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Montabaur

Nr. 13/93

EU

Hübingen

»Tante Emma« zieht ins Gemeindehaus

Im Gemeindehaus entsteht ein Nachbarschaftsladen »Geschäftslose» Zeit in der Buchfinkenlandgemeinde Hübingen ab 15. April 1993 vorbei

WMkä&Mi

Die Errichtung eines neuen Lebensmittelgeschäftes in Hübingen ist »beschlossene Sache«.

Wilfried Eckholt, Vorstandsmitglied der co op Konsumgenossenschaft aus Bad Marienberg(rechts) und Ortsbürgermeister Siefried Hoffmann (Mitte) haben vor wenigen lägen den Mietvertrag unterzeichnet. Die Führung des Ladens übernimmt Marion Bleuel aus Hübingen (2. von links). Bei der Vertragsunterzeichnung waren auch der I. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Montabaur, Heinz Keusch (links) und Wilfried Noll, Sachbearbeiter für Wirtschaftsförderung (2. von rechts), zugegen. Verbandsgemeinde Montabaur und Westerwaldkreis haben das Projekt nachhaltig unterstützt.

Foto: WWZ/Petra Foede

Im September des Vorjahres hat das bisherige Lebensmittelge­schäft in der Ortsgemeinde Hübingen seine Türen gbeschlos- sen. Damit hat die Ortsgemeinde Hübingen nach der Schlie­ßung der Poststelle vor einigen Jahren eine weitere wichtige In­frastruktureinrichtung und einen Mittelpunkt verloren. Nach nur einem guten halben Jahr soll in Hübingen wieder ein neues Lebensmittelgeschäft entstehen. Nachdem die vielfältigen Ini­tiativen, einen privaten Investor in der Gemeinde zu finden, fehl­geschlagen sind, hat sich die Ortsgemeinde für den Ausbau des Gemeindehauses zu einem Lebensmittelgeschäft entschlossen, das bereits in der Woche nach Ostern, am 15. April 1993, geöff­net sein soll.

Nicht nur die älteren Mitbürgerinnen und Mitbüger und die Hausfrauen »ohne Auto«, die vielfach auf eine ausreichende Grundversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs (vorrangig Lebensmittel) angewiesen sind, haben die Schließung des Ge­schäftes in Hübingen bedauert. Für viele Bürgerinnen und Bür­ger ist durch die Schließung des Ladens, der neben der eigentli­chen Einkaufsfunktion auch eine soziale Funktion als Treff­punkt und Kommunikationsort darstellte, ein Stück Lebens­qualität in der Gemeinde verloren gegangen. Daneben ist ein Le­bensmittelgeschäft auch für die Gemeinde als Fremdenverkehrsgemeinde mit annähernd 40.000 Übernach­tungen pro Jahr, dem 200 Betten zählenden Familienferiendorf, einer Pension und mehreren Ferienwohnungen eine dringend er­forderliche Einrichtung.

Ortsgemeinde und Verbandsgemeinde haben in den vergange­nen Monaten mehrfach über Möglichkeiten einer Rückgewin­nung eines Nachbarschaftsladens beraten. Mehrere Probleme galt es zu überwinden. Wer stellt Räumlichkeiten für einen La­den zur Verfügung, gibt es Bürgerinnen oder Bürger, die einen Laden betreiben wollen und kann eine Handelskette gefunden werden, die einen neuen Laden in Hübingen beliefert? Daneben mußte eine solide Finanzierung gefunden werden, damit ein dauerhafter Bestand eines neuen Ladens gesichert werden kann.

Ende des vergangenen Jahres wurden bei einem Ortstermin in Hübingen die Weichen gestellt.

Ortsbürgermeister Siegfried Hoffmann, Wilfried Eckholt, Vor­standsmitglied der co op-Konsumgenossenschaft aus Bad Ma­rienberg, I. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Montabaur, Heinz Reusch und Wilfried Noll vom Referat Wirtschaftsförde- rungderVerbandsgemeindeMontabaur erörterten inHübingen Möglichkeiten einer Realisierung.

Intensive Gespräche und Verhandlungen mit an der Führung ei­nes Geschäftes interessierten Personen wurden geführt. Die Be­mühungen, einen privaten Investor in der Gemeinde zu finden, dem auch eine finanzielle Unterstützung durch die Ortsgemein­de, die Verbandsgemeinde und den Westerwaldkreis in Aussicht gestellt wurde, führten allerdings nicht zum erhofften Erfolg.

In seiner letzten Sitzung im alten Jahr faßte der Ortsgemeinde­rat nach gründlicher Abwägung den Beschluß, das Erdgeschoß im G emeindehaus in der Kapellenstraße für einen Lebensmittel­laden zur Verfügung zu stellen und erforderliche Umbaumaß­nahmen durchzuführen. Dem Angebot der co op Einkaufsge­nossenschaft Bad Marienberg, die als Lieferant und Betreiber des neuen Ladens auftreten will, wurde zugestimmt. Die Laden­flächen werden der co op im Rahmen eines Mietvertrages zur Verfügung gestellt, den Ortsbürgermeister Siegfried Hoffmann und Wilfried Eckholt von der co op am 23.3.1993 unterzeichnet haben. Auchdas Interesse in der Bürgerschaft, denneuenLaden zu betreiben, ist vorhanden. Die ausgebildete Einzelhandels­kauffrau MarionBleuel aus Hübingen wird den neuen Laden be­treiben und neben dem co op Sortiment auch frische Wurst- und Backwaren anbieten. Die Belieferung erfolgt durch die Metzge­rei Lehmler aus Welschneudorf und die Bäckerei Schink aus Horbach.

Die Kosten zum Umbau des Gemeindehauses sind mit 72.000 DM veranschlagt. Die im Erdgeschoß bisher vorhandenen Räumlichkeiten (Sitzungszimmer, Bürgermeisterzimmer, Ne­benräume) werden in das Untergeschoß verlegt, damit im Erdge­schoß ein Laden mit den erfordrlichen Nebenräumen entstehen kann.

Verbandsgemeinde Montabaur und der Westerwaldkreis haben der Ortsgemeinde Hübingen für diese Investition Zuschüsse von jeweils 10.000 DM gewährt.

Der co op-Laden in Hübingen ist ein Pilotprojekt

Gemeinsam mit der Verbandsgemeinde Montabaur und der Ortsgemeinde Hübingen ist es der co op Bad Marienberg gelun­gen, ein geeignetes Ladenlokal zu finden, um einen co op Laden in der Gemeinde Hübingen zu errichten. Damit wird die Versor­gung der Hübinger mit den Gütern des täglichen Bedarfs ohne lange Anfahrtswege wieder sichergestellt.

Durch das Sterben der kleinen Landläden - oftmals einzige Kom­munikationsstätte des Ortes - ist heute eine Lage entstanden, welche die Nahversorgung der Westerwälder Bevölkerung, inbe­sondere die von alten Menschen und solchen ohne eigenes Fahr­zeug, zum Problem werden läßt. In vielen Orten des Westerwal­des und auch angrenzender Regionen besteht keine Einkaufs­stätte, obwohl der Bedarf vorhanden ist. Die co op Bad Marien­berg betrachtet den neuen Laden als Pilotprojekt und hofft, daß auch in anderen Orten dieser Region die Aktivitäten der Orts­vertreter und der co op Bad Marienberg zum anstrebenswerten Ladenerfolg führen.

Die co op Bad Marienberg besteht seit 1903 und betreibt in rund 80 Orten co op Läden. Vor fast 90 Jahren wurde das in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft arbeitende Le­bensmittel-Filialunternehmen gegründet. Sinn und Zweck die­ser Gründung war damals die Sicherstellung der Nahversor­gung im hiesigen Gebiete mit den Gütern des täglichen Bedarfs zu fairen Preisen.

Die Selbständigkeit der Genossenschaft wurde gewahrt. Mit der in die Schlagzeilen geratenen co op AG in Frankfurt hat die Genossenschaft nichts zu tun. Sie ist mit dieser Gesellschaft in keiner Weise verbunden, noch bestehen wechselseitige Beteili­gungen. Die co op Bad Marienberg eG gehört einzigund alleine den zur Zeit rund 5.200 Mitgliedern.

co op Bad Marienberg tätigte 1992 einen Umsatz von knapp 48 Mio. DM und beschäftigte rund 200 Mitarbeiter. Die modern eingerichteten Läden werden täglich von eigenen Lastkraftwa­gen mit einem breiten Warenangebot beliefert, dazu gehören Obst/Gemüse, Molkereiprodukte, Wurst und Backwaren und vieles andere mehr.