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Montabaur

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Nr. 38/98

Selbständig werden - was tun?

Ein IHK-Wegweiser zur Existenzgründung

Die erste Beratung - Das Unternehmenskonzept - Gründungsarten - Problembereiche - Tips für das Bankgespräch

Was kann für eine erste Beratung vorbereitet werden?

Darüber sollte man sich zu Hause schon mal Gedanken machen:

Was genau ist meine Geschäftsidee?

Was will ich von meiner ersten Beratung erfahren? Das sollte man - wenn möglich - zum ersten Beratungs­gespräch mitnehmen (in Stichworten):

das Unternehmenskonzept

Unterlagen, die über die finanzielle Situation Aus­kunft geben (vor allem Eigenkapital)

Unterlagen, die über die Qualifikation Auskunft geben (Zeugnisse)

Unterlagen, die über den beruflichen Werdegang Auskunft geben (Lebenslauf)

Warum ein Unternehmenskonzept?

Wer sich beruflich selbständig machen will, braucht zunächst eine erfolgversprechende Geschäftsidee. Die Idee allein reicht aber nicht aus. Jede Gründung benötigt außerdem einen ausgefeilten Plan, wie diese Idee erfolg­reich in die Tat umgesetzt werden kann. Dieser Plan muß alle Faktoren, die erfolg- oder mißerfolgentscheidend sein können, berücksichtigen. Also: Gut geplant ist halb gewonnen. Die Erfahrung zeigt, daß Gründungen, die nicht über ein detailliertes Konzept verfügen, in den ersten drei Jahren deutlich häufiger wieder vom Markt ver­schwinden als jene, die gut vorbereitet sind.

Also, bevor man zur Tat schreitet, sollte das Wichtigste vorliegen: ein hieb- und stichfestes Konzept. Hierin muß klar gegliedert sein, wie die Zielvorstellung zu verwirkli­chen ist, d.h. wie das Unternehmen zum Zeitpunkt der Gründung aufgebaut sein soll und wie die weitere Planung aussieht. Für weitere Beratungsgespräche - aber insbe­sondere beim Gespräch mit der Bank - sollte man das Konzept schriftlich ausarbeiten und mitbringen. Dieses sollte folgende Punkte enthalten:

Welche Leistungen biete ich an?

Welches sind meine Kunden?

Wo und wie ist mein Standort?

Wieviel Gewinn erwarte ich (Rentabilitätsvor­schau)?

Wieviel Kapital benötige ich (Kapitalbedarfsplan)?

Wie will ich meine Investitionen finanzieren (Finanzierungsplan)?

Gründungsarten - Vor- und Nachteile

Neuaründuna

Wer ein Unternehmen neu gründet, startet bei Null. Gleichzeitig stehen dem Gründer alle Möglichkeiten offen, sein Unternehmen zu gestalten. Allerdings verlangt eine Neugründung mehr Planung und Vorbereitung als andere Wege. Es gibt z. B. weder einen bestehenden Kunden­stamm noch ein Liefernetz wie bei der Übernahme eines bestehenden Unternehmens. Das bedeutet: Jeder Schritt - von der Idee bis zum fertigen Unternehmen - muß gewis­senhaft gegangen werden. Das Unternehmenskonzept muß erst entstehen: Wie sieht der Markt für das Produkt oder die Dienstleistung aus? Wie stark ist die Konkurrenz? Ist der Standort der richtige? Wie entwickelt sich die gesamte Branche? Und nicht zuletzt: Hat man das Zeug zum/zur Unternehmerin?.

Betriebsübernahme

Um selbständig zu werden, muß man nicht immer ein völ­lig neues Unternehmen gründen. Man kann sich auch selbständig machen, indem ein schon bestehendes Geschäft übernommen wird. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn ein Unternehmen keinen Nachfolger hat. Eine Geschäftsübernahme erleichtert den Schritt in die Selbständigkeit, denn neben den Geschäftsräumen, einem Warenlager und Geschäftsbeziehungen sind vor allem die Kunden schon vorhanden. Eine Geschäftsü­bernahme kann allerdings auch gefährlich sein, wenn nämlich der Betrieb nicht gesund ist, hohe Schulden hat

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und keine Erträge erwirtschaftet.

Berechnung des Wertes eines Betriebes

Für den Wert eines Betriebes sind im wesentlichen zwei Faktoren von Bedeutung:

- der Substanzwert (Wert der Anlagegegenstände und des Umlaufvermögens)

- der Ertragswert (abhängig von der Höhe der Gewinne) Ein realistischer Wert des Unternehmens, der sowohl den Substanzwert als auch die Ertragsmöglichkeiten berück­sichtigt, ist der Mittelwert zwischen Substanzwert und Ertragswert.

Franchising

Franchising ist eine partnerschaftliche Vertriebsform, bei der ein Partner ein Geschäftskonzept einem anderen Part­ner zur Nutzung überläßt. Beide Seiten bleiben selbstän­dige Unternehmen. Dies besagt auch schon der aus dem Englischen stammende AusdruckFranchise. Er bein­haltet, daß es sich um eine Verbindung handelt, bei der jeder Partner seine Freiheit behält.

Diese Kooperation soll beiden Teilen, dem Franchise- Geber auf der einen und dem Franchise-Nehmer auf der anderen Seite, Vorteile bringen. Der Franchise-Geber erhält die Möglichkeit, seine Produkte, seinen Markenna­men und sein ganzes Firmenimage schnell bei relativ geringem Kapitaleinsatz im Markt zu verbreiten. Der Fran­chise-Nehmer andererseits übernimmt ein schon bewähr­tes Vertriebssystem und bleibt daher von einem Mißerfolg verschont. Die gefürchteten Anlaufschwierigkeiten wer­den abgemildert, und es braucht nicht so oftLehrgeld bezahlt zu werden.

Da der Franchise-Nehmer selbständiger Unternehmer ist, eignet sich die Vertriebsform besonderes für Existenz­gründer. Hauptschwierigkeiten bei Existenzgründungen, nämlich das schlüssige Unternehmenskonzept, das erfolgreiche Sortiment, die richtigen Absatzstrategien, der passende Standort oder kurz das gesamte Know-how wird vom Franchise-Geber geliefert. Darüber hinaus unterstützt der Franchise-Geber seinen Partner durch Werbung und betriebswirtschaftliche Beratung. Stellt man die wichtig­sten Vorteile zusammen, so ergeben sich für den Fran­chise-Geber: Erschließung von Marktpotentialen, schnelle Expansion bei geringem Kapitaleinsatz, gute Markt­durchdringung, Absatzsicherung, keine Personalprobleme im Vertrieb, hohe Einsatzbereitschaft des Partners bei geringer Kontrolle.

Der Franchise-Nehmer hat im wesentlichen folgende Vorteile:

- Bewahrung der Selbständigkeit;

- Erhaltung der Eigeninitiative;

- schlagkräftige Marken- und Systemnamen;

- eingefahrene Organisation;

- keine Einkaufsprobleme;

- laufende Unterstützung und Schulung.

Wo viel Licht ist, da muß auch Schatten sein. Systeme ohne Nachteile und Gründungen ohne Risiko gibt es nicht. Hauptproblem der Franchise-Geber ist es, die richtigen Partner zu finden. Hierbei spielen persönliche Einsatzbe­reitschaft, Führungsqualitäten und Seriosität eine beson­dere Rolle. Die fachliche Kompetenz ist zwar auch wich­tig, wird aber normalerweise durch Schulung und Infor­mationmitgeliefert.

Die Seriosität ist in einem partnerschaftlichen Verhältnis für beide Seiten wichtig. Da Franchise-Nehmer ihren Ein­stieg in bestehende Vertriebssysteme nicht umsonst erhal­ten und später in der Regel laufende Gebühren zu zahlen

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sind, werdenschwarze Schafe angelockt, die unter dem Decknamen eines modernen und erfolgreichen Vertriebs­systems, dem Franchising, unausgereifte Konzepte anbie­ten und gutgläubige Existenzgründer mit hohen Gewinn­aussichten ködern. Nachdem die Eirttrittsgebühr zum System entrichtet ist, bleibt man sich dann selbst über­lassen.

Daher ist die Vertragsgestaltung für beide Seiten von großer Bedeutung, und es gilt hier in besonderer Weise der Spruch:Es prüfe, wer sich ewig bindet.

Weitere Informationen zum ThemaFranchising erhält man beim Deutschen Franchise-Verband e.V., Paul- Heyse-Str. 33-35, 80336 München, Tel.: 089/535027, Fax: 089/531323.