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sind seit Jahren ein dankbares Publikum. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell gerade bei den Sitzungen der Heiterkeit das Stimmungsbarometer auf "stürmisch" ansteigt. Manche Leute glauben, auf diesem Stand müsse es über 4-5 Stunden stehen bleiben. Ein Ding der Unmöglichkeit. Das beweisen die Übertragungen der Mainzer Fastnacht im Fernsehen. Es ist darum tröstlich zu wissen, daß anderen Ortes auch nur mit Wasser gekocht wird.
Doch nun zu dem Wirken der im Jahre 1954 gegründeten KG Heiterkeit, gemeinhin "öffentliche Heiterkeit" genannt. Alles was mit Fastnachtszug, Prinzenwerbung und den Veranstaltungen der 3 Tollen Tage zu tun hat, liegt in ihrer Regie. Würde man die Episode der Prinzenwerbung in 2o Jahren noch einmal wiedergeben, so würde das eine recht ansehnliche Lektüre. Bürgermeister und Pfarrer wurden oft in der Vergangenheit bemüht, um bei den vielen Hausbesuchen endlich den richtigen Kandidaten zu finden.
So manchen Korb haben sich die "Prinzenmacher" geholt. Am Geld lag das in den wenigsten Fällen. Es ist eben nicht jedermanns Sache, vor einem oft sehr großen Publikumskreis zu sprechen. Wenn dann noch die Rede karnevalistischen Stiles sein muß, sind nur die wenigsten frei von Hemmungen. Dabei liegt die Aufgabe eines Karnevalsprinzen in erster Linie in der Repräsentation. Versteht er es aber auch zu parlieren, hat sein Hofmarschall ein leichtes Amt. Nun, wir hatten 1968 einen singenden Prinzen. Ein Solovortrag von ihm zählte ohnehin mehr als looo Worte. Die Ahnenreihe der Gefiederten, die sich in diesem Jahr zur "Bruderschaft der Exprinzen" zusammengeschlossen hat, sei noch einmal in Erinnerung gebracht:
Prinz Carol-Heinz von und zum Weinsteg 1952
Prinz Ernst August I.von der Wallburg 1953
Prinz Willi II. von Textilien 1954
Prinz Hans I. von Ultramarin 1955
Burgprinz Gerhard I. von Mons-Tabor 1956
Prinz Emilio I.Figaro zu Tabor 1957
Prinz Julius I. Franz zu Delicatio 1958
Reinhard I. Prinz Sonnenschein 1959
Prinz Friedrich I. von der Färberzunft 196o
Prinz Kurt I. von Salzanien 1961
Prinz Alfred I. von Schloß Mons-Tabor 1962
Prinz Manfred I. von Dornhagen 1963
Prinz Heinrich I, von Statikus 1964
Prinz Willi III. Mobilarius zu Tabor 1965
Prinz Kurt II. Chevalier du volant 1966
Wolfram I. Prinz von Recht und Gnaden 1967
Prinz Edgar I. in Moll und Dur 1968
Wilhelm I. Prinz Farbenfroh 1969
Prinz Reinhold I. Medicus vom goldenen Zahn 197o Prinz Uwe I. 1971
Der Fastnachtsonntag sah die Ex-Tollitätei, mit ihrem Gefolge nachmittags im "Hotel zum guten Hirten" bei Herrn Dekan Breidling zu Gast. In 19 Jahren gab es da nicht eine einzige Ausnahme. Grund genug, in diesem Jahr das 2o. Jubiläum zu Ehren des gastlichen Hausherrn in besonderer Weise zu begehen.
Von 1952 - 1959 fand das glanzvolle Rosenmontag-Bankett im Hotel Schlemmer statt. Der Besucherkreis umfaßte damals etwa 6o Personen. Es war wie eine einzige Heiterkeitsfamilie. in späteren Jahren konnten die erlauchten Rosenmontag-Gäste, zwischen 25o und 4oo Personen,nur noch in größeren Räumlichkeiten Platz finden. Das Kolpinghaus, die Schloß-Schänke und das Hotel Montabaur waren abwechselnd Schauplatz des Ereignisses.
Noch ein Wort zu dem Amt des Prinzen in Montabaur.
Es bringt Würde und Bürde, Zur Bürde gehört auch der finanzielle Aufwand. Die oft insgeheim gestellte Frage, was kostet es, in Montabaur, gekürt zu werden, ist nicht generell zu beantworten. Es liegt mehr oder weniger an der großzügigen oder bescheidenen Art des Regenten der Narretei, Ohne den obligatorischen Zuschuß der KG. Heiterkeit in jedem Jahr, wird die Privatschatulle mit einigen Tausenden meist daran glauben müssen. Auch der kurzlebige Narrenthron hat seinen Preis. Jedem das Seine.
Die Gestaltung der Fastnachtszüge in 2o aufeinanderfolgenden Jahren war eine echte Gemeinschaftsleistung von Vereinen, Gruppen und Privatpersonen in einer Staat von der Größe Montabaur’s. Aller Ärger mit der oft so
schwierigen Organisation ist vergessen, wenn am Fastnachtdienstag die Sache läuft. Im Jahre 197o liefen beispielsweise 25 Wagen, begleitet von lo Musikkapellen und Spielmanns- und Fanfarenzügen. Rechnet man die das Zugbild belebenden Fußgruppen hinzu, so ergab sich die stattliche Anzahl von 5o Zugbildern.
Bis zu loooo Menschen säumten alljährlich die Straßen, um 5o Zentner Bonbons und andere Wurfware neben dem Zug aufzusammeln.
Die Schlußproklamation vor dem Rathaus kündigt bereits den Übergang zum Aschermittwoch an. Der graue Alltag kehrt zurück.
Der Prinzenmacher
In diesem Jahr regiert Uwe I als 2o. Prinz in ununterbrochener Reihenfolge. Wer aber sucht Jahr für Jahr den Prinzen Karneval? Nun, die Verantwortung hierfür trägt die Karnevalsgesellschaft "Heiterkeit" 1889 e.V. .manchmal fälschlicherweise auch "Öffentliche Heiterkeit” genannt. Der eigentliche Prinzenmacher ist aber seit Jahren der erste Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft, Alfred Busch, von seinen Freunden auch "Don Alfredo” genannt, ln Don Alfredos berühmten Notizbuch, das er wohl von Alt-Bundestrainer Herberger übernommen hat, sollen angeblich schon die Namen der Prinzen bis Ende der achtziger Jahre stehen. Deshalb möchte so mancher Bürger gerne einmal einen Blick in dieses Notzbuch werfen.
Wenn man also Don Alfredo nach dem Prinzen für das Jahr 198o fragt, dann schlägt er nur sein Notizbuch auf und nennt dann gleich den Namen!
Ganz so einfach liegen die Dinge aber wiederum nicht.
Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, einen Prinzen zu finden. So muß nun einmal jeder Prinz bestimmte Voraussetzungen erfüllen, persönliche wie auch finanzielle.
Das Amt des Prinzen kostet nicht nur eine Menge Nerven sondern auch noch Geld. So ist also Don Alfredo um sein Amt gar nicht zu beneiden, zumal er auch noch mehr für die Fastnacht tut! So soll es schon vorgekommen sein, daß Don Alfredo von seinem Kandidaten die Zusage hatte. Als es aber ernst wurde, da sagte die holde Gattin des beinahe - Prinzen einfach " Nein".
Sonst nichts, nur nein. Für den Gatten war damit schon die ganze Fastnacht gehalten und der Prinzenmacher um eine Erfahrung reicher. Natürlich ist es auch verständlich, wenn eine Gattin gewisse Bedenken hat, ihrem Mann für die Fastnachtstage freien Lauf zu lassen. An dieser Stelle'muß aber dazu gesagte werden, daß dem Prinzen ja gar nichts passieren kann, weil der Hofmarschall immer an seiner Seite ist. (Er sollte es jedenfalls!) So ist es nun einmal die vornehmste Aufgabe des Hofmarschalls, den Prinzen am Aschermittwoch unversehrt in die Arme seiner Gattin abzuliefern. Bei dem diesjährigen Hofmarschall ist die Gewähr hierfür gegeben!
Wenn nun immer wieder hinter vorgehaltener Hand zu hören ist, daß auch Bürgermeister Mangels als Kandidat in Don Alfredos Notizbuch stehe, so dürfte es sich dabei doch wohl nur um einen Fastnachtsscherz handeln, zumal die bösen Spezialdemokraten immer wieder behaupten, daß der Bürgermeister das ganze Jahr nicht nur Narrenfreiheit genieße sondern sie auch in Anspruch nehme.Eine Behauptung, die jedoch kaum zu beweisen ist.
Was wäre aber die Montabaurer Fastnacht ohne ihren Prinzen! So können wir dem Prinzenmacher für die Zukunft immer eine glückliche Hand und viel Erfolg wünschen.
Thömm
Närrischer Fahrplan
der Montabaurer Fastnacht
FREITAG, 19.2.71
2o. 11 Uhr Exprinzenball bei Lanschützer
SAMSTAG, 20.2.71
2o.ll Uhr Hausball bei Lanschützer
M C U - Ball im Kolpinghaus
SONNTAG, 21.2.71
13.45 Uhr Kinderzug mit dem Kinderprinzenpaar vom Bahnhof %• m Rathau

