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Montabaur 10/43/83

Zum Wildbestand und zur Jagdverpachtung merkte Forstamts­rat Reifenberger an, daß die Waldflächen der Stadt in 7 Jagd­reviere eingeteilt sind, die alle verpachtet sind.

Der Revierteil auf der Montabaurer Höhe gehöre schon seit jeher zum Rotwildkerngebiet, während die .Gelbachtalreviere als reine Niederwildreviere (Reh, Fuchs, Hase, Fasan) zu betrachten seien. Auf der Montabaurer Höhe gebe es vornehmlich Rotwild, dane­ben Schwarz- und Muffelwild. Das Rehwild und sonstiges Nieder­wild spielten nur eine untergeordnete Rolle. Das Muffelwild sei 1981 vom Forstamt Neuhäusel und dem damaligen Jagdpäch­ter Mast ausgesetzt worden. Trotz einer schonenden Bejagung halte sich der Muffelwildbestand in Grenzen, da die Standortver­hältnisse für das Muffelwild nicht optimal seien.

Reifenberger ging sodann auf die Wildschäden - insbesondere durch das Rotwild - ein. In diesem Zusammenhang werde immer wieder gefordert, die Rotwildbestände durch den Abschuß zu reduzieren. Schutzmaßnahmen seien aber auch bei einem verrin­gerten Rotwildbestand notwendig und würden im übrigen vom Jagdpächter bezahlt. Würde man den Wildbestand so reduzieren, daß eine Bejagung fast nicht mehr möglich sei, so würden auf Dauer Jagdreviere kaum zu verpachten sein. In diesem Zusam­menhang sei zu bemerken, daß der jährliche Pachterlös nur geringfügig unter den Einnahmen aus der Bewirtschaftung des Stadtwaldes liegen. Ein großes Problem für die Wildpflege sei - so Reifenberger - die Öffnung des Waldes für jedermann. Spaziergänger, die quer durch die Dickungen streifen, Reiter, Jogger und die Volkswanderungen großen Stils, die Köppelbe- sucher und viele andere mehr verwandelten heute den Wald bei Tag und Nacht in einen Rummelplatz. Man habe nichts gegen Wanderer und Jogger, die sich auf den befestigten Wegen halten, diejenigen aber, die quer durch den Wald streifen, nähmen dem Wild seinen natürlichen Lebensraum.

Besonderes Interesse fanden die Ausführungen von Reifenberger, zu den Waldschäden durch Umwelfeelastungen. Er erinnerte dar­an, daß vor einigen Jahren erste Schäden im Schwarzwald und im Byerischen Wald festgestellt wurden Diese Schäden zeigten sich durch eine Vergilbung der Nadeln und anschließendes Ab­sterben der Bäume, insbesondere der Fichte. In benachbarten Ländern seien die Symptome schon länger beobachtet worden.

Es seien schon tausende von Hektar Wald insbesondere in der CSSR abgestorben. Auch im Stadtwald von Montabaur zeigten sich - insbesondere wenn Schnee lag, ein vermehrter Nadelaus­fall und das Abbrechen kleinerer Äste bei der Fichte. Auch eine Vergilbung der Fichtennadeln wurde festgestellt, und die Kro­nen bei Buche und Lärche seien lichter geworden. Ursache dafür seien die Umweltbelastungsstoffe Schwefeldioxyd, Stickoxyde, Chlor und Fluorverbindungen, Ozone und andere Schadstoffe, die in einer Verbindung miteinander proportional erhöhte Werte schafften und den Wäldern Schaden zufügten. Dabei müsse man Nah- und Femimmissionen unterscheiden.

Als Nahimmissionen .gäbe es in der Nähe die Schäden an den Wäldern rings um das Kannenbäckerland.

Die Femimmissionen seien flächendeckend in der ganzen Bun­desrepublik feststellbar.

Auch in der Forstwirtschaft gäbe es heute noch einige, die sich schwer tun, die Schäden objektiv zu beurteilen. Im Stadtwald von Montabaur seien einige Bestände noch völlig gesund.

Das dürfe aber nicht dazu verleiten, das Problem zu bagatellisie­ren. Insgesamt seien beträchtliche Schäden feststellbar.

Im August 1983 sei bundesweit die erste umfassende Erhebung der jetzigen Schäden angestellt worden. Mit einem Raster von 600 x 600 m sei jeweils ein Fixpunkt im Revier festgelegt wor­den. Im RevierMontabaurer Höhe habe es 31 Fixpunkte ge­geben. Um den jeweiligen Fixpunkt seien die 10 nächstliegenden Bäume gekennzeichnet und nach folgenden Schadensklassen eingestuft worden:

Schadensklasse 0 = ohne sichtbare Schäden (wenigerals 10% Nadel- oder Blattverlust),

Schadensklasse 1 = leichte Schäden

(10 - 25 % Nadel- oder Blattverlust),

Schadenskla«e 2 = mittlere Schäden

(25 - 60% Nadel- oder Blattverlust),

Schadensklasse 3 = stärkere Schäden

(mehr als 60 % Nadel- oder Blattverlust)

Außerdem habe man unterschieden in bis zu 60jährige Bestän­de und über 60jährige Bestände. Die Schäden an den jungen Beständen lägen nämlich deutlich unter denen an den mehr als 60jährigen Beständen. Außerdem müsse man auch nach Holzarten trennen, weil z.B. die Fichte stärker geschädigt sei als die Buche.

Als Gesamtergebnis für den Stadtwald Montabaur könne man fest stellen :

Bei der Buche seien die bis zu 60jährigen Bestände zu 8 % leicht geschädigt, die über 60jährigen Buchenbestände seien bis zu 19% leicht geschädigt. Die übrigen Buchenbestände zeigten keine Schäden.

Bei der Fichte seien die bis zu 60jährigen Bestände zu 26 % leicht geschädigt und 1% zeige sogar schon mittlere Schäden, 54 % der über 60jährigen Fichtenbestände seien leicht geschä­digt, 9 % zeigten mittlere Schäden.

Die größte Schädigung sei bei der Lärche festzustellen, und zwar bei den bis zu 60jährigen Beständen 32% leichte Schä­den und 7 % mittlere Schäden. Bei den über 60jährigen Be­ständen seien 40 % leicht geschädigt. 50 % zeigten mittlere Schäden.

Wenn man alle Holzarten und Altersklassen zusammennehme-

so Reifenberger,so ergäbe die Aufnahme, daß z.Z.t. rd .25 1 des Waldbestandes der Stadt leichte bis mittlere Schäden auf­weise. Diese Betrachtung decke sich mit den vergleichbaren Zahlen, die auf Landesebene ermittelt wurden. Zu berück­sichtigen sei weiter, daß die Trockenschäden in diesen Zahlen mit enthalten sind, da diese von den Symptomen her nicht von den Umweltschäden zu unterscheiden seien. Reifenberger führte weiter aus, wenn die .schädlichen Um­welteinflüsse heute aufhörten, wäre der zur Zeit vorhandene Schaden relativ bedeutungslos. Davon könne man aber nicht ausgehen, da die Schäden relativ schnell fortschritten und eine Verringerung der Umweltbelastungen kurzfristig nicht voraussehbar sei. Aus der Sicht der Forstwirtschaft könne man dagegen so gut wie nichts tun. Auch Düngungsmaßnahmen würden wahrscheinlich keine großen Erfolge bringen, da alle 1 Standorte und Holzarten gleichermaßen von den Umweltschä-, den betroffen seien. Wirkungsvoll könne allein die Verringe -1 rung der Schadstoffbelastung sein. In dieser Frage seien die Politiker gefordert, entsprechende Maßnahmen zu verwirkli­chen. Die bisher getroffenen Maßnahmen reichten nicht aus und wirkten überdies nicht schnell genug.

Forstamtmann Otto Velten, Untershausen, gab sodann einen Bericht über die Situation des ForstreviersGelbachtal. Das Forstrevier Gelbachtal umfasse eine Fläche von 289,3 Hek ar (22 % des Gesamtstadtwaldes).

Das Forstrevier Gelbachtal erstrecke sich von Giershausen bis Eschelbach. Die durchschnittliche Höhenlage betrage ca. 300 m.

Nach einigen interessanten Ausführungen über Bodenart, Nied( schlagsmengen und Temperaturverhältnissen im Forstrevier Gelbachtal ging Forstamtmann Velten sodann auf die wirt­schaftlichen Verhältnisse in diesem Forstrevier ein.

Vor 1975 sei die Bewirtschaftung dieses Reviers äußerst schwierig gewesen, weil die Wege sehr schlecht zu befahren waren. Die Gemeinden im Forstrevier Gelbachtal seien aus finanziellen Gründen nicht in der Lage gewesen, die erforder chen Mittel für den Wegebau aufzubringen. In den letzten | Jahren sei auf diesem Gebiet viel erreicht worden. In den Steilhanglagen, in denen früher eine-Holzabfuhr fast