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Montabaur

Nr. 46/92

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VOLKSTRAUERTAG

Am Sonntag, 15. November 1992 ist Völkstrau- ertag. Er soll uns alle mahnen, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft öffentlich zu ge­denken. Gewalt, Haß, Tbd und Verletzung der Menschenrechte sind nicht Vergangenheit. Die Opfer unserer Gegenwart und der Blick nach vorne fordern: Nur der unbedingte Wille zum Frieden gibt uns allen Leben und Zukunft für die Völker dieser Welt.

So bedeutet der Volkstrauertag für uns einer­seits Besinnung auf furchtbare Geschehnisse der Vergangenheit. Er bedeutet aber auch, aus diesem Geschehenzu lernen und für ein friedvol­les Miteinander der Menschen zu arbeiten.

Dazu sind wir alle auf gerufen.

Der Präsident des Volksbund Deutsche Kriegs­gräberfürsorge, Hans-Otto Weber, wendet sich mit seinem Aufruf an die Bevölkerung mit dem Anliegen, aus dem furchtbaren Geschehen der Vergangenheit zu lernen:

Aufruf

zum Volkstrauertag

»Unruhe und Gewalt überall in der Welt. Auch in Europa. Im »totalen Krieg« in Jugoslawien wird uns das Leid ungezählter Menschen vor Augen geführt. Viele fliehen vor der Gewalt oder wer­den aus ihrer Heimat vertrieben. Täglich ster­ben Unschuldige.

Dies - und die Ohnmacht der Welt gegenüber dem Geschehen - bewegt zutiefst, erschreckt, erschüt­tert - vor allem die unter uns, die selbst großes Leid erfahren haben, und j ene, die sich ihrer Verant­wortung für die Mitmenschen bewußt sind.

Die anderen gilt es zu erinnern, an alles Furchtbare, das Menschen und Völker in der Vergangenheit in zwei Weltkriegen, einander angetan haben, an Machtbesessenheit, Maßlosigkeit und Menschen­verachtung sowie an Schuld und Verstrickung. Auch an Stalingrad, das vor 50 Jahren zum Symbol für Sieg und Untergang zugleich wurde.

Erinnerung kann wachrütteln, kann Menschlichkeit wecken. Für uns im Völksbund, die wir das Leid von Millionen aus zwei Weltkriegen »aufarbeiten« und versuchen die Mahnung zum Frieden zu verbreiten, die von ungezählten Soldatengräbern ausgeht, gilt unumstößlich der Grundsatz: Ge­walt kann nie Begründung für neue Gewalt sein. Es gibt keinen gerechten Krieg. Nur der Einsatz friedlicher Mittel führt zum Frieden.

Der Volksbund fordert die politisch Verantwortlichen in Europa und in der Welt eindringlich auf, dies zu bedenken und für alle Regionen, in denen Unruhen, Bürgerkrieg und Krieg immer neue Not und neues Leid bringen, endlich entsprechende Entscheidungen zu treffen.

Alle Mitbürger bitten wir, mit uns am Völkstrauertag aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Wir bitten um so mehr darum, als wir mit der Verwirklichung unseres Auftrages, den gefallenen deutschen Soldaten würdige Ruhestätten zu schaffen, aktuell vor einer unerwartet gro­ßen Aufgabe stehen. Dank der politischen Wende stehen nun auch die Türen in Osteuropa für die Arbeit des Volksbundes offen. Wir finden Verständnis und Hilfe überall. Die Aufgabe - die Suche nach drei Millionen Gefallenen und Vermißten - will uns fast erdrücken. Aber in Polen, der Tschechi­schen und der Slowakischen Republik, in Rußland, im Baltikum und in Ungarn sind wir bereits tä­tig. Wir werden unseren Auftrag mit Hilfe der Bundesregierung und der deutschen Bevölkerung erfüllen.

Unser Gedenken, unsere Trauer gilt den Soldaten, die sterben mußten oder verschollen sind, dem Elend und Tbd aller Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts, jeder Nationalität, die auf den Schlachtfeldern, in den Vernichtungslagern, bei Bombenangriffen in Städten und Dörfern, auf der Flucht oder bei der Vertreibung aus ihrer Heimat in den Weltkriegen umkamen.

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Das Kreuz als Zeichen der Hoffnung auf Weiterleben nach dem fbde Das Kreuz auf dem Friedhof der Ortsgemeinde Boden ist Zeichen der Brauer und der Erinnerung an liebe Verstorbene der vergangenen großen Kriege

Foto: Ferdi Görg