Montabaur
Seite 20
Nr. 29/91
Volksbund Deutsche Kriegsgräber-Fürsorge
Alte und neue Geschichte der Normandie stets gegenwärtig Invasionsstrände und Ehrenfriedhöfe im Mittelpunkt einer Reise
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Die Reisegruppe vor ihrem Bus, der sie über 3000 Kilometer lange Strecken durch die Normandie fuhr. Schwerpunkt: Soldatenfriedhöfe und Invasionsstrande 1944. Knieend in der Mitte Fahrer Günter Gras (Kestert). Foto: Gerhard Heil
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Eine der größten deutschen Soldatenfriedhöfe mit dort immerwährend ruhenden 21.222 Kriegstoten des 2. Weltkrieges ist La Cambel Normandie Er wurde vom Volksbund Deutsche Kriegsgr&berfürsor- ge am 21. September 1961 eingeweiht und seither vorbildlich instand- gehalten. Foto: Kriegsgräberfürsorge
Ehemalige deutsche Soldaten, Angehörige und Freunde von Kriegstoten sowie geschichtsbewußte Menschen aus der Region Koblenz, Rhein-Lahn und Westerwald besuchten in Verbindungmit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die vor 47 Jahren heiß umkämpfte Normandie (anglo-amerikanische Invasion ab 6. Juni 1944). Sie bezeugten Ehrfurcht und Erschütterung angesichts der vielen Friedhöfe mit hundertausenden von Gefallenen beider Seiten, den Schauplätzen des Angriffs und der Verteidigung sowie der aufschlußreichen Museen und Memorials.
AifredBom(Hömberg), aktiver Mitarbeiter des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge (BezirksverbandKoblenz), hatte zum zwölften Mal mit einheimischen Busunternehmen diese besondere Frankreichfahrt organisiert und fachgerecht kommentiert. Auf der über 3.000 Kilometer langen Rundstrecke gaben er und andere Kriegsteilnehmer aus eigenem Erleben als Fallschirmjäger und Infanteristen viele Hinweise, ja, sie teilten Einzelheiten der damaligen Ihippenteile und Gefechte dem Dokumentationszentrum des seit 1988 in Caen bestehenden größten französischen Memorials mit und werden künftig in Korrespondenz mit dem Historiker R6my Desquesnes und seiner Assistentin Sabine Darnaul, einer gebürtigen Norddeutschen, stehen.
Das Memorial in Caen, Hauptstadt des Departements Calvados und im Verlauf der Kriegshandlungen im Juni/Juli 1944 völlig zerstört, ist nach modernsten pädagogischen Erkenntnissen eingerichtet und mit den besten und aufwendigsten Kommunikationsmitteln ausgestattet worden. Es wird täglich von tausenden Menschen aus aller Welt besucht und bietet vor allem Schülern und Studenten tiefe Einblickein die Zeitgeschichte der Jahre 1914 bis 1980. Ebenso umfangreich undnoch detaillierter auf die Invasion eingehend: die Museen von Arromanches und Bayeux. Daneben sind an der gesamten Calvados-Küste mit den alliierten Landungsstränden Sword, J uno, Gold, Omaha und Utah noch zahlreiche deutsche Bunker, Geschützunterstände und Befestigungen erhalten geblieben. Bombentrichter und Granatlöcher ringsum und die oft mit Flammenwerfern ausgehobenen und gesprengten Bunker zeugen von der mit totaler Luftüberlegenheit erfolgten Invasion und der Ausschaltung der Widerstandsnester.
Gerhard Heil (Bad Ems) diente bei vielen Gelegenheiten als Dolmetscher und stellte so auch den Kontakt zwischen einem Ex-Solda- ten und einem Schotten her, der aus einem Ort stammte, wo der Deutsche mehrere Jahre als Kriegsgefangener gearbeitet hatte Gegen seitigeBesuche wurden vereinbart. In Sainte-Marie-du-Mont, nahe des Utah-Strandes, fand jener Ex-Soldat aus demWesterwald sein Quartier und seinen Beobachtungsposten auf dem Kirchturm unverändert wieder. In Authy bei Caen war der Bruder eines Lahnsteiners gefallen. Weite Erbsen- und Getreidefelder dehnen sich jetzt dort aus. So wurde fast jeder Fahrtteilnehmer mit der schrecklichen Vergangenheit konfrontiert und wünschte: Nie mehr Krieg! Das ist auch der Aufruf des Kriegsgräber-Volksbundes und das Vermächtnis der Gefallenen, die in dichten Reihen auf tadellos gepflegten Ehrenfriedhöfen (französische Gärtner sind als Angestellte des Volksbundes tätig) bestattet wurden. Suchbücher erleichtern das Auffinden einzelner Gräber auf den rieisigen Anlagen in Marigny, LaCambe, Mont-de-Huisnes, Orglandes und den immerwährenden Ruhestätten an der Marne, Somme und in der Champagne aus dem 1. Weltkrieg. Viele Bundeswehrangehörige und Jugendliche leisten dort seit Jahren vorbildliche Arbeit bei Emeuenmgs- und Pflegearbeiten.
Neben all diesem Traurigen und Erfreulichen fanden auch landschaftliche und kunsthistorische Reize der Normandie gebührende Beachtung. So der berühmte Normannen-Ibppich von Bayeux, die Kathedralen und Kirchen in Caen und Lisieux, der Mont St. Michel in einer Bucht nahe der Bretagne, die Hafenstädte Le Havre und Cherbourg, Rouen, dieBadeorte Deauville undTVouville sowie auf der Heimfahrt Compiegne mit schöner Altstadt und der Waldlichtung des Waffenstillstandes vom November 1918 und Juni 1940. Über Soissons, Reims, Metz wurden Mosel und Rhein erreicht. Alles war glatt verlaufen, so daß es jedem ein Bedürfnis war, dem Fahrer Günter Gras (Kestert) und dem Obmann Alfred Born (Homberg) herzlich zu danken, was Udo Giesa (Montabaur) als Sprecher gekonnt übernahm.

