Am 16. 7. 1954 fand im Distrikt Butterborn eine erneute Besichtigung durch den Bürgermeister, Stadtinspektor Kunst und Oberförster Reifenberger statt, da erneut ca. 50 Zukunftsbuchen in 15/16 neu geschält worden waren. Der Bürgermeister betonte immer wieder, daß er aus der Wildschadensangelegenheit keine Sensation machen will und auch niemand schikaniert werden soll, sondern daß die Stadt nur das tut, was ihr Recht und ihre Pflicht gegenüber den Bürgern von heute und unseren Nachkommen ist, Wildver- hütun^smaßnahmen vom Jagdpächter zu fordern und den Wald zu erhalten.
Im Gemeindewald von Niederelbert hat man die gefährdeten Bäume mit dem Schutzmittel Spangol gestrichen. Neue Schäden an den mit diesem Schutzmittel gestrichenen Bäumen sind hier nicht mehr zu verzeichnen. Andererseits hat man mit diesem Präparat noch keine weiteren Erfahrungen und weiß man nicht, ob es nachhaltig auf die Dauer von 6 Jahren wirkt und den Bäumen im Wachstum schadet. Oberförster Reifenberger hat eine Aufstellung vorgelegt über die dringend schutzbedürfti_en Flächen. Um die in der Aufstellung aufgeführten Flächen zu schützen,bedarf es eines Kostenaufwandes von 15.000,— DM.
Im Anhang, zu § 12 des Jagdpachtvertrages heißt es:
"Alle Aufwendungen für Mihtel zur Verhütung von Wildschäden hat der Pächter allein zu tragen."
Es muß mit dem Pächter zunächst verhandelt werden, daß er diese Summe aufzubringen hat. So unangenehm diese Verhandlungen sind, so müssen sie doch zu einem Abschluß gebracht werden. Sollte der Pächter zur Zahlung dieses Betrages nicht bereit sein, so müßte die im Vertrag festgelegte Kommission einberufen und tätig werden. Beigeordneter Pehl bringt zum Ausdruck, daß der Stadtrat allen Grund habe, dem Bürgermeister für die Liebe und Sorge um den Wald zu danken. Er vertritt den Standpunkt, daß wenn heute auf der Monta- baurer Höhe ca. 130 Stück Rotwild stehen, die soviel Schaden an- richten, es zu verantworten sei, daß dieses Rotwild abgeschossen wird. Herr Pehl weist ebenfalls auf die Pflichten hin, die wir unseren Nachkommen gegenüber haben. An der weiteren Aussprache über diesen Punkt beteiligen sich alle Fraktionen rege. Man ist allgemein der Ansicht, daß für die Schälschadensverhütung alles getan werden muß und wenn erforderlich, der Rotwildbestand restlos abgeschossen wird.
Der Bürgermeister führt noch ergänzend aus, daß der'Wald vor ca.
100 Jahren forstwirtschaftlich noch nicht die Bedeutung hatte, die er heute hat. Der Stadtrat nimmt weiter davon Kenntnis, daß sich die Verwaltung an den Oberforstmeister Beck in Amorbach gewandt hat, der im vergangenen Jahr den gesamten Rotwildpark im Fürstl. Leining'schen Forst auflöste.
Der Stadtrat billigt die erforderlichen Schutzmaßnahmen, die bis zum 1. 5. 1955 durchgeführt sein sollen.
Der Bürgermeister gibt dem Stadtrat noch davon Kenntnis, daß der von den Franzosen bisher beschlagnahmte Jagdbezirk mit 584 ha im Jagdbezirk I ab 1. 7. 54 freigegeben ist. Die Jagd in diesem Bezirk übernimmt lt. Ja^dpachtvertrag der Pächter Curt Mast und wird jagdlich von dem Bürgermeister in Montabaur verwaltet.
Der Stadtrat i;.-;t einstimmig mit den vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutze der gefährdeten Flächen einverstanden.
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