinden bereits herausgegeben hätten.
Die SPD-Fraktion erwarte weiterhin vom Umweltbeirat regelmäßige Hinweise auf umweltfreundliche Produkte, auf die beispielsweise das Bundesamt für Umweltschutz aufmerksam mache. Durch diese Informationen des Umweltbeirates solle dem Mitbürger deutlich gemacht werden, was er im Rahmen seiner privaten Haushaltsführung zu einer gesunden Umwelt beitragen kann.
An Bürgermeister Dr. Possel-Dölken gewandt, bat Ratsmitgiied Bode, für die Verwaltung umweltfreundliches Recycling-Papier einzuführen. Neben dem direkten umweltentlastenden Effekt könne die Verwaltung durch diesen Schritt nach außen ihr Umweltbewußtsein und ihre Umweltfreundlichkeit dokumentieren und den Bürger zur Nachahmung anregen.
Sodann wies Willi Bode auf die Gefährdung des Bodens durch schädliche Umwelteinflüsse hin. Es sei dringend erforderlich, Initiativen zum Schutz der Böden zu ergreifen. Auch hier sei vor allem die öffentliche Hand gefordert, auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden gänzlich zu verzichten. Die Pflanzi behandlungsmittel belasteten die Böden, weil sie schwer abbaubar seien und schließlich sogar in das Grundwasser gelangten. Nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion solle die Verbandsgemeinde in ihrem Bereich, also z.B. bei der Pflege von Schulgeländen oder sonstigen öffentlichen Grundstücken, Straßen und Grünflächen gänzlich auf chemische Pflanzenschutz-und -Vernichtungsmittel verzichten. Die.Verwaltung solle mit praktischem Beispiel vorangehen, und der Umweltbeirat sollte in diesem Zusammenhang dem Bürger Alternativen zur Giftspritze aufzeigen.
Nach den Vorstellungen der SPD-Fraktion, die von Willi Bo« vorgetragen wurden, müsse der Umweltbeirat auch auf die Bauleitplanung Einfluß nehmen. Umweltbewußte Bauteil' nung bedeutet langfristige Sicherung und Gestaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.
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