Montabaur 17/52/83
auf das Energieverhalten ihrer Bürger. Durch den Abschluß des Konzessionsvertrages in der vorgelegten Form verzichte die Stadt auf Jahrzehnte darauf, selbst Strom zu erzeugen. Sie beraube sich damit auf langer Zeit der Möglichkeit, eine kostengünstige und rohstoffschonende Energieerzeugung aufzubauen.
Der SPD-Sprecher führte aus, ais Alternative zur bisherigen Energiepolitik bestehe die Möglichkeit, dezentrale Wäremkraft- koppelungswerke zu errichten. Dieses Konzept beruhe auf der gekoppelten Erzeugung von Wärme und Strom in kleinen Einheiten, den sogenannten Blockheizkraftwerken, und zwar dezentral, an den Stellen, an denen die Warme genutzt werden kann. Blockheizkraftwerke seien Kleinstheizkraffwerke, die mit Verbrennungsmotoren betrieben werden, deren Abwärme zur Heizung genutzt würden und deren Motoren über Generatoren Strom erzeugten. Dieses System könne die Primärenergie (z.B. Gas) doppelt so gut nutzen wie die Großkraftwerke. Die Energieverluste würden auf 15 % reduziert. Hinzu komme, daß die gleichzeitige gekoppelte Erzeugung von Wärme und Energie sehr gut dem gleichzeitigen Wärme- und Strombedarf entspreche. Der SPD- Sprecher verwies auf positive Erfahrungen, die man in anderen Städten mit diesem Energiekonzept gemacht habe. Auch in Montabaur sei es möglich, mit diesen Lösungen Teilbereiche des Gemeindegebietes mit Energie und Wärme zu versorgen. Um diese Möglichkeiten auch in Montabaur in naher Zukunft zu verwirklichen, sei es erforderlich, eine Zusage der Kevag zu erhalten, daß die Errichtung von Blockheizkraftwerken geduldet würde.
Eine andere Lösung wäre die Errichtung und der Betrieb solcher Blockheizkraftwerke durch die Stadt selbst. Die Energieerzeugung durch die Stadt selbst und deren Weitergabe an Dritte sei durch den Konzessionsvertrag ausgeschlossen.
In der Diskussion über den Antrag der SPD-Fraktion wurde die Vorstellung, die Stadt könne selbst Energie erzeugen, von anderen Ratsmitgliedern als utopisch bezeichnet. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Städte, die von Ratsmitglied Bächer als Beispiele angeführt wurden, über eigene Stadtwerke verfügten. Insofern sei eine Vergleichbarkeit nicht gegeben.
PAUL WIDNER (SPD) wies darauf hin, daß der alte Konzessionsvertrag noch bis 1987 läuft. Er sprach sich dafür aus, den Abschluß des Konzessionsvertrages zurückzustellen und mit der Kevag neu zu verhandeln, um auch die Möglichkeit eigener Energieerzeugung und deren Abgabe in Blockheizkraftwerken zu ermöglichen.
Dem wurde von Bürgermeister Dr. Possel-Dölken entgegenge- ' halten, daß es ohnehin schwierig war, die erhöhte Konzessionsabgabe von 10 % durch den Abschluß des neuen Konzessionsvertrages bis zum Jahre 2002 zu sichern. Die Wirtschaftsministerien nähmen gegenüber Konzessionsabgaben zunehmend eine restriktive Haltung ein. Es habe großer Anstrengungen bedurft, den Konzessionsvertrag in dieser Form auszuhandeln. Würde man den Abschluß des Konzessionsvertrages nun zurückstellen, bestehe die Gefahr, daß die Stadt im Jahr 1987 nicht mehr diese . günstigen Konditionen erreiche. Auch I. Beigeordneter Dr. Hütte und die Ratsmitglieder Kram, Manns und König (alle CDU) sowie Lorenz (FWG) sprachen sich angesichtsdes damit verbundenen Risikos einerseits und der geringen Wahr - scheinlichkeit, daß es der Stadt möglich sei, wirtschaftlich seihst Energie zu erzeugen, dagegen aus, den Abschluß des Konzessionsvertrages hinauszuzögern. Die Mehrheit des Stadtrates folgte diesen Argumenten und lehnte den Antrag der SPD-Fraktion ab.
Übernahme der Aufgabe der Unterhaltung und Wartung der Straßenbeleuchtungsanlage durch die Verbandsgemeinde zurückgestellt
Zu diesem Punkt berichtete Bürgermeister Dr. Possel-Dölken, daß durch neue Entwicklungen keine Entscheidungsreife im gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe. Er führte aus, in den meisten Ortsgemeinden hätte die Kevag in den vergangenen Jahren die Wartung und Unterhaltung der Straßenbeleuchtung übernommen. Dies sei nach den neuen Konzessionsverträgen nicht
mehr vorgesehen. In der Stadt Montabaur hingegen habe die Stadt auch in der Vergangenheit bereits die Straßenbeleuchtung selbst gewartet und unterhalten. Da eine Wartung und Unterhaltung der Straßenbeleuchtungsanlagen durch die einzelnen Ortsgemeinden unwirtschaftlich sei, habe man überlegt, ob es nicht sinnvoll sei, diese Aufgabe auf eine höhere Ebene, also die Verbandsgemeinde zu übertragen und dazu das städtische Personal, das diese Aufgabe bisher wahrgenommen habe, bei der Verbandsgemeinde zu beschäftigen. Entsprechend einem Auftrag der Bürgermeister und Ortsbürgermeister im Gebiet des Westerwaldkreises habe die Kreisverwaltung jedoch öffentlich ausgeschrieben, um zu sehen ob eine Beauftragung eines Privatunternehmens nicht der wirtschaftlichere Weg sei. Das Ausschreibungsergebnis liege nunmehr vor. Es habe ergeben, daß einige Unternehmer diese Arbeiten zu einem wesentlich niedrigeren Preis angeboten hätten als man auf Verbandsgemeindeebene kalkuliert habe. Man müsse nun zunächst die Vergleichbarkeit dieser Angebote mit den von der Verbandsgemeinde zugrundegelegten Leistungen untersuchen. Darüber wolle man zunächst mit der Kreisverwaltung und den Ortsgemeinden verhandeln. Je nach Ausgang dieser Gespräche solle dann im Januar nächsten Jahres entschieden werden, wie in dieser Angelegenheit weiter verfahren wird. Der Stadtrat erklärte sich mit dieser Vorgehensweise einstimmig einverstanden.
Haushaltsüberschreitung des Hospitalfonds für 1983 genehmigt
Einstimmig gab der Stadtrat seine Zustimmung zur Leistung einer überplanmäßigen Ausgabe in Höhe von 7.500 DM (Haushaltsansatz 45.000,- DM) zum Erwerb von Grundstücken für den Hospitalfonds im Jahr 1983. Diese Haushaltsüberschreitung entstand, als in einem Versteigerungstermin aufgrund eines vorherigen Stadtratsbeschlusses ein Grundstück, das im noch nicht genehmigten Teil des Bebauungsplanes „Alter Galgen" liegt, erworben wurde. Für den dazu erforderlichen Kaufpreis waren keine ausreichenden Haushaltsmittel verfügbar.
Sperrzeitverkürzungen für 3 Lokale in Montabaur Jeweils durch einstimmigen Beschluß gab der Stadtrat seine Zustimmung zur Hinausschiebung der Polizeistunde bis 3.00 Uhr für den Pam-Pam-Club in Montabaur, die Moulin- Rouge Bar und die Tanzgaststätte Madison. Für die Moulin- Rouge-Bar und den Pam-Pam-Club gilt die Sperrstundenverkürzung an allen Wochentagen, für die Tanzgaststätte Madison jedoch nur für die Nacht zum Donnerstag auf Freitag und die Nacht vom Samstag auf Sonntag.
Die Verkürzung der Sperrstunde wurde auf 1 Jahr befristet. Bezügl. des Tanzlokals Madison wurde sie unter dem Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs ausgesprochen. Auf Frage von Ratsmitglied Schwind (CDU) führte die Verwaltung aus, dieser Vorbehalt solle sicherstellen, daß im Falle von Nachbarbeschwerden Abhilfe geschaffen werden könne.
Zustimmung zur Planfeststellung für den Anschluß an die L 326 (Hollerer Straße) an die B 49 Bürgermeister Dr. Possel-Dölken erläuterte zunächst, daß vom Straßenneubauamt Vallendar für den Anschluß der L 326 an die B 49 ein Planfeststellungsverfahren beantragt worden ist. Durch den Bau dieser Anschlußstelle soll die Innenstadt verkehrsmäßig entlastet werden. An die B 49 solle im nördlichen Bereich eine Anbindung erfolgen.Dabei müsse man aber auch das Ziel berücksichtigen, den Friedhof der Barmherzigen Brüder weitgehend zu schonen. Im südlichen Bereich solle eine Anbindung von der Verbindungsstraße zwischen der Hollerer Straße und der Gelbachstraße, die zum großen Teil im Zuge dieser Baumaßnahme verbreitert und ausgebaut werden soll, erfolgen. Lothar Elsner (SPD) regte in diesem Zusammenhang an, die Pappelallee gleichzeitig mit auszubauen. Bürgermeister Dr. Possel-Dölken erklärte, dies sei im Hauptausschuß bereits so erklärt worden. Ein Großteil dieser Straße müsse ohnehin im

