Einzelbild herunterladen

Montabaur

10

Nr. 34/94

len sich auf die verschiedensten Substanzen, die nur in gerin­gen Mengen vorhanden sind und deshalb als Spurengase bezeichnet werden. Die wichtigsten von ihnen sind Kohlendi­oxid (CO), Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), Methan (CH 4 ), Distickstoffoxid (N 2 0), Wasserdampf und Ozon (0 3 ). Die Temperatur auf der Erde wird bestimmt durch die auf der Erdoberfläche auftreffende Sonnenstrahlung. Ein Teil dieser Energie gelangt als Wärmestrahlung wieder in die Atmosphä­re. Die Spurengase speichern diese Strahlung und geben die Wärme sowohl an den Weltraum als auch an die Atmosphäre ab. Dadurch kommt es zu einem Wärmestau, der die Tempera­tur der Erdoberfläche und der unteren Atmosphärenschichten bestimmt. Die wärmestauende Wirkung der Spurengase äh­nelt der eines Treibhauses - und daher spricht man von einem Treibhauseffekt und nennt die verantwortlichen Spurengase auch Treibhausgase.

Der zusätzliche Treibhauseffekt

Der Treibhauseffekt ist also an sich nicht negativ, aber seit Beginn der Industrialisierung und dem Anwachsen der Bevöl­kerung auf der Erde gerät das Gleichgewicht der Erdatmos­phäre durcheinander. Industrielle und landwirtschaftliche Prozesse sowie der Rohstoffverbrauch nehmen zu. Die dadurch freigesetzten Treibhausgase können nicht mehr vom Regelsy­stem der Atmosphäre verarbeitet werden und verstärken so die Treibhauswirkung. Dieser Effekt wird als zusätzlicher oder anthropogener (von Menschen verursachter) Treibhauseffekt bezeichnet.

Durch die Verbrennung fossiler Engergieträger wie Erdöl, Erdgas und Kohle in Kraftwerken, Heizungen und Autos sowie durch Waldrodungen wird der in diesen Stoffen gebundene Kohlenstoff frei und verbindet sich mit dem Luftsauerstoff zu Kohlendioxid. Da der Mensch seit Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutend mehr Öl, Gas und Kohle verbrennt, als durch Ozeane und Pflanzen wieder gebunden wird, erhöht sich die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Kohlendi­oxid macht heute etwa 50 Prozent des zusätzlichen Treibhaus­effektes aus. Daher beschränkt sich die Diskussion um die Veränderung des Klimas häufig auf dieses Gas.

Der Treibhauseffekt

Sonne

Aber auch andere Begleiterscheinungen der Zivilisationsge­sellschaft und des Bevölkerungswachstums tragen zum zu­

sätzlichen Treibhauseffekt bei: FCKW aus Spraydosen, als Kühl-, Lösungs- und Schäummittel sowie Ammoniak aus Kunst­düngern beziehungsweise aus der Viehhaltung gehören dazu, ebenso der Anstieg der Methan-Emissionen durch den zuneh­menden Reisanbau und die Haltung von Vieh für immer mehr Menschen sowie die Zersetzungsprozesse in Mülldeponien. Dieser zusätzliche Treibhauseffekt verursacht ein Ansteigen der Temperaturen auf der Erde. Zwar langsam und nicht gleichmäßig, aber stetig steigend. Viele Wissenschaftler füh­ren die zunehmende Häufigkeit und Stärke von tropischen Stürmen unter anderem auf die ansteigenden Temperaturen zurück. Außerdem befürchten sie ein Abschmelzen der Pol­kappen und damit verbunden einen dramatischen Anstieg des Meeresspiegels.

Verursacher

Häufig wird die »Überbevölkerung« als ein Grund für die Klimaveränderung angeführt. Stichworte sind dann die Abhol­zung von Regenwäldern durch Brandrodung, oder die erwähn­ten Methanemissionen durch den Reisanbau.

Dabei tragen die Industrieländer den größten Teil der Verant­wortung für die Klimaveränderungen: »Zu drei Viertel sind es die Industrieländer, die derzeit mit ihren Emissionen und Aktivitäten das Weltklima gefährden«, so die Enquete-Kom­mission des Deutschen Bundestages. 95 Prozent der in den letzten 100 Jahren entstandenen Kohlendioxidemissionen stammen aus den Industrieländern. Pro Kopf der Bevölkerung wurde 1989 in Deutschland im Vergleich zu Indien die 19fache Menge an Kohlendioxid emittiert (13 Tonnen zu 0,7 Tonnen pro Jahr).

Was können Sie tun?

Die wichtigste Maßnahme ist das Energiesparen, da bei jeder Verbrennung Kohlendioxid entsteht. Also energiesparende Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bahn oder Bus benutzen und weniger fahren mit sparsameren Autos. Die Verschwendung von Heizenergie durch bessere Heizungen und durch Wärme­dämmung verringern. Erneuerbare Energien wie die Sonnen­energie einsetzen. Auf unnötige Produkte wie Wegwerfartikel und Mode-Schnick-Schnack verzichten. Auch manche Dienst­leistung oder der Flug in den Urlaub sind gute Ansatzpunkte, die persönliche CO z -Bilanz zu verbessern.

Quellen: »Klimaveränderung gefährdet globale Entwicklung«, 1. Bericht der Enquete-Kommission des 12. Dt. Bundestages, Economica Verlag/Verlag C. F. Müller.

»Chemie und Umwelt« v. A. Heintz/R. Reinhardt, Vieweg Verlag.

Grafik aus: »Klimaretter Atomenergie?«, kostenlos hrsg. vom Ministerium für Finanzen und Energie Schleswig-Holstein, Postfach 20094, 24019 Kiel.

Die Umweltberaterin der Verbandsgemeinde Montabaur, C. Wunderlich, Durchwahl, 02602/126.196.

IUS ARCHIVI

Archiv der Stadt Montabaur

Informationen zu Akten und Urkunden

Der einstige Fürstenweg, der sich wie im letzten Heft bespro­chen, um halb Montabaur herumzog und dessen Name als Straßenzug an die Zeit der Kurfürsten erinnert, ist nur Teil­stück einer noch viel älteren Straße.

Dies ist die »Hohe Straße«. Sie war eine bedeutende Handels­straße zwischen Koblenz und Limburg im Mittelalter und führte lt. Fries von der Koblenzer Straße über den letzte Woche beschriebenen Fürstenweg in Richtung Bahnhof, über die heutige Hohe Straße an Allmannshausen vorbei, am Wohn­haus der Eisenbahner hinaus über die »Höll« zur Meudter Straße (früher Meudter Weg, jetzt Tonnerre Straße.) Nach einer Karte von 1819 wäre auch eine andere Wegführung vom Stadtwald nach Horressen abzweigend und über das Gruben­feld auf die Elgendorfer Straße kommend, denkbar. Von da ab ist das Teilstück Fürstenweg, Werkstraße, Hohe Straße, All­mannshausen jedoch unbestritten.

Natürlich nutzten auch unsere Kaufleute diese Straße. Durch die Pforte am Hinteren Rebstock führte eine Zubringerstraße nach Allmannshausen, die Montabaurer Wollweber, Gerber und andere Handelstreibende mit ihren Karren und Wagen auf den Weg zu den Messen nach Köln, Friedberg, Frankfurt, Mainz und Freiburg brachte.*

Von der Elgendorfer Straße ging es abwärts in Richtung Stadt, wo am Ende des Steinwegs die Schöffenpforte stand. Von dort fuhr man in Richtung Koblenz.

Die kürzere Verbindung über Limburg nach Süddeutschland wurde erst möglich, als man durch den Bau mehrerer Brücken übereinander das verkehrsfeindliche Tal des kleinen Ahrba- ches, die Hermolder bezwang.*

Die älteste Erwähnung der Hohen Straße findet sich in einer Akte des Landeshauptarchivs in Koblenz. So erhielt am 14. Februar 1439 ein Johann von Wied u. a. den Halbteil des Gerichts jenseits der Hohen Straße nach Montabaur.*

Gensicke vermutet sogar als Vorläufer der 930/48 bezeugten Burg bereits eine merowingische Straßensicherung und Etap­penstation.

Heute ist man sich der Bedeutung dieser alter Straßen nicht mehr bewußt.

Doch wer weiß, ob ansonsten aus Humbach jemals Montabaur geworden wäre.

Beatrix Künzer

*Aus den histor. Notizen von H. Fries

Öffnungszeiten:

Montag, Mittwoch, Freitag. 10.00 bis 12.00 Uhr

Dienstag, Donnerstag. 15.30 bis 17.30 Uhr

Das Archiv befindet sich in der Joseph-Kehrein-Schule.