Montabaur
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Nr. 41/95
ein Sondergutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen - einige wenige Gesetze und Verordnungen erlassen, die einen ersten wirksamen Verbraucherschutz ermöglichen: z. B. das Chemikaliengesetz und die PCP (= Pentachlor- phenoB-Verbotsverordnung.
Der chemische Cocktail in der Raumluft verursacht Gesundheitsbeschwerden, die nicht einer einzigen Ursache zuzuordnen sind. Kopfschmerzen, Reizerscheinungen an den Atemwegen und Schleimhäuten, Nervenstörungen, Allergieprobleme
- dies alles kann bei belasteter Raumluft auftreten. Ein im rechtlichen Sinne erforderlicher Nachweis, daß Gesundhheits- beeinträchtigungen und -Schäden auf bestimmten Chemikalien beruhen, ist daher schwer zu erbringen, zumal die »Gift«- Dosis meist verschwindend gering ist.
Lösungsmittel
250 000 Tonnen organische Lösungsmittel kommen jährlich im Privatbereich zum Einsatz. Dies entspricht 3 Kilogramm pro Kopf. 10 bis 60 Prozent der meist fettlöslichen Lösungsmittel in der Raumluft gehen über die Zellmembranen in den Stoffwechsel des menschlichen Körpers über und führen bei chronischer Belastung zu Organvergiftungen wie Leber- und Nierenstörungen, Störungen des Nervensystems und Erkrankungen der Atemwege. Die größten Lösemittelbelastungen gehen von großen lackierten Flächen oder von mit Holzschutzmitteln oder Klebstoffen behandelten (Ober-)Flächen wie Böden aus.
Schädlingsbekämpfungsmittel in Teppichböden
Teppichböden und Teppiche aus Naturfaser wie Schurwolle werden nach der Produktion trotz Warnungen des Bundesin- stitutes für den gesundheitlichen Verbraucherschutz (das ehemalige Bundesgesundheitsamt) noch immer mit sog: Pyrethroiden (meist Permethrin oder Cypermethrin) behandelt. Pyrethroide sind Insektizide, die die Faser- oder Holzoberfläche vor Insektenfraß schützen. Nach neueren Erkenntnissen töten diese Verbindungen nicht nur Insekten wie Motten, sie schädigen auch den Menschen. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Konzentrationsstörungen oder permanente Müdigkeit.
Weitere Schadstoffe in Teppichböden
Nach neuesten Untersuchungen der Fraunhofer-Gesellschaft für Toxikologie und Aerosolforschung enthalten alle Teppichböden (nicht nur aus Naturfaser) über 100 verschiedene chemische Stoffe, die in die Raumluft gelangen. Konventionelle Auslegeware enthält z. B. Antistatika, die ein elektrisches Aufladen verhindern sollen; »Antisoiling«-Präparate gegen Verschmutzung; Insektizide bei hohem Wollanteil gegen Motten oder Teppichkäfer; antimikrobielle Stoffe gegen Pilze, Bakterien, darunter noch immer PCP. Dieser Stoff ist häufig in »Bio-Importware« z. B. Naturlatexrücken-Teppichböden oder Kokosfaserwäre enthalten.
Die Teppichrücken bestehen aus Styrol-Butadien, welches gesundheitsschädlich ist. Die Verbindung reagiert außerdem chemisch mit dem Bodenkleber. Dabei entsteht giftiges, krebserregendes Vinylacetat.
Spanplattenmöbel
Der Formaldehyd ist noch immer der häufigste Schadstoff in Wohnungen. Er dampft sowohl aus alten als auch neuen Spanplattenmöbeln aus und stammt aus den Bindemitteln, die sich langsam mit der Feuchtigkeit zersetzen. Die Oberflächenbeschichtung kann die Ausgasung stark herabsetzen. Hohe Raumtemperaturen steigern sie. Die Chemikalienverbotsverordnung setzt den Grenzwert auf 0,05 ppm fest - was leider aber keine Gesundheitsgarantie ist. Formaldehydarme Möbel tragen den »Blauen Engel«. Diese Verbindung kommt außer in Spanplatten, auch in Desinfektionsmitteln, Lacken, Klebern, Lösemitteln, Textilfasertapeten und Textilien vor.
Beherzigen Sei die im Kasten genannten Ratschläge, insbesondere wenn Sie Kinder haben, da diese durch ihre schnelle Atmung im Verhältnis zum Körpergewicht mehr Schadstoffe aufnehmen als Erwachsene.
Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V. (AgVj hat eine Broschüre »Verbraucher Rundschau 6/95, Schadstoffe in Innenräumen« herausgegeben, die weitere Auskünfte zum Thema und Ratschläge sowie Kontaktadressen und Anlaufstellen angibt. Bezug: nur schriftlich, 4,75 DM (Rechnung): AgV, Broschürendienst, Postfach 11 16, 59930 Olsberg.
Tips und Hinweise
- Lüften Sie Ihre Wohnung, indem Sie regelmäßig Durchzug machen; lassen Sie im Winter jedoch nicht die Fenster permanent »auf Kippe« (!)
- Überheizen Sei die Wohnräume nicht und heizen Sie nur, - wo erforderlich.
- Stellen Sie nicht zu viele Möbel in kleine Zimmer (wie Kinderzimmer).
- Verzichten Sei auf Teppichböden zugunsten von Naturkork, Parkett, Fliesen, Linoleum, Polyolefin- oder Holzdielenböden.
- Verwenden Sie nach Möglichkeit keine Bodenkleber oder verwenden Sie schadstoffarme Produkte auf Wasserbasis.
- Verwenden Sie keine Insektensprays.
- Achten Sie beim Möbelkauf auf den »Umweltengel«.
- Einen Formaldehyd-Test für die Raumluft »Dräger Biocheck F« gibt es in Apotheken.
- Topfpflanzen verbessern das Raumklima, doch verringern sie den Luftschadstoffmix nicht merklich. Pflanzliche Raumluftwaschanlagen sind umstritten.
Rainer Drömer
Die Umweltbeauftragte der Verbandsgemeinde Montabaur,
Constanze Wunderlich, Durchwahl 02602/126.215
IUS ARCHIVI
Archiv der Stadt Montabaur
Informationen zu Akten und Urkunden
Die Gemarkungen um Montabaur Teil VI
Heute geht’s in Richtung Niederelbert Zwischen der Koblenzer Straße und der B 49 liegen hinter dem im letzten Heft erwähnten Sauerbörnchengebiet und der Gemarkung »Hinter dem Heiligkreuz« (Wohngebiet hinter der Kapelle an der Koblenzer Straße) die »Wetterbach-Distrikte«. Der Größte, »Auf der Wetterbach« ist heute von der Bundeswehr bebaut. Unterhalb des Kasernengeländes zur B 49 befinden sich in einem schmalen Streifen, von Wasseradern durchzogen, 3 weitere Wetterbachstücke (Vordere, Obere und In der Wetterbach). Diese feuchten Talgründe sind Teilstück des Wassergrabens, der der Sicherung der Stadt diente und sich vom Spießweiher kommend, bis zum Sauerbömchen und von dort durch das Gebiet »An dem Rosenthalweiher« bis in die Marau hinzog. In diesem Gürtel hatte man die schon erwähnten, heute nicht mehr vorhandenen Teiche angelegt, die auch als Fischteiche genutzt wurden, so daß man mit den ansonsten landwirtschaftlich unbrauchbaren Wiesen einen Ertrag erwirtschaften konnte.
Einige Weiher gehörten dem Kurfürsten, der in all seinen Ämtern Weiheraufseher und -knechte beschäftigte. Diese mußten die Weiher revidieren, den Fischraub verhindern, bei Frost täglich ein- bis zweimal, die Eisdecke aufreißen, bei Schädigungen des Dammes die Öffnungen verstopfen und sich zu den Fischereien persönlich einfinden. Neben Forellen lieferte Montabaur auch Krebse an die kurfürstliche Küche.* Das Gebiet des heutigen Standortübungsplatzes umfaßt die Gemarkung »Körlen«, »Körlewies« und »Unter dem Körlen«. Leider fand sich in keinem der alten Wörterbücher ein Hinweis auf dieses Wort. Möglicherweise waren die Böden dort unfruchtbar. 1718 wird jedenfalls von einer »Wüstenei auf dem Cörlen« gesprochen. Auf den Konsolidationskarten von 1858 dagegen liest man vom Ackerland »Körlen«.
Blieben noch die Gemarkungen »Fasanerie« und »Untere Fasanerie«, die vom Standortübungsplatz bis an den Niederelberter Bach führen und die Gemeindegrenzen Niederelbert und Holler berühren. Wie der Name schon sagt, wurden dort, ebenso wie in Holler und Elbert, für den kurfürstlichen Hof Fasane gezüchtet. Der Fasanenmeister war 1688 im »Neuen Bau« untergebracht. Joh. Adam Oswald, neuer Fasanenmeister erhielt 1723 folgenden Lohn: 3 Ohm, 5 Malter Korn, 66 2/3 R-Taler und Aufzuchtgeld für jeden Fasan.*
Beatrix Künzer
*Michel F., Forst und Jagd im alten Erzstift Trier
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Das Archiv befindet sich in der Joseph-Kehrein-Schule.
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