Montabaur 7/6/81
Er betonte, der Handlungsspielraum der Stadt in den kommenden Jahren werde nicht nur durch die rückläufigen Einnahmen, sondern auch durch höhere Umlagebelastungen enger. Hinzu kämen die Folgekosten bestehender Einrichtungen und die Hochzinspolitik.
Alles in allem sei der vorgelegte Entwurf des Haushaltsplanes aus der Sicht der Verwaltung ein Plan, der nach Möglichkeit alles erfasse, was der Rat beschlossen habe und voraussichtlich 1981 verwirklicht werden könne.
Für die CDU-Fraktion erklärte deren Vorsitzender Dr.HÜTTE zum Haushaltsplanentwurf 1981 folgendes:
Die Diskussion über den Entwurf des Haushaltsplanes sei angesichts des finanzpolitischen Umfeldes, das durch ständig knapper werdende Mittel gekennzeichnet sei, nicht einfach gewesen. Man verspüre den Zwang, den Gürtel enger zu schnallen. Besondere Beachtung habe man der Tatsache geschenkt, daß die Neukreditaufnahme in Höhe von 1,8 Mio DM relativ hoch sei. Diese vorgesehene Kreditaufnahme sei aber Folge der laufenden Investitionen, die von der Stadt nicht gestoppt werden könnten. Beachtlich sei auch der Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen und die Erhöhung des Gemeindeanteils aus der Einkommensteuer.
Im Haushalt 1981 sei eine Reihe von Investitionen veranschlagt, die von Sachzwängen bestimmt seien. Er verwies auf die Anlegung eines Sportplatzes im Schul- und Sportzentrum, die notwendig sei, um dem TuS eine Gelegenheit zum Sportbetrieb zu geben. Ähnliches gelte für den Sportplatz in Horressen, der ohne die vorgesehenen Investitionen nicht mehr benutzt werden könne. Kaum beeinflußbar seien die notwendigen Grundstücksbereitstellungen im Schul- und Sportzentrum, Diese Maßnahmen beschnitten den Spielraum im kommunalen Haushaltsgeschehen. Dr. Hütte verwies in diesem Zusammenhang auf die Anlegung der Parkplätze im Schul- und Sportzentrum.
Auch die freiwilligen Investitionen im Haushaltsplan seien kaum zu umgehen. So leiste die Stadt freiwillig an die Verbandsgemeinde einen Standortvorteil für das Hallen- und Freibad in Höhe von 193.000,- DM (Anteil an den ungedeckten Kosten)
Nach Auffassung der CDU - Fraktion sei jedoch das Hallenbad in Montabaur notwendig.
Der CDU-Sprecher wies weiterhin darauf hin, daß die Umlagen künftig noch steigen werden. Darauf habe die Stadt keinen Einfluß. Alles in allem werde die Finanzsituation kritischer als in den vergangenen Jahren. Dies belege die schrumpfende freie Finanzspitze. In den kommenden Monaten müsse man sich Gedanken machen über die Höhe der Steuerhebesätze. Man dürfe sich es dabei jedoch nicht zu einfach machen,da beispielsweise eine Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes auch nachteilige Folgen habe. Die Stadt sei gezwungen, Prioritäten zu setzen.
Anschließend ging Ratsmitglied Dr. Hütte im einzelnen auf einige Haushaltsansätze ein und stelle folgende Anträge:
1 Für die Stadtbücherei sollten nach Auffassung der CDU-Fraktion keine Leihgebühren mehr erhoben werden. Man verspreche sich davon eine bessere Ausnutzung. Gleichzeitig sollen aber die Säumnisgebühren erhöht werden.
2. Für das Hallen- und Freibad soll die Verwaltung beauftragt werden, Einsparungsmöglichkeiten zu suchen, um die Unterdeckung zu reduzieren.
3. Die Weihnachtsbeleuchtung in der Kirchstraße soll ausgedehnt werden bis zur Einmündung der Kolpingstraße.
4. Die Anlegung der „inneren Umgehung” als Voraussetzung für die Fußgängerzone solle beschleunigt werden. Im Haushaltsplan sollten für den Grunderwerb zusätzlich 100.000,-DM bereitgestellt werden. Die Mittel sollten beschafft werden
durch eine Kürzung des Haushaltsansatzes für die Grünanlage an der kath. Kirche, da Übereinstimmung darin bestehe, daß die dafür vorliegende Planung zu aufwendig sei.
Zusammenfassend erklärte der CDU-Sprecher, seine Fraktion habe zum Ende des Jahres 1980 - ebenso wie die anderen Fraktionen, Wünsche zum Haushaltsplan 1981 gestellt und festgestellt, daß sie im Haushaltsplanentwurf berücksichtigt seien.
Für die Zukunft gelte aber der Zwang, den Gürtel enger zu schnallen und einige Maßnahmendie nützlich, aber nicht notwendig seien, zurückzustellen. Seine Fraktion stimme dem Haushaltsplanentwurf zu.
Für die SPD-Fraktion erklärte deren Vorsitzender WIDNER die Ablehnung seiner Fraktion zum vorgelegten Haushaltsentwurf.
Eingangs gab er eine Grundsatzerklärung seiner Fraktion ab,die zum Inhalt hatte, daß in der Vergangenheit die SPD-Fraktion die großen Investitionsmaßnahmen mehrheitlich mitbeschlossen habe. Die jetzige SPD-Fraktion sei der Auffassung, dies sei falsch gewesen. Heute würde sie nicht mehr mitziehen. Angebrochene Projekte werde man weiter mittragen, aber man verlange eine genaue Kalkulation und die Festlegung von Höchstkosten.
Auf Dauer werde die SPD-Fraktion alles ablehnen, was an zukünftigen Investitionen die Stadt über Gebühr belasten würde.
Ratsmitglied Widner kritisierte die Kostensteigerungen beim Rathauserweiterungsbau und beim ..Soldatenheim. Hier verlange er die Einsetzung eines Ausschusses aus Fachleuten der Baubranchen, weil er Versäumnisse des planenden Architekten sah.
Weiterhin erklärte Ratsmitglied Widner, die Zahlen des Haushaltsplanes seien nach seiner Auffassung nicht realistisch. Die Berechnung der freien Finanzspitze gebe kein realistisches Bild wieder. Er varwies darauf, daß in der Vergangenheit die prognostizierten freien Finanzspitzen für die kommenden Jahre jeweils unterschritten wurden. Außerdem bemängalte er, daß im Haushaltsplan - so Ratsmitglied Widner - Einnahmen aus Grundstücksverkäufen veranschlagt seien, deren Realisierung ungewiß sei. Es bestehe also die Möglichkeit, daß weitere Kredite aufgenommen werden müßten und die Pro-Kopf-Verschuldung sich dadurch erhöhen werde. Kritisch äußerte sich Ratsmitglied Widner auch zu der angesprochenen eventuellen Notwendigkeit der Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes als Folge des Wegfalls der Schlüsselzuweisungen für die eingemeindeten Stadtteile, Er verwies darauf, daß eine Erhöhung der Gewerbesteueransätze nicht der gewünschten Industrieansiedlung im Gewerbegebiet „Alter Galgen" förderlich sei. Zusammenfassend forderte er für die SPD-Fraktion die Vorlage eines neuen Haushaltsentwurfes und einen „Kurswechsel".
FWG-Fraktionsvorsitzender SCHWEIZER kündigte für seine Fraktion ebenfalls die Ablehnung des vorgelegten Haushaltsplanentwurfes an. Er kritisierte, der von der Verwaltung vorgelegte Entwurf des Haushaltsplanes 1981 enthalte keine realistischen Zahlen. Außerdem bemängelte er die im Haushaltsplan vorgesehene Kreditaufnahme. Er forderte einen Abbau der Schulden. Ratsmitglied Schweizer vertrat die Auffassung, die Stadt habe in der Vergangenheit zu viele und zu große Investitionen angefangen. Kritisch betrachtete er weiterhin den Rückgang der freien Finanzspitze und die Steigerung der Zinsbelastungen in den kommenden Jahren. Die von der Verwaltung veranschlagten Einnahmen aus Grundstücksverkäufen sind nach Auffassung von Ratsmitglied Schweizer nicht gesichert. Er beanstan dete weiterhin die Erhöhung der Verbandsgemeindeumlage, die nach seinen Worten auf den Rathauserweiterungsbau zurückzuführen ist. Insgesamt seien die Einnahmen und Ausgaben des Haushaltsplanes zu optimistisch veranschlagt. Notv endig sei, den Haushaltsplan zu durchforsten und die Ausgaben stark zu beschränken, damit die Kreditaufnahme zurückgehe

