Einzelbild herunterladen

Montabaur

10

Nr. 12/95

März, Mittwoch: Meine vorgesehen Geburtstagsfeier muß aus- fallen.

17. März, Samstag: Mit ein paar Freunden und Freundinnen in Montabaur im Kino Schmitt. 18. März, Sonntag: Wir bespre­chen im Familienkreis, auch mit Verwandten, ein mögliches Verlassen unseres Hauses beim Herannahen der Front. Ge­stern soll Koblenz von den Amerikanern erobert worden sein. 21. März, Mittwoch: Es ist zwei Uhr nachmittags. Die Jabos kreisen fast eine Stunde über Horressen und dem Wald. Hier ist in Richtung Koppel der Kraftfahrzeugpärk untergebracht. Gerade während dieser Zeit liegt unser Brot im Ofen des Backes. Ich eüe zum Backhaus und nehme das Brot aus dem Ofen, damit es nicht verbrennt. Es gelingt mir gerade noch, nach Hause zurückzukommen, als der Geschoßhagel der Jabos einsetzt.

Wir rennen in den Keller. Als wir nach einer halben Stunde den Keller verlassen, sehen wir im Hinterdorf Rauch aufstei­gen. Es brennt bei Peter Roth.

In Montabaur stirbt der Krieg

Karl Tilch läßt Zeitzeugen über den 26. März 1945 berichten: Agnes Decker, Ruth Frings, Gertrud Heinz, Hilde Homann, Klaus Nebgen, Günter Tilch.

Um drei Uhr nachts wird die Autobahnbrücke bei Eschelbach gesprengt.

Morgens halten die Amerikaner - von der Baumbacher Straße her kommend - mit Panzerfahrzeugen ihren Einzug in Eigen­dorf und über den Horresser Berg in Horressen; hier etwa zwischen 09.00 und 09.30 Uhr.

Um die Mittagszeit, etwa gegen 12.30 Uhr, rücken amerikani­sche Truppen ohne Schußwechsel in Montabaur ein. Vereinzelt wehen weiße Fahnen. Panzer rollen durch die Wallstraße zur Bahnhofstraße. Auch durch die Klostergasse fahren gepanzer­te Fahrzeuge in die Kirchstraße ein. Ein langsam fliegendes Aufklärungsflugzeug zieht seine Kreise über der Stadt. Die Straßen sind fast menschenleer. Viele Frauen, Kinder und ältere Männer sitzen seit dem Vormittag im Schloßbunker an der Bahnhofstraße, einem in den Berg getriebenen Stollen, der zwei Eingänge hat: einen gegenüber der Post und einen gegen­über der Kaiserstraße. Um 14.00 Uhr ist Klaus Nebgen, Ange­stellter der Stadt, auf dem Rathaus. Hier residiert bereits Stadtinspektor Helm (bisher zum Landratsamt abgeordnet) als vom Landrat eingesetzter kommissarischer Bürgermei­ster. Auch Jakob Leipold ist da, ein nach dem Ersten Weltkrieg in Montabaur zurückgebliebener Gl, der staatenlos in das Haus Weyand eingeheiratet hatte. Leipold war ein wohlsitu­ierter Häute- und Fellehändler am Kleinen Markt.

Leipold wird von den Amerikanern als Dolmetscher eingesetzt und mit der Requirierung von Bedarfsgütern für die amerika­nische Besatzung beauftragt. Er erhält ein Personenauto mit dem Fahrer Klaus Nebgen und ein monatliches Salär.

Der damals zwölfjährige Günter Tilch erinnert sich, daß Lei­pold eines Tages bei unserem Großvater, dem Küfermeister und Weinhändler Franz Tilch, auftauchte und Wein für die GIs forderte. Er erhielt auch etliche Flaschen. Die meisten hatte Großvater natürlich im unübersichtlichen Keller und im Lagerhaus versteckt.

Schon wenige Stunden nach Besetzung der Stadt geht der »Ausscheller« durch die Straßen und verliest Befehle der Ame­rikaner über das Verhalten der Bevölkerung: Ausgangssperre von 20.00 bis 06.00 Uhr, Abheferung von Waffen, Munition und Fotoapparaten. Trotz aller Beschränkungen und Sorgen sind die Menschen froh, daß sie überlebt haben und für sie der Krieg im Westen gestorben ist.

Zwei Menschen können dies nicht mehr erleben. Sie werden noch am 26.03.1945, kurz vor Einzug der Amerikaner, von der deutschen Gestapo in der Sandgrube an der Limburger Straße erschossen.* Lt. Aussage von Zeitungen waren sie ehemalige Mitglieder der kommunistischen Partei.

In der Limburger Zeitung vom 23./25. März 1945, dem Organ der NSDAP auch für den Unterwesterwald, lesen die Men­schen im Wehrmachtsbericht vom 21. März: »Im Westen ver­stärkt der Feind seine Angriffe im Abschnitt nordöstlich Kö­nigswinter, um zur Sieg durchzubrechen. Nach erbitterten Kämpfen konnte er bis östlich Bonn Vordringen, wurde aber dann durch Gegenangriff zum Stehen gebracht. An der Ost­front des Brückenkopfes Remagen erstickten die Angriffe be­reits in der Entwicklung in unserem zusammengefaßten Feu­er. Die schwache Besatzung von Koblenz wurde auf ,das östli­che Rheinufer zurückgenommen.«**

Hier noch eine kurze Übersicht über die Lebensmittelmengen, die einem Erwachsenen im Sommer 45 für einen Zeitraum von vier Wochen zugeteilt wurden:

7000 g Brot; 400 g Fleisch oder Fleischwaren; 260 g Butter oder Margarine; 80 g Fettkäse; 80 g Magerkäse; 500 g Nährmittel;

200 g Kartoffelstärke-Erzeugnisse; 100 g Kaffee-Ersatz; 500 g Zucker; Entr. Frischmilch 1/8 1 täglich sowie 12000 g Speise­kartoffel.*

Beatrix Künzer

* STAMAbt. 4

** STAM Zeitungsarchiv

* STAM Abt. 9.3, Nr. 25

Öfl&mngszeiten:

Montag, Mittwoch, Freitag.10.00 bis 12.00 Uhr

Dienstag, Donnerstag.15.30 bis 17.30 Uhr

Das Stadtarchiv befindet sich in der Joseph-Kehrein-Schule in der Gelbachstraße.

Westerwaldkreis Abfallwirtschaftsbetrieb

Eigenbetrieb des Westerwaldkreises Öffnungszeiten der Hausmülldeponien Meudt und Ren­nerod, der Wertstoffsortieranlage in Boden sowie der Erd­aushubdeponien Hergenroth und Luckenbach während der Sommerzeit

Von seiten des Westerwaldkreis-Abfallwirtschaftsbetriebes wird darauf hingewiesen, daß sich mit Beginn der Sommerzeit die Öffnungszeiten der Hausmülldeponien Meudt und Ren­nerod, der Wertstoffsortieranlage in Boden und den Erdaus­hubdeponien Hergenroth und Luckenbach wie folgt ändern:

Deponien Meudt und Itennerod:

montags bis mittwochs und freitags.08.00 bis 16.00 Uhr

donnerstags.08.00 bis 19.00 Uhr

samstags.08.00 bis 12.00 Uhr

Wertstoffsortieranlage Boden:

montags bis mittwochs und freitags.08.00 bis 16.00 Uhr

donnerstags.08.00 bis 19.00 Uhr

samstags.08.00 bis 12.00 Uhr

Erdaushubdeponie Hergenroth

mittwochs.14.00 bis 18.00 Uhr

samstags.08.00 bis 14.00 Uhr

Erdaushubdeponie Luckenbach

Die Erdaushubdeponie Luckenbach, die während der Winter­monate geschlossen war, ist ab Mittwoch, den 29.03.1995, wieder wie folgt geöffnet:

mittwochs.14.00 bis 18.00 Uhr

samstags.08.00 bis 14.00 Uhr

Bücherei-Info

Öffnungszeiten der Stadtbücherei Montabaur

Montag.15.00 bis 18.30 Uhr

Dienstag.15.00 bis 18.00 Uhr

Mittwoch.10.00 bis 14.00 Uhr

Donnerstag.15.00 bis 18.00 Uhr

Samstag.10.00 bis 12.00 Uhr

Die Stadtbücherei Montabaur finden Sie in der Gelbachstraße 9 (im Haus der Jugend, ehemalige Katharinenschule).

in monTOßnun

IST UIASIOS

?

Montag, 27. März 1995,

11.00 und 14.00 Uhr, im Haus Mons Tabor, Montabaur

Kindertheater

Die Bremer Stadtmusikanten Wer kennt sie nicht, diese berühmte Geschichte.

Ein alter Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn werden aus dem Hause getrieben. »Kommt mit nach Bremen«, sagt der Esel, »wir wollen Stadtmusikanten werden«.