, Montabaur
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18.30 Uhr Vorabendmesse: 1. J. A. für Philipp Metternich Beichtgelegenheit: Samstag, 16.00 Uhr bis zur Salve-Andacht für alle.
“Wissenswertes”
Krebsbehandlung:
»Ein Licht im langen, dunklen Tunnel«
Professor Weise vom Schwarzwaldsanatorium Obertal, Preisträger Dr. Hans Tesch, Laudator Professor Volker Diehl, Preisträger Dr. Heribert Bohlen.
Foto: m-press münchengmbh
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Zwei junge deutsche Wissenschaftler von der Kölner Uni wurden mit einem hochdotierten Immunologie-Forschungspreis ausgezeichnet. Sie arbeiten an einer Behandlungsmethode, die durch den Einsatz eines neuentwickelten Antikörpers das Immun-System in die Lage versetzt, Krebszellen der Tumore des Lymphsystems zu erkennen und aufzulösen. Diese Behandlungsstrategie könnte auch ein Modell für die Therapie anderer Geschwulstkrankheiten sein. In wenigen Wochen wird die neue Behandlungsmethode an Patienten erprobt. Krebserkrankungen gehören neben Herz- und Kreislauf-Leiden zu den häufigsten Todesursachen (jeder vierte bis fünfte stirbt daran). Die meisten Geschwülste (nicht alle) bestehen aus unreifen und atypischen Körperzellen, die auf Kosten des Organismus schrankenlos wuchern. Zwei der für viele lebensrettenden Strategien gegen dieses Leiden sind Strahlenoder Chemotherapie. Krebsgeschwülste werden dadurch zerstört- aber leider auch gesunde Körper zellen. Deshalb ist diese Behandlung für Patienten so belastend. Zwei junge Wissenschaftler der Universität Köln haben jetzt für eine Krebsart - Tumore des Lymphsystems - eine Therapie gefunden, die nur die Krebszellen zerstören kann und das gesunde Körpergewebe sozusagen »in Ruhe« läßt.
Die Forscher sind Dr. Heribert Bohlen (32), Leiter des Immunologischen Labors, und Privatdozent Dr. Hans Tesch (38), Oberarzt der Klinik 1 für innere Medizin. Für ihre Entdeckungen haben sie jetzt in Oslo den mit 20.000 Mark dotierten Immunologie-Forschungspreis »Der Goldene Antikörper« verliehen bekommen, den der wissenschaftliche Beirat des Schwarzwald-Sanatoriums Obertal mit seinem angeschlossenen Zentrum für Immun-Therapie auslobte. »Ein Durchbruch in der Krebsbehandlung?«, fragte Professor Dr...Volker Diehl, Direktor der Kölner Klinik und Chef der beiden Ärzte in seiner Laudatio und antwortete gleich darauf: »Nein, noch nicht, aber ein Licht im bisher dunklen Tunnel«.
Immunologie heute Schlüsselwissenschaft Den Ärzten, die vor 20, 30 Jahren ausgebildet worden waren, wurde während ihres Studiums nur relativ wenig über das körperliche Abwehrsystem erklärt. Die damals bekannten Informationen vermittelten die Professoren im Rahmen der Gebiete »Hygiene« oder »Kinderheilkunde«.
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Nr. 28/94
Letzteres, weil man schon lange wußte, daß die Thymusdrüse, die sich im Laufe des Erwachsen- und Älterwerdens zurückbildet, eine herausragende Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen spielt.
Heute ist das anders. Die Immunologie ist eine der Schlüsselwissenschaften im Kampf gegen zur Zeit noch nicht beherrschbare Erkrankungen. Auf wenigen Gebieten wird mehr erforscht, kann mehr erreicht werden als hier!
So funktioniert das Immunsystem
Allgemein anerkannt ist die Einteilung der für die Abwehr von Krankheiten zuständigen Faktoren, des Spezialgebiets der beiden ausgezeichneten Immunologie-Experten, in zwei große Zellsysteme mit jeweils verschiedenen Aufgaben:
* die B-Zellen, überwiegend vom Knochenmark abstammend und für die Antikörperbildung zuständig (z. B. auch gegen Tetanus, Kinderlähmung, Diphtherie, was durch eine Impfung auch künstlich erreicht werden kann.)
* die als weiße Blutkörperchen im Thymus gebildeten »thymusabhängigen Zellen«, wissenschaftlich meist verkürzt »T-Zellen« genannt. Sie wirken gegen Erreger, die Körperzellen direkt angreifen. Das sind zum Beispiel Viren, die Herpes simplex und Herpes zoster, Zytomegalie verursachen, interzellulare Bakterien wie Tuberkulose, Lepra, Einzeller wie Pneumocytis camii, Toxoplasmose usw.
Die letzteren, die T-Zellen, bestehen aus wichtigen Untergruppen:
* Helfer-Zellen, die Krankheitserregern entgegenwirken können
* Unterdrücker- (»Supressor-«) Zellen, die diesen Helferzellen entgegenwirken und mit den ersteren einen komplizierten, aber lebensentscheidenden Regelkreis bilden. Krankmachende Stoffe können nur abgewehrt werden, wenn das von der Natur vorgegebene Verhältnis zwischen Helfer- und Unterdrückerzellen nicht verändert wird.
* Killerzellen: Sie haben die wichtige Aufgabe, zum Beispiel Tumorzellen abzutöten.
Nobelpreisarbeit lieferte die Grundlage Den Forschern gelang es in den letzten Jahren, immer tiefer in die Biologie dieser T-Zellen einzudringen. Sie entdecken, daß von den thymusabhängigen Zellen unter bestimmten Bedingungen hochwirksame Substanzen abgesondert werden. Für sie gibt es den SammelbegriffMediatorstoffe (von lateinischen »mediare«=vermitteln). Sie sindfür die zellvermittelte Immunität zuständig.
Daß so eine Killerzelle eine Krebszelle angreifen und auflösen kann, setzt voraus, daß diese aktiviert ist und den »Feind« erkennt. Hier ist der Ansatzpunkt der jetzt ausgezeichneten Forscher Dr. Bohlen und Dr. Tesch. Aufbauend auf die Entwicklung der monoklonalen Antikörper mit Hilfe der sogenannten Hybridom-Technologie, für die der deutsche Professor Köhler und sein englischer Lehrer, Professor Milstein, mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, setzten sie sogenannte »bi- spezifische-Antikörper« gegen Tumore des Lymphsystems ein. Die äußerst gefährlichen Non-Hodgkin-Lymphome waren bislang relativ selten.
Nur eine Person von 100.000 erkrankte daran. Bei Aids- Patienten entwickelt aber jeder zehnte diese gefährliche Krebsart.
»Bi-spezifische Antikörper« kann man sich als eine Art Y vorstellen — ein Körper mit zwei Armen. Jeder Arm kann für eine andere Art der OberfLächen-Eiweißkörper der Körperzellen — sowohl der krebsartig entarteten als auch der gesunden — empfindlich gemacht werden.
Die neue Strategie gegen Krebs
Nach der von Dr. Bohlen und Dr. Tesch entwickelten Strategie ist es möglich, einen Arm des bi-spezifischen Antikörpers auf die beim Non-Hodgkin-Tumor auftretende Krebszelle reagieren und dort »andocken« zu lassen und den zweiten auf eine »Killerzelle« des Immunsystems. Einfach ausgedrückt: Dieser bi-spezifische Antikörper im Blut hält sozusagen die Krebszelle im Körper fest und holt dann einen »Körperpolizisten« herbei, der in der Lage ist, diesen gefährlichen Krankheitserreger zu vernichten.
Nicht immer wird dies sofort geschehen. Die zu den weißen Blutkörperchen gehörende Killerzelle kann »ruhen«, inaktiv sein, den Feind nicht erkennen. Durch den zusätzlichen Einsatz von monoklonalen Antikörpern, die nur auf Killerzellen reagieren, kann sie aber aktiviert, »scharf gemacht« werden.

