Montabaur 4/1 / 81
Die Verwaltungsleitung habe dafür plädiert, nur die unumgänglich notwendige Erhöhung vorzunehmen und die Ortsgemeinden so wenig wie möglich in ihrem Finanzierungsspielraum zu beschneiden. Es sei jedoch auch darauf hinzuweisen, daß bei Realisierung der in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehenen Maßnahmen zwangsläufig weitere Steigerungen der Verbandsgemeindeumlage vorgenommen werden müßten.
Mit dieser Feststellung verband der Bürgermeister ein mahnendes Wort an die Ortsgemeinden, diese zu erwartenden höheren Belastungen bei ihrer Finanzplanung ins Kalkül zu ziehen.
Feststellen konnte Bürgermeister Mangels, daß die dauernde Leistungsfähigkei t der Verbandsgemeinde gesichert sei. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die höhere Zuführung des Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt, die beträchtlich über der Pflichtzuführung liegt. Bei den Kanalisationsmaßnahmen sei - nach Rücksprache mit den Ortsbürgermeistern - eine Streckung einiger Kanalerneuerungsmaßnahmen vorgenommen worden.
Mit Blick auf die Kanalbenutzungsgebühren und Kanalanschlußbeiträge erklärte Bürgermeister Mangels, nach Vorlage der Rechnungsergebnisse des Jahres 1980 werde man sich überlegen müssen, ob nicht eine Anhebung dieser Entgelte notwendig sei.
Auch für das Wassergeld signalisiere der Vorbericht zum Wirtschaftsplan Sachzwänge, das Wassergeld zu erhöhen. Bürgermeister Mangels kündigte an, es werde unter Umständen eine Sondersitzung des Verbandsgemeinderates im Januar stattfinden, bei der über diese Zahlen geredet werden soll.
Stellungnahme der Fraktionen
Stellungnahme der CD U-Fraktion:
Für die CDU-Fraktion nahm Wolfgang Seul zum Haushaltsplan Stellung.
Er befaßte sich zunächst mit der Frage, wie die Expansion des Haushaltsvolumens sowohl im Verwaltungs- als auch im Vermögenshaushalt mit dem wirtschaftspolitischen Umfeld in Einklang zu bringen sei und verwias auf die „beängstigende Haushaltssituation in Bund und Ländern", deren Sparabsichten und auch die Sparhaushalte anderer Kommunen in der Nachbarschaft.
Eine Steigerung des Haushaltsvolumens im Verwaltungshaushalt um 15 % und im Vermögenshaushalt um über 6% falle aus dem Rahmen dessen, was Bund und Länder und sicher auch viele andere kommunale Gebilde der unteren Ebene derzeit vertreten könnten.
Ratsmitglied Seul rechtfertigte jedoch diese Steigerungen und die im Haushalt 1981 vorgesehenen Investitionen mit dem Investitionsstau, der seit mehreren Jahren durch Vorentscheidungen aller Friktionen verursacht worden ist. Er spielte damit auf den Investitionsbedarf für die Hauptschulen, für den Rathausneubau und die beachtlichen Anstrenungen in der langfristigen Sicherstellung der Wasserversorgung und im Kanalbau an. Der CDU-Sprecher machte auf die Entscheidung über die Hauptschulkonzeption mit dezentralen Schwerpunkten aufmerksam. Die Investitionen für die Hauptschulen in Nentershausen und Montabaur seien zwar beträchtlich. Hätte man sich indes für ein zentrales System entschieden, wären die Kosten sicher höher ausgefallen. Mit Blick auf die Ausstattung der Schulen und die Ergänzung des Inventars berichtete “Wolfgang Seul, man verlasse sich auf die Beratung des Schulträgerausschusses. Um eine „Filterung" der Anforderungen aus dem Kreis der Schulleitern noch besser und effektiver werden zu lassen, schlug er die Bildung eines kleinen Gremiums, bestehens aus Schulleitern vor, in dem die Anforderungen der einzelnen Schulen auf Sinn und Notwendigkeit überprüft werden soll.
Mit Blick auf den Rathausneubau verwies Ratsmitglied Seul auf die vorheirgen Beratungen. Man habe sich für den Rathausneu
bau entschieden, um einen rationellen Verwaltungsablauf zu sichern, der bei der derzeitigen zentralen Unterbringung ganzer Abteilungen nicht gewährleistet sei. Er betonte auch den baupolitischen Aspekt des Rathausneubaues: Die Verbandsgemeinde habe sich für den Konrad-Adenauer-Platz zur Ausdehnung des Rathauses entschieden und müsse jetzt im Zuge der städtebaulichen Konzeption der Stadt ihre Baumaßnahme zur rechten Zeit durchführen.
Die CDU-Fraktion sei - so Wolfgang Seul weiter - nicht glücklich, daß man mit der Auflösung des Investitionsstaues in eine unüberschaubare Phase der künftigen Entwicklung der Gemeindefinanzen geraten sei. Er verwies auf die voraussichtliche Kürzung der Schlüsselzuweisungen, die Auswirkungen der Steuersenkungen 1981 auf Lohn- und Einkommenssteuer und damit auf den Haushalt der Verbandsgemeinde, den nach wie vor vorhandenen Preisauftrieb und die Zinsentwicklung am Kapitalmarkt. Dies seien keine idealen Ausgangspunkte für den Haushalt 1981. Man stehe jedoch unter Entscheidungszwängen.
Die Schätzung der Schlüsselzuweisungen, der Steuern - und der Gebühreneinnahmen halte die CDU-Fraktion für angemessen. Sie seien mit der nötigen Vorsicht angesetzt worden. Die Erhöhung der Verbandsgemeindeumlage um 3% ist nach den Worten von Ratsmitglied Seul für die Ortsgemeinden und deren Finanzspielraum nicht unzumutbar.
Man liege noch unter den Sätzen der anderen Verbandsgemeinden im Bereich des Westerwaldkreises. Es sei anzuerkennen,daß die Ortsbürgermeister die Anhebung der Verbandsgemeindeumlage mittragen. Für die Zukunft habe man allerdings die Verpflichtung, darauf zu achten, daß die Ortsgemeinden ihren originären Aufgaben auch weiterhin nachkommen könnten.
Ratsmitglied Seul erklärte, im Rahmen der mittelfristigen In- vestitionsplanungen bestehe mehr denn je die Notwendigkeit, Streckungen,insbesondere im Abwasserbereich vorzunehmen.
Die Entscheidungen müsse man künftig auch von der Zusage von Landeszuschüssen abhängig machen. In der Vergangenheit sei man in diesem Bereich gerade gegenüber den Ortsgemeinden großzügig verfahren. Es seien Investitionen mit der größeren Finanzkraft der Verbandsgemeinde realisiert worden, die einzelne Ortsgemeinden kaum hätten finanzieren können.
Trotz der Zuweisungen des Landes in Höhe von 7,9 Mio DM und des Kreiszuschusses für die Schulbaumaßnahmen in Höhe von 700.000,- DM, die von CDU-Sprecher Seul dankbar anerkannt wurden, betrage die Fremdfinanzierungsquote 1981 dennoch über 35 %.
Nach Auffassung der CDU-Fraktion sei damit ein kritischer Wert erreicht. Eine Vorausschau der Belastungen aus der mittelfristigen Investitionsplanung bis 1984 ergebe Verschuldungsgrade, die volle Aufmerksamkeit erforderten. Er kündigte an, seine Fraktion werde die Prioritäten für die Investitionen in den nächsten Haushaltsjahren sehr sorgfältig prüfen. Investitonsstreckungen werde man in Kauf nehmen, wenn dies aus Gründen der Ausgewogenheit des gesamten Haushaltes und der Schonung der Haushalte der Ortsgemeinden notwendig erscheine.
Abschließend führte Ratsmitglied Seul aus, die CDU-Fraktion erkenne an, daß der Haushalt 1981 das aufweise, was politisch gewollt sei und in seinen Ansätzen vorsichtig bewertet sei. Die CDU-Fraktion stimme dem Haushalt 1981 zu, verhehle aber auch nicht ihre Sorge um die weitere Entwicklung , die künftigen Entscheidungen sicher nicht einfacher machen werde.
Stellungnahme der SPD-Fraktion:
Für die SPD-Fraktion nahm deren Vorsitzender Reiner Schlemmer Stellung. Er sprach von einer sprunghaften Steigerung des Gesamtvolumens und machte darauf aufmerksam, daß die Verbandsgemeinde ihr Haushaltsvolumen innerhalb von 5 Jahren verdoppelt hat. Gegenüber 1975 - also dem ersten Jahr nach

