Montabaur
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Nr. 46/96
Nicht nur am Volkstrauertag
Nicht nur am Volkstrauertag
Gibt es Gründe zur Trauer? Die gibt es sehr wohl! Im Krieg wurden und werden Menschen von Menschen erschossen* gefoltert, geschlachtet, zerstümmelt, gede- mütigt, erschlagen, ersäuft, gekreuzigt - im Namen der Vorväter, im Namen einer Ideologie, im Namen eines Gottes. .
Der Volkstrauertag dient dazu, diese Tatsache bewußt zu machen. Die Opfer eines Krieges, die von "großer" Politik mißbrauchten Menschen, sind Zivilisten und Soldaten, Soldaten, die es doch nur geworden sind, weil es durch historisch gewachsenen Zufall so Sitte und in der Gesellschaft verankert ist. Sie sind willenlose Marionetten ihrer Heerführer, Spielfiguren in überdimensionalen Sandkastenstreitereien, Soldaten, deren ohnehin schon jämmerlich kurze Menschenleben alles andere als ehrenhaft verkürzt wurden und werden. Ichmag gar nicht daran denken, wie viele sehr bedeutende und weniger bedeutende Schriftsteller, Diplomaten, Musiker und Wissenschaftler, aber auch Handwerker, Formgestalter, Sachwalter und Ingenieure der Menschheit durch Kriege schon verlorengegangen sind. Die Gedanken und Fähigkeiten der Toten sind für immer verloren.
Gibt es Gründe zur Trauer? Die gibt es sehr wohll Sehr viele Menschen bilden sich ein, sehr wichtig zu sein, werden des Spieles einfach nicht müde, anderen in strategischer Hinsicht oder im gesellschaftlichem Rang um jeden Preis und mit aller Gewalt überlegen sein zu wollen. Sie verlieren etwas: Sie verlieren das unschätzbare Vermögen, für jedes Lebewesen sensibel sein zu können. Für den Lauf der Natur ist es annähernd gleichgültig, ob sich die Menschen zanken oder nicht, ob sich die Menschheit selbst auslöscht oder nicht, aber für uns Sterbliche sollte es nicht nebensächlich sein. Deswegen sollten wir uns alle darum bemühen, Arroganz und auch den kleinen Streit mit Verwandten, Kollegen oder anderen Mitmenschen zu vermeiden. Das müssen sich alle im Gedächtnis behalten, in jedem Augenblick des Lebens! Schade ist nur, daß sich die meisten Menschen von geschriebenen Wörtern nicht beeindrucken lassen, sie sind gar nicht ansprechbar. Und Sie?
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