Montabaur
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Nr. 39/98
was
Ein IHK-Wegweiser zur Existenzgründung
Woher kommt das Startkapital?
Geldquellen - Öffentliche Finanzmittel - Leasing - Finanzierungsbeispiel
Fast jede Existenzgründung ist mit Kosten verbunden. Diese müssen durch eigene Mittel (Eigenkapital) oder meistens zusätzliche Kredite (Fremdkapital) gedeckt werden.
Kapitalbedarf
Zunächst ist zu prüfen, ob sich eine selbständige Tätigkeit auszahlt. Meßlatte ist dabei, zumindest den bisherigen Lebensstandard halten zu können. Angenommen, man verdient als Angestellte/r monatlich DM 4.000,— brutto. Will man aber als Unternehmerin ebensoviel erzielen wie bisher, ist ein wesentlich höherer monatlicher Gewinn zu erreichen. Renten-, Kranken- und Unfallversicherung sind nämlich nun alleine zu tragen.
Ausgangspunkt einer Gewinnprognose ist der voraussichtlich erzielbare Umsatz. Für den Umsatz sind eine Reihe von Faktoren maßgeblich, wie die Marktsituation, der Standort, die Produktpalette bzw. die Waren- und Leistungspalette, die Geschäftsausstattung, das Personal, nicht zuletzt auch natürlich das Können und der Einsatz des Existenzgründers selbst.
Hilfreich für die Geschäftseinschätzung können einmal Durchschnittswerte aus Betriebsvergleichen sein. Sietreffen Aussagen über im Mittel erzielbare Umsätze, zu tragende Kosten und zu erwartende Gewinne. Betriebsvergleiche gibt es für die meisten Handelssparten, die Gastronomie und eine Reihe von Industriebranchen. Anhaltspunkte können unter Umständen aber auch Richtsatzsammlungen der Finanzverwaltungen zur Ermittlung des steuerlichen Gewinns liefern. Gleichermaßen kennen sich in der Regel Einkaufskooperationen im Umsatz-, Kosten- und Ertragsgeschehen der von ihnen betreuten Branchen recht gut aus. Entsprechende Quellen können bei der IHK nachgefragt werden.
Nach diesen Überlegungen ist es sehr wichtig, den Kapitalbedarf möglichst zutreffend festzustellen. Im Vordergrund stehen Anschaffungen im Anlagevermögen und Umlaufvermögen. Unter Anlagevermögen versteht man langfristig benötigte Betriebsanlagen wie Grundstücke, Gebäude, Maschinen und Vorrichtungen, Laden- und Büroeinrichtungen und Fahrzeuge. Bei Umlaufvermögen handelt es sich um sich laufend umschlagende Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und Handelsware. Bei der Kapitalbedarfsermittlung spielen ferner laufende Betriebskosten, wie Mieten und Personalkosten, eine wichtige Rolle. In Anbetracht der in der Regel erst allmählich einsetzenden Umsätze sind diese Kosten vielfach vorzufinanzieren. Schließlich muß man an eine ausreichende Reserve für den Lebensunterhalt - unter Umständen bestehende private finanzielle Verpflichtungen - denken, solange im alten Beruf nicht mehr und im eigenen Unternehmen noch nicht genug verdient wird.
Bei der Finanzierung einer Existenzgründung kommt es vor allem auf das richtige Verhältnis zwischen eigenem und geliehenem Geld an. Denn nur, wer genug Eigenkapital vorweisen kann, dem leihen die Kreditinstitute fremdes Geld dazu.
Geldquellen
Eiqenkapitalauellen
Die zentrale Frage lautet: Wieviel Geld hat man selbst. Unter eigenen Mitteln versteht man Ersparnisse und Vermögenswerte. Wenn diese nicht reichen, besteht die Möglichkeit, Mittel von Verwandten und Freunden zu bekommen. Eine weitere Möglichkeit sind Mittel von Teilhabern, die haftendes Kapital zur Verfügung stellen, dafür aber auch ein Mitspracherecht haben wollen. Eine dritte Möglichkeit sind Mittel einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft. Solche Gesellschaften werden teils auch von den Bundesländern getragen und sind eigens geschaffen worden, um jungen Unternehmen die Eigenmittel zur Verfügung zu stellen, die aus eigenen Ersparnissen oder Teilhabereinlagen allein nicht aufgebracht werden können.' Kapitalbeteiligungsgesellschaften zielen insbesondere auf erfolgversprechende innovative oder anderweitig beson
ders risikobehaftete Gründungen ab. Dabei geht der Einräumung von Beteiligungen freilich eine strenge Prüfung voraus. Kapitalbeteiligungen besitzen vielfach deh Charakter stiller Beteiligungen über eine feste Laufzeit, in der Regel 10 Jahre. Dabei werden sowohl Kombinationen von festen und erfolgsabhängigen Beteiligungsgesellschaften als auch feste Zinssätze vereinbart. In Rheinland-Pfalz sind dies die Mittelständische Beteiligungs- und Wagnisfinanzierungsgesellschaft (MBW) und die Wagnisfinanzierungsgesellschaft für Technologieförderung (WFT). Konditionen und Anträge sind bei der Investitions- und Strukturbank (ISB) GmbH in Mainz zu erfragen bzw. einzureichen.
Fremdkapitalauellen
Privatdarlehen von Verwandten und Freunden
Privatdarlehen von Verwandten und Freunden können dann in Betracht kommen, wenn sich diese nicht mit haftendem Kapital an Ihrem Ünternehmen beteiligen möchten. Bei Übernahme eines Betriebes kommt es gelegentlich vor, daß der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises als Darlehen im Betrieb beläßt. Genau zu prüfen sind auch hier die Bedingungen, dehn der Verkäufer will sein Darlehen rentierlich verzinst haben.
Darlehen von Kreditinstituten - Hypothekarkredite
Diese Mittel kann man von Kreditinstituten, evtl. Hypotheken- oder Rentenbanken, erhalten. In der Regel werden Hypothekarkredite in Höhe von 60 Prozent des Beleihungswertes von Immobilien gewährt, die als Sicherheiten angeboten werden können. Sollten die Sicherheiten nicht ausreichen, ist zu prüfen, ob private oder öffentliche Bürgschaften in Anspruch genommen werden können. Die Laufzeit eines Darlehens sollte mit der Nutzungsdauer der Investition übereinstimmen, die mit dem Darlehen zu finanzieren sind. Einige Kreditinstitute stellen Darlehen zu festen Zinssätzen zur Verfügung. Feste Zinssätze können, wenn die Zinsen allgemein steigen, Vorteile bringen. Fallen die Zinsen am Kapitalmarkt jedoch, so sind Nachteile in Kauf zu nehmen, weil der vereinbarte Zinssatz auch weiter zu bezahlen ist.
Tilgungsstreckung kann eine Möglichkeit sein, die Zahlungsfähigkeit zu verbessern. Dabei sollte jedoch nicht außer acht gelassen werden, daß Tilgungsstreckung das Darlehen verteuert. Achtung: auch andere Kostenfaktoren, wie Schätzkosten, Beurkundungsgebühren, Gebühren für Eintragungen in das Grundbuch, für eine Bereitstellungsprovision für das Darlehen müssen in die Überlegungen einbezogen werden.
Leasing
Man muß nicht unbedingt sämtliche Betriebsanlagen kaufen. Mieten ist auch möglich. Man nennt dieses Verfahren Leasing.
Diese Art der Anlagenfinanzierung kann unter Umständen dann vorteilhafter sein, wenn Eigenkapital knapp ist, wenn der Anlagegegenstand nur für eine bestimmte Zeit benötigt wird, die Gefahr des schnellen technischen Ver- alterns besteht oder der Anlagegegenstand erst auf seine Eignung geprüft werden soll.
Leasing ist dabei mehr als bloßes Mieten eines bestimmten Wirtschaftsgutes. Je nach Art eines Leasingvertrages kann man das Wirtschaftsgut zu einem vereinbarten Zeitpunkt zurückgeben und durch ein neues ersetzen oder nach Eintreten des vereinbarten Zeitpunktes das Wirtschaftsgut zu einer geringeren Leasingrate weiter nutzen. Ebenso kann das Wirtschaftsgut nach Ablauf des Leasingvertrages auch erworben werden. Dies würde durch eine Kaufoption gewährleistet. Falls sich bei einer Veräußerung an einen Dritten ein Mehrerlös gegenüber dem vertraglich festgelegten Restwert ergäbe, kann man hieran beteiligt werden.
Die Leasingraten werden in der Regel vor Vertragsschluß für die gesamte Laufzeit vereinbart.
Ansprechpartner für Leasingfinanzierung sind Kreditinstitute oder Leasinggesellschaften. Bei Leasinggesellschaften handelt es sich vielfach um Tochtergesellschaften von
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