Prinz Reinhold I. - Medicus vom goldenen Zahn regiert in Montabaur
In einem prachtvollen und ganz auf die närrische "Machtübernahme" des Prinzen Reinhold I., Medicus vom goldenen Zahn" abgestellten Festakt hoben die Narren der "Heiterkeit", unterstützt von den geistlichen und weltlichen Oberhäuptern der Stadt, ihre närrische Tollität 1970 auf den Schild. Die Kürung fand, wie bereits seit einigen Jahren Brauch, im festlich hergerichteten Saale des altehrwürdigen Rathauses statt. Der Hofmarschall seiner Tollität Karl Theis, ein Kegelbruder des Prinzen und selbst "Uralter Narr", konnte neben dem närrischen Ministerium eine "erlauchte Schar" aus der Bevölkerung von Montabaur begrüßen, auf die sich der Prinz auch in diesem Jahr besonders stützen kann. Mit wohlgesetzten Worten überreichten Exprinz Wolfram I. von Recht und Gnaden die Prinzenkette, Altkarnevalist Josef Germann die Handschuhe, Exprinz Alfred I. vom Schloß Tabor und Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft "Heiterkeit" den Prinzenring. Die Prinzenmütze erhielt Prinz Reinhold von seinem Funkenmariechen. Die im Verlaufe des Festaktes gehaltenen Ansprachen und die hierauf erfolgten prinzlichen Antworten, hervorragende närrische "Florettfechtereien", ließen bereits erkennen, daß die diesjährige Fastnacht in Montabaur für Jung und Alt ein Erlebnis sein wird.
Über die am folgenden Tage stattgefundene erste Kappensitzung der Heiterkeit, bei der die Wogen der Begeisterung die festlich geschmückte Narhalle im Kolpinghaus fast fortschwemmten, wurde in der Tagespresse bereits berichtet.
Mit Riesenschritten strebt die Fastnacht den drei tollen Tagen und damit ihrem eigentlichen Höhepunkt zu. Es sind die närrisch frohen Stunden, da Prinz Karneval in aller Öffentlichkeit sein Zepter schwingt. Hier ist der närrische Fahrplan für Prinz Reinhold I. * Medicus vom goldenen Zahn:
FA STNA CHTSSONNTAG:
Die närrische Tollität, der Hofstaat, das Kinderprinzenpaar, sowie der gesamte närrische Nachwuchs der Stadt Montabaur und aller noch einzugemeindeten umliegenden Ortschaften begeben sich in einem KI ND ERFASTNACH TSZUG um 14. 00 Uhr vom Bahnhof zum Rathaus. Hier wird Bürgermeister Willi Mangels die Tollitäten begrüßen. Nach Verlesung der Proklamationen beginnt um 15. 00 Uhr der KINDE RMASK ENBAL L in der Schloßschänke, der auch von den Tollitäten besucht wird.
Im Verlaufe des Nachmittags sucht Prinz Reinhold I. mit seinem Gefolge die alte Prinzenresidenz Hotel Schlemmer auf, um hier mit seinen prinzlichen Vorgängern einen kleinen Umtrunk zu halten. Danach gibt Stadtpfarrer Dekan Breidling im "Hotel zum guten Hirten" , einer langjährigen Tradition entsprechend, dem Prinzen, seinem Gefolge und den Exprinzen einen Empfang. Der Abend ist dem Besuch der Maskenbälle Vorbehalten.
FASTNACHTMONTAG:
Das traditionelle, festliche Prinzenbankett findet in der Narhalla des Kolpinghauses statt. Es beginnt um 10.11 Uhr und vereinigt alle geladenen Gäste um den närrischen Prinzen. Den Nachmittag hat der Prinz Besuchen im Altersheim, im Krankenhaus und bei Günther Parbel Vorbehalten.
Um 20.11 Uhr erwarten die Sänger des MGV Mendelssohn-Bartholdy den närrischen Regenten mit seinem Hofstaat auf dem traditionellen Rosenmontagsball.
FASTNACHTDIENSTAG:
Um 14. 00 Uhr wird, wie vom Zugmarschall F. J. Löwenguth zu erfahren ist, ein in Größe, Prunk und närrischem Witz noch nicht dagewesener Zug durch die Straßen von Montabaur rollen. Die Stadt selbst wird an den drei tollen Tagen einen närrischen Schmuck anlegen. Die Bewohner der Kirch- und Bahnhofstraße werden gebeten, wie in den vergangenen Jahren, ihre Häuser zu schmücken.
Im Anschluß an den Zug wird sich Prinz Reinhold I. von seinen närrischen Untertanen in einer feierlichen Schlußproklamation verabschieden.
Geschichtliches zu Carneval- Fastnacht
( Fo rt setzung)
Montabaur von "MONS TABOR” abzuleiten, berechtigt noch lange nicht, den "carrus navalis" (Schiffskarren, Schiff auf Räder gestellt) zu dem Wort CARNEVAL werden zu lassen. Weder die römischen Saturnalien noch die Luperealien sind mit der ältesten rheinischen Fastnacht (Fastabend) in unmittelbare Beziehung zu bringen. Es läßt sich aber bei der Suche nach der Herkunft der Fastnacht die Annahme vertreten, diese und auch die süddeutsche FASNET nähmen ihren Ursprung von den Winteraustrei- bungs- und Fruchtbarkeitsriten her und mischten sich in römische, keltische und germanische Prägung. Nach uralten Annahmen zogen die Fruchtbarkeitsgottheiten, wenn die Erntezeit vorbei war, zu Schiff davon und kamen im Frühjahr auch wieder zu Schiff zurück. Diese Vorstellung brachte das Schiffsymbol in das "Fruchtbarkeitsbrauchtum" und ließ im Binnenland den SCHIFFS- KARREN entstehen. Fruchtbarkeit und Lebensgeister sollten geweckt werden; so kann man auch in der Handhabung der PRITSCHE eine Anlehnung an die Lebensrute finden, mit der in alter Zeit an Frühlingsfesten besonders gern auf Frauen und Mädchen eingeschlagen wurde.
Der Kölner Erzbischof Bruno (953 - 965), der jüngere Bruder des Kaisers Otto I. , war nicht nur ein Politiker von Format, ihm lag auch die Bildung und Seelsorge sehr am Herzen, so daß heidnisches Brauchtum abgestellt wurde, zwar nicht mit einem Schlage, denn vor Beginn der Fasttage war auf den Straßen noch allerlei los, was um so merkwürdiger anmutete, als man den eigentlichen Sinn dieses Tuns nicht mehr kannte.
Und schon setzte eine neue Sinngebung von der Fastenzeit her ein: die "Fastnacht", d.h. , der Tag vor Beginn der Fastnacht, vor Aschermittwoch. Da wurde nun der Lebensfreude noch einmal mit besonderer Hingebung gehuldigt; denn am nächsten Morgen hieß die Parole: caro, vale = Fleisch (=speise), lebe wohl! Auch in CARO VALE (rnlat. , 13. Jhdt. , carne vale) sieht man ein Bildungselement zu dem Wort Carneval.
1823, dem Jahr der Wiederbelebung der Fastnachtsfeier, setzte eine Organisation ein, von welcher der gesamte Rheinische Carneval heute noch zehrt, Es bildete sich nämlich der "Gesellschafts-Karneval" mit Sitzungen, Reden, Liedern, großem
■ 2 -

