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hätten eine mehrfache Überschreitung des 8SS tes der Bleikonzentration im Standwasser gezeigt, im U#er r sei der Grenz wert nicht überschritten worden. Herr ß ffasl h jedoch zu bedenken, daß die Grenze zwischen Stand- gsern icht genau zu definieren sei. Der Vorschlagdes s, vor der Verwendung als TKnkwasser eine er ablaufen zu lassen, könne er nicht ohne is3ei 'u^ehmen, da dies seiner Ansicht nach eine Ver- ng von Wasser sei und zudem auf Kosten der Abneh-
meisterDr. Possel-Dölken bemerkte dazu, daß er sich bei Heben Angelegenheit gewünscht hätte, daß die Bürger r Schaltung von Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und »die Verwaltung zumindest über die Bedenken hinsicht- ^glgigehalts informiert hätten. Es habe zu keiner Zeit ein dM c hnüt ihm oder den Verbandsgemeindewerken stattge- pl ? Auch sei man zu dem Bürgergespräch nicht eingeladen ' Dadurch sei es z.B. nicht möglich gewesen, die Gründe ^unterschiedlichen Meßergebnisse zu analysieren.
imitgned Bächer (SPD-Fraktion) verwies darauf, daß die I-Stadtrat sfraktion bereits seit 1984 an die Verwaltung her- treten seien und um einen Sachstandsbericht gebeten hät- Bis heute jedoch sei weder vom Verbandsgemeinderat noch Zerksausschuß eine Stellungnahme erfolgt.
armeister Dr. Possel-Dölken stellte klar, daß es sich bei den Lerden in den letzten Jahren ausschließlich um Rost bzw. j Wassertrübungen gehandelt habe. Die behaupteten Konzentrationen im Wasser von Reckenthal seien erst in die- [Jahr angesprochen worden. Er verwies nochmals darauf, [es Praxis sei, Erneuerungen von Wasser- und Kanalleitun- qo flmmfln mit einem anstehenden Straßenausbau zu ver- in, um so Kosten zu sparen.
nitglied Lorenz (Bürger für Montabaur) wies darauf hin, iiherdie Verbindungsstellen der Gußrohre mit Blei vergos- Korden seien. Dies sei vielleicht die Ursache für die Bleikon-
i im TVink wasser.
Herrn Schweizer (FWG-Fraktion) stellte sich die Frage, Ei in Reckenthal mit einem einwandfreien TVinkwasser gebet werden könne. Er stellte deshalb den Antrag,folgende jlution zu verabschieden und der Verbandsgemeinde zur Itnis zu geben:
»Stadtrat von Montabaur sieht es al9 dringlich an, daß eine juenmg der Wasserleitung im Stadtteil Reckenthal erfor- fh ist und erwartet von der Verbandsgemeinde eine Durch- ingimJahr 1991.«
r Beigeordneter Dr. Hütte verwies in diesem Zusammen- laufdas von ihm für diese Sitzung vorgelegte Schreiben und |es für wünschenswert, daß entsprechende Mittel in den ihalt 1991 der Verbandsgemeinde aufgenommen werden. Jbt jedoch zu bedenken, daß hinsichtlich der Wasserversor- idie Zuständigkeit auf der Verbandsgemeindeebene liegt.
Wnsvorsitzender Manns (CDU) vertrat ebenfalls die Auf- pg, daß geordnete Wasserverhältnisse notwendig seien, Imeuerungsmaßnahmen der Wasser- und Kanalleitungen |immer notwendigerweise mit Straßenerneuerungen zu Wen seien.
ptglied Kochern (FDP) verwies darauf, daß es früher Gra- pnach Silber- und Bleivorkommen im Raum Reckenthal oaba Vielleicht seien aus diesem Grund Bleikonzentra- 11 un TKnkwasser festgestellt worden.
Freister Dr. Possel-Dölken erwiderte, daß Messungen im |»ttälter hinsichtlich einer Bleikonzentration negativ ge- ■ Oie Bleianreicherung könne deshalb allenfalls auf n>zum Hausanschluß zu suchen sein.
teed Bächer (SPD) verweist nochmals darauf, daß seit |fv n Anfragen in mündlicher und schriftlicher Form beer Wasserversorgung in Reckenthal gestellt worden ian bislang keine Stellungnahme erhalten habe. Die Em« m ? U * ;e *? en Antrag bezüglich des Ausbaues des Was- lin a 6 • 68 ® Heckenthal gestellt, der dem Werksaus- | er nächsten Sitzung vorliegen werda
J u ®^ ese s ^gesordnungspunktes wurde der Antrag ■ raktion einstimmig angenommen.
Annäherungen an die 700-iähriqe
Stadt Montabaur
(1291 bis 1991)
(6) Mauern, Türme, Tore: ein eigenartiger Beitrag zur Lösung der »Sozialen Frage«
m -jEBEN . T 1 RADraoJN
MONTABAL R
700 JAHRE ST.ADTREtHTE
Die 'Soziale Frage' mag ein Begriff der Neuzeit sein; was gemeint ist, ist zu allen zu allen Zeitaltern nicht nur eine Randerscheinung des gesellschaftlichen Lebens gewesen. Schon die mittelalterlichen Türme unserer Stadtbefestigung trugen zur Lösung dieser Frage bei; allerdings auf besondere Weisa
Immer wieder berichtet uns Marti- nus Neu, Vicarius in Montabaur, von Mißwachs und Hungersnot. Im J ahr 1771 wird eine dieser Ibuerungen erwähnt und die Fürsorge des Magis trats für die Bewohner der Stadt, die Bürgerrecht besitzen: -Hundert Malter Korn hatte der Rat im Amt Limburg kaufen können, »allwo ziemlich Frucht im Vorrat« war«. Die bekannten und professionierten Bettler« hin , gegen »bekamen.. Jeein Korn, sondern wurden in die Türme und mit dem Armenkreuz anverwiesen.« (1)
Diese Information ist in mehrerlei Hinsicht erstaunlich. Weshalb werden die Bettler, wenn sie schon keine Kornzuteilung erhalten, in die Türme verbracht ? In diesem Jahr 1771 hatte doch unsere Stadt für den »Almos vor der Peterspforte ein eigenes Haus, Scheuer und Stallung, worin ein Hofmann wohnte... und die fremden armen Leute beherbergen mußte« Erst 1782 wurden »diese Gebäude abgerissen und verkauft.« (2)
Dieses Almosenhaus aber war wohl eher ein 'Schafferhaus 1 , das die wandernden Gesellen bewirtete kaum jedoch professionierten Bettlern Unterkunft gab. 'Professionierte 1 Bettler ? - welche Schicht der Bevölkerung ist mit dieser Bezeichnung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gemeint ? «Da seit Ende des Mittelalters und Beginn der Neuzeit allmählich zwischen imverschuldeter Armut (Arbeitsunfähigkeit durch körperliche Gebrechen) und selbstverschuldeter Armut aus Arbeitsscheu unterschieden wurde (Armut wurde nicht mehr als gottgewollt und Möglichkeit zur Barmherzigkeit angesehen), suchte man die Bettelei einzudämmen.« (3) In Tkier z.B. wurde 1744 ein Spinnhaus eingerichtet, das aber auch in Zusammenhang mit dem Zuchthaus und der Unterkunft für psychisch Kranke stand. Der wirtschaftliche Niedergang in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war aber so stark, daß die Bettelei nicht zu verhindern war. Was nun die ’professionierten 1 Bettler betrifft, so gab es schon Ende des 16. Jahrhunderts Bettler, die von Ort zu Ort zogen und »mit einem 'Patent 1 ausgerüstet waren«, »das die Wahrheit ihrer Angaben bestätigte (z.B. Krankheit u.ä.). Die Mehrzahl dieser Urkunden wird zweifellos richtig gewesen sein, aber ebenso sicher ist, daß eine Minderheit sich mit falschen Dokumenten durch das Land schwindelte.« (4)
Dieses 'Patent 1 ist mit dem 'Armenkreuz 1 gleichzusetzen, das die Erlaubnis zum Betteln gab, die Bettelei zur Profession legalisierte. Zur Unterkunft bot unsere Stadt kein Spinnhaue, sondern die Türme.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine weitere Funktion zumindest eines TUrmes, der neben der Pfarrkirche stand. 1687 bekam der Lehrer, der die Sekunda unserer Lateinschule unterrichten sollte, »die Wohnung des ehemaligen 'deutschen Schulmeisters 1 (6) in diesem Türm zu gewiesen. Als 1742 die Franziskaner des Klosters in Montabaur zu den zwei bestehenden Klassen mit Erlaubnis des Kurfürsten Franz Georg von Schönborn drei weitere Klassen einrichten durften, »winden noch zwei Zimmer in dem Schulturm zurecht gemacht für diese Schulen.« (6) Daß die Lehrer dieser Klassen auch beinahe 'Sozialfälle 1 waren, lag weniger an ihrer Wohnung bzw. den Unterrichtsräumen in einem Türm des Mauerrings, sondern an ihrer Besoldung.

