Nr. 01/2004
Wochenb latt VG Montabaur _
kosten so gering wie möglich zu halten, aber auch in diesem Bereich seien die Auswirkungen der wirtschaftlichen Lage im Lande zu spüren.
Ein weiterer größerer Posten sind die Zinsausgaben: Im Jahre 2004 sind für die Verzinsung von Krediten im Verwaltungshaushalt insgesamt 476.000 Euro aufzubringen, das sind 56.000 Euro mehr als im abgelaufenen Jahr.
Weiterhin erläutert Erster Beigeordneter Stein die Maßnahmen des Ver-
mögenshaushalts.
Die Ausgaben des Vermögenshaushalts betragen zusammen 2.348.000 Euro. Unter anderem werden für die Allgemeine Verwaltung für Erneuerungsinvestitionen 64.130 Euro und für weitere Anschaffungen im EDV-Bereich 137.500 Euro ausgegeben. Weitere große Posten sind mit 363.000 Euro die Investitionen in den Brandschutz und 1.080.000 Euro für den schulischen Bereich.
Die Einnahmen des Vermögenshaushalts in Höhe von 2.348.000 Euro setzen sich zusammen aus der so genannten Pflichtzuführung aus dem Verwaltungshaushalt, die 321.160 Euro beträgt. Daneben sind Zuweisungen des Landes in Höhe von 551.100 Euro zu erwarten. Weitere 146.000 Euro werden der „Allgemeinen Rücklage” entnommen, die mit dieser Entnahme aufgezehrt ist. Vom Kreditmarkt ist die Aufnahme von Darlehen in Höhe von 1.208.740 Euro geplant.
Für den Schuldenstand im Haushalt der Verbandsgemeinde bedeutet die Neuverschuldung per 31.12.2004 einen Anstieg auf insgesamt rund 11,2 Mio. Euro und damit eine Pro-Kopf-Verschuldung von 284 Euro. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt für Verbandsgemeinden dieser Größenordnung liegt - bezogen auf das Jahr 2002 - bei 298 Euro, er wird sich zum Jahresende 2004 weiter erhöhen.
In seinem Schlusswort stellte der Erste Beigeordnete fest, dass mit dem Haushaltsplanentwurf ein ausgeglichener Haushalt zur Abstimmung vorgelegt wird.
Allerdings müsse der Verwaltungshaushalt mit einem „Griff in den Vermögenshaushalt (50.000 Euro) finanziert und zur Realisierung notwendiger Beschaffungen und Sanierungen im Vermögenshaushalt neue Schulden (rund 1,2 Mio. Euro) gemacht werden. Mit diesem Haushalt könne längst nicht alles Wünschenswerte erfüllt werden. Auch in den nächsten Jahren müsse man Besonnenheit bei der Umsetzung von Wünschen walten lassen und sparsam und wirtschaftlich planen. Er bat den Verbandsgemeinderat um Zustimmung zu dem Entwurf des Haushaltsplanes 2004. Fraktionsvorsitzender Wolfgang Müller (CDU) begann seine Stellungnahme zum Haushalt mit der Aussage, schon seit einigen Jahren seien viele Kommunen in großen finanziellen Schwierigkeiten. Die Verbandsgemeinde Montabaur sei dabei ein wenig „auf der Insel der Seligen” zurückgeblieben, aber auch hier habe sich schon im letzten Jahr angekündigt, dass die Zeiten schlechter werden: Der Verwaltungshaushalt musste durch eine Zuführung aus dem Vermögenshaushalt finanziert werden. Das wiederhole sich auch im Jahre 2004. Die ungewisse wirtschaftliche Entwicklung zwinge weiterhin zum Sparen, wobei aber Sanierungsmaßnahmen zur Instandhaltung, z.B. an Schulen, unabdingbar seien, ebenso wie Ausgaben, die der Ankurbelung der wirtschaftlichen Entwicklung dienten. Zu den Investitionen des Vermögenshaushalts merkte Wolfgang Müller an, der Spielraum dafür sei stark eingeengt, wenn man bedenke, dass diese Ausgaben zu fast zwei Dritteln über Kredite finanziert werden müssen und es keine Rücklage mehr gebe.
Es sei nun höchste Zeit, dass für Aufgaben, die den Gemeinden durch Rechtsverordnungen, Gesetze oder auch Initiativen „von oben” zugewiesen würden, eine entsprechende Finanzierung erfolge. Fraktionsvorsitzender Müller bedankte sich bei der Verwaltung für den erarbeiteten Haushaltsentwurf und erklärte, dass die CDU-Fraktion dem Haushalt 2004 zustimme. Fraktionsvorsitzender Jürgen Kronjäger (SPD) erklärte die Zustimmung der SPD-Fraktion zum Haushaltsplanentwurf 2004, da dieser als „Sparhaushalf eingebrachte Entwurf überwiegend sachlich begründete Veranschlagungen enthalte.
Einige Punkte im Haushalt bezeichnete er dennoch als „ärgerlich”:
Im Verwaltungshaushalt handele es sich dabei um die deutlich gestiegenen Sachausgaben, die gestiegenen Ausgaben für Zinsen und die zwar mäßig, aber doch auch weiter gestiegenen Personalkosten.
Im Vermögenshaushalt sei natürlich die Kreditaufnahme „ärgerlich”, die nun immerhin 51% des Haushaltsvolumens ausmache, aber wohl nicht abwendbar sei. Auch die Zuführung vom Vermögenshaushalt an den Verwaltungshaushalt in Höhe von 50.000 Euro gehöre dazu und an dieser Stelle müsse man sich doch fragen, ob der Verwaltungshaushalt mit einem Volumen von mehr als 14 Mio. Euro nicht ohne diesen Betrag auskomme. Zur Reduzierung der Ausgaben im Verwaltungshaushalt stellte die SPD- Fraktion deshalb Abänderungsanträge, die jedoch bei der Abstimmung des Gesamthaushalts keine Zustimmung fanden. p ür ^j e FWG-Fraktion und die Fraktion B 90/Grüne erklärten deren Fraktionsvorsitzende Heinz Vietze und Dietmar Eisenhuth die Zustimmung. Das Zahlenwerk sei im Haupt- und Finanzausschuss ausgiebig beraten worden.
Wirtschaftspläne 2004 der Verbandsgemeindewerke
Bürgermeister Edmund Schaaf stellte sodann die drei Wirtschaftspläne der Verbandsgemeindewerke vor.
Wasserversorgung
Für die Bürger sei die wichtigste Aussage, dass der Wasserpreis von 1,05 Ho h° P o° Kubikmeter im Jahre 2004 unverändert bleibe! Seit 1992 wur- oon u Pr6IS clre ' rna * maßvoll angehoben und der Vergleich mit den übri- wod/^ ersor 9 un 9 s b e t r ieb en im Westerwaldkreis zeige, dass die Wasserte Montabaur damit an zweitbester Stelle liegen.
Wegen der langen Trockenheit im Sommer dieses Jahres musste mehr Wasser von den Vereinigten Wasserwerken Mittelrhein bezogen werden, als in den Vorjahren.
Ohne die Möglichkeit dieses Wasserbezuges hätte es Schwierigkeiten bei der Versorgung geben können. Um die Pumpleistung zur Sicherstellung der Wasserversorgung aus dem Versorgungsgebiet der Vereinigten Wasserwerke Mittelrhein zu erhöhen, sind im Vermögensplan 2004 100.000 Euro veranschlagt.
Eine weitere besondere Ausgabe, nämlich 30.000 Euro, sei vorgesehen für die Erstellung einer Studie über die Situation der Wasserversorgung in der Verbandsgemeinde. Diese Studie soll klären, ob die Speicherkapazitäten der Hochbehälter und die Durchleitungskapazitäten der Verbindungsleitungen ausreichen. Schon jetzt stehe fest, dass es hierfür in den kommenden Jahren Investitionsbedarf gebe.
Die Situation des Wasserwerkes der Verbandsgemeinde beurteilt Bürgermeister Schaaf mit den Worten: „Wasser kann in hervorragender Qualität und ausreichender Menge zu einem sehr günstigen Preis geliefert werden”. Abwasserbeseitigung
Die Verbandsgemeindewerke haben in den vergangen Jahren gewaltige Summen für die Reinigung des Abwassers und die schadlose Beseitigung des Niederschlagswassers investiert- in den letzten 10 Jahren waren das etwa 48 Mio. Euro! Das Wirtschaftsjahr 2004 wird dagegen eher unspektakulär verlaufen.
Erfreulich für die Bürger sei die Tatsache, dass die Entgelte im Jahre 2004 nicht erhöht werden müssen. Es bleibt bei den bisherigen Beträgen
• Schmutzwassergebühr 1,45 € je cbm Schmutzwasser
• wiederkehrender Beitrag für Niederschlagswasser 0,32 € je qm Abflussfläche
• wiederkehrender Beitrag für Schmutzwasser 0,08 € je qm gewichtete Grundstücksfläche.
Im Vermögensplan sei ein Rückgang der Deckungsmittel und des Bedarfs gegenüber 2003 zu verzeichnen, wobei Hauptursache die größere Zurückhaltung der Ortsgemeinden bei der Erschließung neuer Bau- und Gewerbegebiete und beim Ausbau von Straßen sei. Unverändert stark sei aber das Engagement der Werke auf Grund gesetzlicher Verpflichtungen beim Bau von Regenwasserbehandlungsanlagen, wofür 1,645 Mio. Euro veranschlagt sind. Davon müssen alleine in der Stadt Montabaur 1,2 Mio. Euro ausgegeben werden.
Weiterhin sind nach den Überschwemmungen vom 21 ./22.07.2003 Investitionen in die Kanalnetze von Nentershausen und Niedererbach erforderlich, weil diese - wie Untersuchungen ergeben haben - in einigen Bereichen nicht ausreichend dimensioniert sind. Ursache ist der Anschluss von Neubaugebieten an die alten Mischwasserkanäle. Für beide Ortsgemeinden sind je 500.000 Euro veranschlagt. Ob diese Summe ausreichen wird, hängt von weiteren Untersuchungen ab, eventuell müssen zusätzliche Mittel bereitgestellt werden.
Auch für Hochwasserrückhaltemaßnahmen am Sandbach in Niedererbach seien Mittel bereitgestellt. Das habe allerdings nichts mit den Regenereignissen im Juli 2003 zu tun, sondern werde notwendig, weil der Sandbach seit geraumer Zeit mehrfach im Jahr über die Ufer tritt und die angrenzenden Grundstücke überschwemmt. Diese Rückhaltemaßnahme sei eine freiwillige Leistung, die in der Regie der Verbandsgemeindewerke mit Beteiligung der Ortsgemeinde Niedererbach und des Landes Rheinland-Pfalz durchgeführt werde. Mit den angrenzenden Ortsgemeinden müsse über eine Kostenbeteiligung nach dem Verursacherprinzip verhandelt werden.
Zum künftigen Investitionsbedarf der Verbandsgemeindewerke bezog Bürgermeister Schaaf ausführlich Stellung:
Der Gesetzgeber verlange, dass jährlich 10% des gesamten Kanalnetzes der Verbandsgemeinde (das sind rund 350 Kilometer!) mit Kameras befahren und auf Schäden untersucht werden. Werden dabei Schäden festgestellt, sind die Werke verpflichtet, diese zu beseitigen. Bisher wurden 83,5 Kilometer Kanal untersucht, wofür sich in den nächsten Jahren ein Investitionsbedarf für Kanalerneuerungen von ca. 12 Mio. Euro ergibt. Rechnet man das auf das gesamte Kanalnetz um, wäre mittelfristig mit Kosten von 40 bis 60 Mio. Euro zu rechnen! An dieser Stelle könne man nur hoffen, dass die Aufsichtsbehörden erlauben, mit Augenmaß und Blick auf die Belastbarkeit der Anschlussnehmer vorzugehen, denn der Anstieg der Schulden von 13,4 Mio. Euro im Jahr 1992 auf 29,2 Mio. Euro im Jahr 2003 dürfe so nicht weitergehen. Für die Zukunft müsse intensiv über die Frage nachgedacht werden, ob eine Erhöhung der Eigenkapitalquote durch eine Erhöhung der Entgelte erreicht werden könne, was aber eine finanzielle Mehrbelastung der Anschlussnehmer bedeuten würde. Hallen- und Freibad “Mons-Tabor-Bad”
Das „Mons-Tabor-Bad” ist den Verbandsgemeindewerken - so Bürgermeister Schaaf „lieb und teuer”. Die Verbandsgemeinde Montabaur muss aus ihrem Haushalt 489.000 Euro zur Deckung beisteuern. Das sei zwar eine große Summe, die sich aber nicht nennenswert senken ließe, weil gesetzliche Standards zu erfüllen seien. Mit dem sehr schönen Bad werde eine wichtige Freizeiteinrichtung für die Bürger der Verbandsgemeinde, aber auch für Gäste aus benachbarten Städten und Gemeinden vorgehalten. Natürlich werde man sich auch weiterhin nachhaltig bemühen, das Bad wirtschaftlich zu betreiben und nach Einsparpotentialen zu suchen. In seinem Schlusswort dankte der Bürgermeister den Mitgliedern des Werkausschusses für ihre gründliche Arbeit und bat den Verbandsgemeinderat um Zustimmung zu den Entwürfen der Wirtschaftspläne 2004. Für die CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat bedankte sich Ausschussmitglied Walter Schmidt für die sorgfältige Erstellung der Wirtschaftspläne und bezog zu den vom Bürgermeister dargestellten Positionen Stellung. Die CDU-Fraktion stimmte den Plänen zu.

