Montabaur 3/52/82
Öffentl Bekanntmachungen
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Bericht über die Sitzung des Verbandsgemeinderates vom 16. Dezember 1982 ( Fortsetzung)
Bericht des Architekten über die Kostenentwicklung beim Bau der Hauptschule in Montabaur
Vor der Sitzung des Verbandsgemeinderates fand eine Besichtigung des Hauptschulgebäudes in Montabaur durch den Verbandsgemeinderat statt. BÜRGERMEISTER MANGELS betonte in der Sitzung, die Besichtigung habe gezeigt, daß ein funktionsgerechtes und zweckmäßig ausgestaltetes Gebäude errichtet worden sei. Mit Blick auf die Kosten erklärte der Bürgermeister, daß die Steigerung gegenüber den geschätzten Kosten (3,9 Mio. DM) auf 6,975 Mio. DM Anlaß sein müsse, um über die Ursachen der Kostensteigerung mit dem Architekten zu diskutieren. Er erinnerte, man habe die Schule vom Kreis übernommen, ohne alle Probleme, die sich aus der Altbausubstanz ergeben hätten, zu kennen. Viele Schwierigkeiten seien erst zum Teil während der Bauzeit aufgetreten; er sei davon überzeugt, daß auch diese zu lösen seien.
ARCHITEKT DÜRR, Neustadt, schilderte dem Verbandsgemeinderat die Kostenentwicklung des Gebäudes. Der Anbau an das ehemalige Handelsschulgebäude habe keine Probleme bereitet. Schwierigkeiten habe es lediglich bei dem Altbau gegeben. Als man 1977/78 den Kostenvorarischlag vorgelegt habe, sei man davon ausgegangen, der Altbau könne unverändert stehen bleiben und sei lediglich durch einen Neubau zu ergänzen. Damals habe man die Kosten auf 3,9 Mio. DM ohne Inneneinrichtung geschätzt.
Nach Abschluß des schulaufsichtsbehördlichen Genehmigungsverfahrens habe man bei Baubeginn im Jahre 1979 feststellen müssen, daß die Baupreise erheblich gestiegen seien. Die Baupreissteigerungen im Jahre 1979 seien - vom Statistischen Landesamt belegt - um 11 % gestiegen. Architekt Dürr wies in diesem Zusammenhang auf die seinerzeitige Hochkonjunktur , hin, die zu einer Steigerung der Baupreise in diesem Umfang geführt habe. Unter Berücksichtigung der 11 %igen Kostensteigerung (429.000,00 DM) habe man bei Baubeginn mit Kosten von 4.329.000,00 DM gerechnet.
Zur möglichen Kritik,die Inneneinrichtung hätte in die Kosteneinschätzung einbezogen werden müssen, führte der Architekt aus, die Bezirksregierung habe ihre Zuschußpraxis geändert und das neue Verfahren erstmals bei der Hauptschule in Montabaur praktiziert. Bisher habe man stets die Möglichkeit gehabt, für die Inneneinrichtung einen gesonderten Kostenvoranschlag im Nachhinein vorzulegen und diesen bezuschussen zu lassen. Die Bezirksregierung habe dieses Verfahren umgestellt und nur noch einen pauschalen Zuschuß für die Inneneinrichtung gegeben.
Im Laufe der Bauzeit habe sich die Notwendigkeit ergeben, das Gebäude zu unterkellern. Dies sei vom Verbandsgemeinderat durch Beschluß vom 1.9.1980 gewünscht worden (Mehrkosten: 264.000,00 DM).
Die Kosten seien dadurch auf 4.593.000,00 DM gestiegen.
Vom Herbst 1980 bis zum Baubeginn bzw. bis zur Restausschreibung aller Gewerke sei wiederum eine Baupreissteigerung von rund 9 % eingetreten (414.000,00 DM). Die Zwischensumme sei auf 5.007.000,00 DM geklettert.
Darüber hinaus seien durch Beschlüsse des Verbandsgemeinderates zusätzliche Aufträge vergeben worden, die nicht in der Kostenschätzung erhalten waren. Außerdem hätten Mängel an der Bausubstanz, die erst im Verlaufe der Bauarbeiten aufgetreten seien, zusätzlichen Kostenaufwand erfordert. Hierdurch sei es zu Mehrkosten von 920.000,00 DM gekommen (Zwischensumme 5.927.000,00 DM). Wenn man - so Architekt
Dürr - den Kosten der Inneneinrichtung (880.000,00 DM) die Nebenkosten zur Inneneinrichtung ( 90.000,00 DM), sonstige Kleinstauf träge (8.000,00 DM) und die Kosten der Baubetreuung durch die Kreisverwaltung (70.000,00 DM) hinzunehme, komme man auf die Gesamtkosten von 6.975.000,00 DM.
Mit Blick auf die Mehrkosten von 920.000,00 DM stellte Architekt Dürr anhand von Beispielen dar, wie sich im Laufe der Baumaßnahme die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen herausgestellt habe. So habe man z.B. festgestellt, daß der Innenputz schadhaft sei und ausgebessert werden müsse. Außerdem sei z.B. im Zuge der Baumaßnahme von der Baugenehmigungsbehörde der Einbau feuerhemmender Türen gefordert worden. Für den Architekten habe die Alternative .-bestanden, die gesamten Treppenhäuser zu erneuern, um den Brandschutzforderungen zu genügen, oder zusätzliche feuerhemmende Türen einzubauen. Man habe sich für die letzte Alternative entschieden, die zwar die billigere gewesen sei, aber doch gegenüber dem Kostenvoranschlag zusätzliche Mittel erfordert habe.
Bei der Baumaßnahme seien keine überflüssigen Maßnahmen getroffen worden. Die Bauleitung habe das Gebäude sparsam ausgestattet. Auch bei der Einrichtung habe man - in Abstimmung mit der Schulleitung und der Verbandsgemeinde - nur das Notwendige angeschafft. Bei .der Entscheidung, ob man reparieren oder erneuern solle, habe man sich stets vom Grundsatz der Sparsamkeit leiten lassen.
Die Decken und die Putzerneuerung habe rund 400.000,00 DM Kosten verursacht. Hätte man den gesamten Putz abgeschlagen und durch neuen ersetzt, wären Kosten von 535.000,00 DM entstanden. Die Reparatur des Estriches, dessen Schadhaftigkeit beim Umbau festgestellt worden sei, habe 40.000,00 DM gekostet.
Hätte man den Estrich insgesamt herausgerissen und durch neuen ersetzt, wären 121.000,00 DM aufzubringen gewesen.
Ein neuer Bodenbelag hätte 100.000,00 DM gekostet, die vorgenommene Ausbesserung hiergegen nur 69.336,00 DM. Insgesamt sei festzustellen - so Architekt Dürr -, daß die Schule termingerecht fertiggestellt worden sei und keine Bauschäden aufgetreten seien. Bei den Kostensteigerungen gegenüber der Preisschätzung sei zu beachten, daß die Preisschätzung unter anderen Voraussetzungen abgegeben worden sei. Unter anderem müsse man berücksichtigen, daß die Preissteigerung auch die Mehrkosten für die Erweiterung des Gebäudes von 15 auf 19 Klassen beinhalte.
STELLUNGNAHMEN DER FRAKTIONEN Für die CDU—FRAKTION nahm RATSMITGLIED BECKER zu dem Sachverhalt Stellung und bescheinigte, daß eine zweckmäßige und funktionsfähige Schule, gebaut worden ist. Seine Fraktion kritisiere aber, daß der Rat nicht frühzeitig und ausreichend über die Kostensteigerungen informiert worden sei. Er habe den Eindruck, der Verbandsgemeinderat sei "mit der linken Hand "behandelt worden. Andernfalls hätte man ihm rechtzeitig Zahlen vorgelegt. Er sehe darin eine Mißachtung des Rates. Zu den Kostensteigerungen bemerkte Ratstnitgiied Becker, man könne nicht begreifen, wieso Kosten für einzelne Gewerke nicht im Kostenvoranschlag enthalten seien, die sich später als notwendig herausgestellt hätten. Aus heutiger Sicht müsse man zu einigen Punkten sagen:
Diese Kosten waren voraussehbar und selbstverständlich in den Kostenvoranschlag einzustellen. Er verwies darauf, daß die vergleichbare Hauptschule in Nentershausen innerhalb des Kosenrahmens erstellt worden sei. Der Verbandsgemeinde seien durch den zu niedrigen Kostenvoranschlag Zuschüsse verlorengegangen.
RATSMITGLIED SCHLEMMER erklärte für die SPD- FRAKTION, man schließe sich vollinhaltlich der Kritik der CDU—Fraktion an, insbesondere wegen der verspätet gelieferten Zahlen. Einzuräumen sei, daß man eine gute und schöne Schule habe.

