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Montabaur

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Nr. 12/95

Natur & Umwelt Info

FCKW sind out!

»Bis Ende 1994 wird die Bundesrepublik den Ausstieg aus der Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) abgeschlossen haben«, erklärte Bundesumweltmi­nister Klaus Töpfer im Dezember letzten Jahres in Bonn. FCKW sind langlebige Moleküle, die in den höheren Schich­ten der Erdatmosphäre die Ozonschicht zerstören. Das Ozon filtert große Teile der UV-Strahlung aus den Sonnen­strahlen heraus, die sonst mit voller Kraft die Erdoberfläche erreichen würden. Ungefilterte UV-B-Strahlung gilt als krebserzeugend.

Die Kühlgeräte-Hersteller haben auf das FCKW-Verbot er­staunlich schnell reagiert. So brachte bereits im Frühjahr letzten Jahres die sächsische Firma FORON gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace den ersten Kühl­schrank auf Propan/Butan-Basis heraus. Mittlerweile haben alle führenden Kühlgeräte-Hersteller nachgezogen und in ei­ner gemeinsamen Erklärung seit 01.01.1994 auf die Verwen­dung von FCKW verzichtet. Der Verzicht beschränkt sich dabei nicht nur auf den Kühlkreislauf, sondern auch auf das Aufschäumen des Isoliermaterials, das bei allen Herstellern mit Cyclopentan erfolgt (siehe Tabelle).

Marke

Kühlmittel im Kühlkreislauf

Isoliermaterial

aufgeschäumt

mit

AEG

R 134 a

(Umstellung auf Isobutan in diesem Jahr geplant)

Cyclopentan

Bauknecht

R 134 a

(ab April/Mai 94 im Angkxtt 10 Modelle mit Isobutan)

Cyclopentan

Bosch/Siemens (baugleich mit Neff und Constructa)

Isobutan R134a (ab August 94 ausschließlich Isobutan)

Cyclopentan

Foron

Propan/Butan (ab Mai 94 Isobutan)

Cyclopentan

Liebherr

R 134 a (ab April 94 im Angebot 35 Modelle mit Isobutan)

Cyclopentan

Quelle

(Electrolux)

R 134 a Isobutan

(kompletter Ausstieg aus dem Ersatzstoff geplant)

Cyclopentan

Galt bisher der FCKW-Ersatzstoff R134a, ein Fluorkohleri- wasserstoff (FKW) als Alternative, so sorgt dessen hoher Bei­trag zum Treibhauseffekt für Negativschlagzeilen. Ein Mole­kül R134a besitzt im Vergleich zu einem Molekül des Treib­hausgases Kohlendioxid (CO 2 ) ein um den Faktor 3.200 höhe­res Treibhauspotential. Eine realistische Anwendüngsmenge von etwa 9.000 Tonnen R134a jährlich für die Bundesrepublik entspräche demzufolge, bei vollständiger Freisetzung, einem Treibhauspotential von 29 Milhonen Tonnen Kohlendioxid.

Zum Vergleich: Im Augenblick werden in der Bundesrepublik Deutschland rund 1 Milliarde Tonnen CO 2 emittiert. Die Spaltprodukte von R134a (u. a. HF 3 ) stehen außerdem im Verdacht, toxisch zu sein.

Die meisten FCKW-/FKW-freien Kühlschränke besitzen als Kühlmittel Isobutan. Dessen extrem kurze Lebensdauer nach dem Entweichen führt dazu, daß es bereits in den unteren Luftschichten abgebaut wird und so keine ozonschädigende Wirkung entwickeln kann.

Die Entsorgung der bislang produzierten FCKW ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Die UN schätzt, daß sich weltweit rund 2 Milhonen Tonnen vollhalogenierter FCKW auf dem Markt befinden, davon allein 115.000 Tonnen in der Bundesrepublik Deutschland. 25.000 Tonnen davon befinden sich als Kältemit­tel in Kühl- und Kälteanlagen. Weitere 40.000 Tonnen sind nach einer Untersuchung der technischen Universität Ham­burg noch in westdeutschen Müllkippen gespeichert. Zwar bieten nahezu alle Landkreise die Entsorgung von FCKW-hal- tigen Kühlgeräten an, da der Transport jedoch oft unsachge­mäß und die Zerlegung der Geräte in beinahe jedem zweiten Fall noch von Hand erfolgt, gelangt etwa ein Viertel der leicht flüchtigen FCKW unkontrolliert in die Atmosphäre. Um die­sen Verlust zu minimieren bieten manche Entsorgungsfirmen einen Holdienst an, bei dem die Substanz vor Ort abgesaugt und von der ebenfalls im Kühlmittelgemisch befindlichen Ölfraktion getrennt wird.

Das Verwertungsmonopol für FCKW liegt bei der Hoechst AG, Frankfurt, die im vergangenen Jahr rund 700 Tonnen FCKW aufgearbeitet hat. Nicht verwertbare, etwa stark verschmutz­te, FCKW-Ware mußte bisher zwischengelagert werden. Der Chemie-Konzern wird voraussichtlich ab Mitte 1994 über die erste FCKW-Vernichtungsanlage in Deutschland verfügen. Die Genehmigung liegt bereits vor. Im Endausbau soll die Anlage über eine Vernichtungskapazität von 9.000 Tonnen im Jahr verfügen. Dabei werden die Moleküle bei einer Tempera­tur von 2.500 °C in einem Graphitreaktor in einer Wasserstoff- /Sauerstoffflamme geknackt. Die Reaktionsprodukte Salz­säure, Flußsäure und Kohlendioxid können dann in einem zweiten Schritt voneinander getrennt und als chemische Roh­stoffe wiederverwendet werden. Bei einer »herkömmlichen Sondermüllverbrennung« würden die FCKW einfach durch den Schornstein entweichen.

Literatur:

C. Friedl, »Entsorgung von Alt-FCKW ist ungelöst«; VDI- Nachrichten 6/1994

Zwischenbericht der Enquete-Kommission »Schutz des Men­schen und der Umwelt«, Bundestagsdrucksache 12/5812 Die Umweltbeauftragte der Verbandsgemeinde Montabaur, Constanze Wunderlich, Durchwahl: 02602/126.215

IUS ARCHIVI

Archiv der Stadt Montabaur

Informationen zu Akten und Urkunden

Nachdem in einer Tageszeitung schon ausführlich durch Au­genzeugen von dem Bombenangriff auf Montabaur am 16. März 1945 berichtet wurde, will das Stadtarchiv einen Beitrag zum Kriegsende in unserer Stadt leisten: Vorabdruck aus dem Buch »Wege im Wind« von Karl Tilch. Er beschreibt in seinem Doppel-Buch-Manuskript Reminisenzen von 1925 bis 1945. Mehrere hundert Feldpostbriefe sowie Tagebuchaufzeichnun­gen und Berichte von Zeitzeugen des 26. März 1945 fanden Verwendung.

Auszug, aus dem Tagebuch der Anna Adele Decker, Horressen (18) vom März/April 1945:

Anfang März: An uns ziehen täglich Flüchtlinge und Soldaten vorüber. Viele bitten um Essen und Nachtquartier. In unserem Haus leben, außer unserer vierköpfigen Familie, zwei in Ko­blenz ausgebombte Frauen, von denen eine einen zwölfjähri­gen Sohn hat. Im Eßzimmer ist ein Hauptmann von den Pionieren einquartiert und das Wohnzimmer ist das Nach­quartier für Soldaten auf dem Rückzug oder Flüchtlinge. 14.