Montabaur
Nr. 32/95
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IUS ARCHIVI
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Archiv der Stadt Montabaur
Informationen zu Akten und Urkunden
Das Gelbachbahn-Projekt
»Seit kurzer Zeit spricht man sogar von einer Eisenbahn, dem Bache entlang«, meint W. Schmidt, der Chronist des Gelbachtals im Jahre 1896. Er ergänzt dann aber: »... die Nachricht hört ich zwar, doch fehlt einstweilen mir der Glaube.« (1)
Heute würden die Einwohner unserer Region wohl sagen: »Wir haben nicht die Absicht, den 'Naturpark’ des Unterwesterwaldes zu zerstören!« — Aus der Sicht der Menschen Ende des 19. Jahrhunderts wird eine Eisenbahn durch das Gelbachtal in Richtung Nassau anders bewertet. Wenn W. Schmidt 1896 feststellt, daß »innerhalb der letzten zwanzig Jahre... das Projekt einer Gelbachstraße wiederholt aufgetreten« sei, »aber ... die Sache nie zur Ausführung « (1) kam, wird die Petition verständlich, die ein Montabaurer »Comite« am 30. Juni 1899 der Königlichen Regierung vorträgt. In Zusammenhang mit der zu diesem Zeitpunkt von der Regierung beschlossenen »Westerwaldquerbahn« wird die »Weiterführung von Montabaur nach Nassau durch das so sehr gesegnete Gelbachtal« (2) erbeten. Die idyllische Vorstellung von einem Eisenbahnzug, der Reisenden die Aussicht auf unberührte Natur beschert, die bisher aufgrund fehlender Straßen verborgen geblieben war, ist erstes Argument. »Es würde dies zugleich die Aufschließung eines bisher gänzlich dem Verkehr abgeschlossenen Gebietes, ... von der Natur bevorzugten Erz- und alle möglichen Gesteins- und Thonarten bergenden Thaies bedeuten,« (2) folgt als ökonomische Begründung. Es wird im Laufe des Petitionstextes auch darauf verwiesen, daß schon 1887 eine solche Bahnverbindung beantragt worden war, wie unser Chronist, W. Schmidt, andeutet.
Schon 1886 war es nach Schmidt möglich geworden, im Bachtal auf einem Fahrweg Wirzenborn zu erreichen. Nach Reckenthal allerdings führte die geschotterte Straße über den Kahlenberg. Von hier aus konnte man über einen Pfad »durch die 'Hart'« wieder ins Bachtal und nach Bladernheim gelangen. »Die aus dem Thale ... nach den umliegenden Dörfern führenden Wege sind nach Regengüssen und im Winter sehr mühsam und oft gar nicht zu befahren«, charakterisiert Schmidt die' Verkehrslage Bladernheim. Allerdings kann man Ettersdorf im Tal auf einem »leidlich fahrbaren Weg« erreichen. »Unterhalb Ettersdorf spannt sich eine steinerne Brücke über den Gelbach«, über sie gelangt man auf einem Talweg nach Isselbach und Giershausen. Erst seit 1889 wurde von hier aus eine Straße gebaut, »die sich in mäßiger Steigung« die Höhe hinan windet; wieder ist die befahrbare Straße eine Höhenstraße, auf der man über Horhausen nach Holzappel und von da an die Lahn gelangt. Das Meßtischblatt 3272 (Landesaufnahme 1905) belegt, daß der von Giershausen am Gelbach entlang führende Weg nach'Weinähr wenig ausgebaut war. - So weit zur Straßenverkehrslage.
Es wird verständlich, daß ein Gelbachbahn-Eisenbahn-Projekt Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 20iger Jahre unseres Jahrhunderts die maßgeblichen Leute der Region beschäftigt hat. Das ist nicht nur im Hinblick auf die Möglichkeit romantischer Fahrten durch ein Naturparadies motiviert. Der Petitionsausschuß von 1899 nennt neben anderen ökonomischen Argumenten die reichen Bodenschätze gerade auch im letzten Abschnitt der projektierten Trasse ab Montabaur durchs Gelbachtal:
- Montabaur: Basalt- und Quarzitbrüche, Ton, Kies, Bimssand, 2800 Morgen Wald, Mangan-Eisenstein, bedeutende Wochen- und Jahrmärkte, Hauptverkehrsmarkt.
- Wirzenborn: Ein in Betrieb befindliches reichhaltiges Silber- und Bleibergwerk.
Bladernheim: Ton- und Basaltbrüche.
- Ettersdorf und an die Strecke angrenzende Orte bis Nassau: Bedeutende Tonlager, große Steinbrüche, Mangan und andere Erze.
Man vergißt nicht den militärischen Aspekt: »Die Westerwaldquerbahn von Westerburg über Meudt-Montabaur und einmündend in die Lahnbahn bietet... auch die Gewähr für die Möglichkeit von Truppentransporten in jedem Falle.« (2)
Am 5. Januar 1925 fanden sich in Holzappel etwa 100 Personen zu einer Vorbesprechung ein, das Eisenbahnprojekt Gelbachtal wieder aufzunehmen. In der Folgezeit werden abermals die ökonomischen Vorteile einer Realisierung des Projekts vorgestellt. Diesmals sind es nicht nur die Orte unmittelbar im Tal, die einbezogen werden. »Das Verkehrsgebiet ist in einer Breite von je 5 km zu beiden Seiten der Bahnlinie angenommen, « (3); heißt es in einem Grubenfelder-Verzeich- nis. Achtundachtzig Gruben werden genannt, von denen allerdings viele unaufgeschlossen sind. - Im Verlauf der nächsten Jahre werden neben den Stammlinien im Westerwald weitere Systeme vorgeschlagen. In- einer Eisenbahnstudie von 1927 wird die Gelbachstrecke wie folgt charakterisiert: »Die Gelbachbahn ist mit Höchststeigung 1 : 100 ausführbar, was in betrieblicher Hinsicht vorteilhaft ist,... weil der Verkehr ohne verlorene Steigung... nach Koblenz geleitet werden kann. Die Gelbachbahn bringt der Stadt Nassau die besten Verbindungen mit dem Westerwald,« (4) was natürlich aüch umgekehrt für Montabaur in Richtung Lahn gilt.
Der Ausschuß für den Bau einer Eisenbahn durch das Gelbachtal arbeitete in Konkurrenz mit anderen Bahnlinienführungen im Westerwald nach der Aktenlage des Stadtarchivs bis ins Jahr 1933.
Günter Henkel
(1) W. Schmidt, Ein Gang durch’s Gelbachtal, Stadtarchiv Mtbr., Zeitungsarchiv, Kreisblatt 1896/98
(2) Stadtarchiv Mtbr. Abt. 4, Nr. 1367
(3) Stadtarchiv Mtbr. Abt. 4, Nr. 1371
(4) Ebenda
Öffnungszeiten:
Mo, Mi, Fr.10.00 bis 12.00 Uhr
Di, Do.15.30 bis 17.30 Uhr
Das Stadtarchiv befindet sich in der Joseph-Kehrein-Schule.
Einsammlung von Problemabfällen aus Haushalten
(haushaltsübliche Mengen) in der Verbandsgemeinde Montabaur
Seitens des Westerwaldkreis-Abfallwirtschaftsbetriebes (WAB) wird darauf hingewiesen, daß die Einsammlung von Problemabfällen aus Haushalten in der Verbandsgemeinde Montabaur am 19.08.1995 stattfindet.
An diesem Tag haben die Bürger der Verbandsgemeinde Montabaur in der Zeit von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr die Möglichkeit, an einer eigens dafür eingerichteten Sammelstelle umweltgefährdende Problemabfälle abzuliefem und zwar in
Montabaur, Eichwiese.
Unter Aufsicht einer chemischen Fachkraft werden dort umweltschädliche Problemabfälle aus Haushalten kostenlos angenommen; hierzu zählen insbesondere Lackrückstände, Farbreste, Holz- und Pflanzenschutzmittel, Säuren, Gifte, Medikamente, Batterien jeder Art und Leuchtstoffr Öhren. Außerdem können Sie beim Umweltmobil auch ausgehärtete Pflanzenfette (Fritierfett) abgeben, die anschließend einer Wiederverwertung zugeführt werden. (Die Annahme gilt jeweils nur für haushaltsübliche Mengen!).
Altöl darf auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen ab sofort bei den mobilen Sammlungen leider nicht mehr angenommen werden. Sie können dieses allerdings, nach wie vor, auf unserer stationären Problem- abfallannahmestelle im Betriebshof in Moschheim, täglich von 08.30 bis 12.00 Uhr bzw. zusätzlich donnerstags von 14.00 bis 18.00 Uhr in haushaltsüblichen Mengen gegen Gebühr anliefem. Bitte berücksichtigen Sie in diesem Zusammenhang, daß die Verkaufsstellen von Motoröl zur kostenlosen Entgegennahme der entsprechenden Menge Altöl, wie gekauft, gesetzlich verpflichtet sind. Beim Neukauf von Motoröl zahlen Sie dort bereits den Aufwand für die Entsorgung über die Verkaufsstellen mit, den Sie ansonsten über die Abfallgebühr nochmals zahlen müßten. Bestehen Sie daher möglichst auf der Rücknahme im Geschäft.

