Akte 
Sitzung 30. April 1959
Entstehung
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Der Stadtrat hat nicht zu entscheiden über die Bundeswehr an sich, das ist auf höherer Ebene schon geschehen. Es bleibt übrig zu unter­suchen und abzuwaren, wo liegen die Vorteile, wie sind die Nachtei­le, die von dieser Entwicklung zu erwarten sind

Weiter wird die Frage aufgeworfen:"In welcher Weise werden mittel­bar oder unmittelbar die Lebensgewohnheiten unserer Bevölkerung da- von betroffen, wenn Bundeswehreinheiten hier stationiert werden?"

Stadtrat Kunkler führt weiter aus, daß es nicht vergessen werden darf, die Interessen der Mitbürger in das rechte Licht zu setzen, deren Existenzgrundlage evtl, gefährdet ist. Es würde aus diesem Grunde interessieren zu wissen, wieviel Gelände gehört der Stadt der Genossenschaft der Barmh. Brüder, der Domäne und wieviel befin­det sich in Privatbesitz. Inwieweit kann ein Austausch stattfinden, um die landwirtschaftliche Existenz zu wahren.

Bürgermeister Kraulich entgegnet auf die Ausführungen des Stadt­ratsmitgliedes Kunkler, daß die Barmh. Brüder in einer Besprechung sich bereit erklärt hätten, ihr Gelände gegen eine entsprechende Abfindung durch den Bund abzugeben. In keiner Weise wollen sie für die Dinge der Stadt hinderlich sein. Auch die Domänenverwaltung hat sich bereit erklärt, den Landwirten, die hier Ackerland verlieren, anderes zur Verfügung zu stellen. In Einzelheiten wurde hier nichts festgelegt. Es handelt sich um eine generelle Erklärung.

Über das Ergebnis der Besprechung bezüglich Beteiligung des Bundes beim Ausbau der Kanalisation und dem Bau der Kläranlage soll der Stadtrat anschließend in der nichtöffentlichen Sitzung informiert werden. Es erscheint nicht angebracht die Angelegenheit schon heute in allen Einzelheiten in die Öffentlichkeit zu tragen, da ja die Bundeswehr u.a. auch noch mit anderen Städten und Gemeinden wegen Stationierung von Truppeneinheiten verhandelt.

Alles, worüber bis jetzt in den einzelnen Besprechungen verhandelt worden ist, wurde dem Stadtrat mitgeteilt.

Stadtrat Witte, der nochmals um das Wort bittet, bringt zum Aus­druck, daß er den Augenblick nicht für geeignet halte, solch wich­tige Entscheidungen zu fällen. Nachdem die Angelegenheit Bundes­wehr einige Jahre geruht habe, halte er es namens seiner Fraktion bei der derzeitigen Weltlage für voreilig, hier einen Beschluß zu fassen. Weiter sei eine Bundeswehreinheit von rd. 1 000 M^nn für eine Kleinstadt wie Montabaur mit 6 000 Einwohnern zu stark. Er warnt davor, hier kurzfristig zu denken. Ferner sehe man in der Stationierung von Bundeswehr eine zusätzliche Belastung der Stras­sen, die ja heute kaum den Verkehr beweltigen. Wenn in Montabaur eine motorisierte Einheit stationiert werden solle, dann werden die Verkehrseinrichtungen zusätzlich stark belastet. Die Bundeswehr werde außer einer zusätzlichen Belastung des Wohnungsmarktes eine zusätzliche Belastung für alle öffentlichen Einrichtungen in der Stadt. Die SPD-Fraktion sehe viel schwerer wiegende Nachteile als Vorteile.

Die Stationierung von Bundeswehreinheiten bedeute u.a. auch eine erhebliche Belastung auf sittlich und moralischem Gebiet. Der tadt rat möge sich bei Jugendämtern erkundigen wo Bundeswenremheiten

A^Nachbargemeinden wie Holler, Horressen, Eigendorf und Nieder­elbert werden von dem Beschluß zur Stationierung von Bundeswehr­einheiten nicht sehr erbaut sein.

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