Ausgabe 
16.7.1970
Seite
300
 
Einzelbild herunterladen

-4-

Arbeitsmarktbericht des Arbeitsamtes Montabaur für den Monat Juni 1970

Die Spannungen auf dem Arbeitsmarkt verschärften sich

Auch im vergangenen Monat wurde der Arbeitsmarkt weiterhin von der wirtschaftlichen Hochkonjunktur be­stimmt. Zwar wurde in der letzten Zeit in einigen Be­reichen vereinzelt eine Beruhigung der Auftragseingänge beobachtet; da die Unternehmen aber fast ausnahmslos über ausgezeichnete Auftragsbestände verfügten, wirkte sich diese Tatsache auf den Arbeitsmarkt nicht entspannend aus. Ausserdem war bei den meisten Unternehmen eine an­haltende Steigerung der Nachfrage nach Erzeugnissen und nach Dienstleistungen festzustellen. Dies führte zwangs­läufig zu einer weiteren Verschärfung der unausgewogenen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Während der Bestand an offenen Stellen wieder stark anstieg, war ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, obwohl viele Betriebe in Kürze ihre Betriebsferien einlegen. Bei einem Bestand von 2 428 offenen Stellen und 294 Arbeits­losen entfallen auf einen Arbeitslosen gegenwärtig mehr als 8 offene Stellen. Die Betriebe versuchten daher ge- zwungenermassen die personellen Engpässe weiter durch die Ableistung von Überstunden und Schichtarbeit und die Verlängerung der Lieferfristen zu mildern. Ferner wurden wieder in verstärktem Umfang ausländische Arbeitnehmer angefordert. Allerdings scheint in den Anwerbeländern der Bestand derer, die in der Bundesrepublik Deutschland als Gastarbeiter tätig sein wollen, auch schon ziemlich ausgeschöpft zu sein; denn im Berichtsmonat war der Zu­gang von ausländischen Arbeitnehmern stark rückläufig. Im übrigen ist auch die Fluktuation auf dem einheimi­schen Arbeitsmarkt bei den Männern stark zurückgegan­gen. Wahrscheinlich haben es die Unternehmen ver­standen, durch gute Arbeitsplätze, Gewährung von sozi­alen Leistungen usw., die Beschäftigten stärker an ihren Arbeitsplatz zu binden.

Infolge dieser Entwicklung und der anhaltenden Hoch­konjunktur war der Zugang an Arbeitsuchenden weiter rückläufig. Insgesamt meldeten sich 826 Personen arbeit­suchend, davon 421 Männer und 405 Frauen. Gegenüber dem Vormonat waren dies 112 Männer weniger und 75 Frauen mehr = insgesamt 37 Personen weniger. Von den Ar­beitsuchenden waren 112 Männer und 94 Frauen arbeits­los.

Bedingt durch den starken Kräftebedarf konnte der bisher schon geringe Bestand an Arbeitslosen weiter abgebaut werden, so dass Ende des Monats nur noch 294 Arbeitslose gemeldet waren. Das sind 24 weniger als Ende des vergangenen Monats. Unter den Arbeitslosen be­fanden sich 162 Männer und 132 Frauen. Gegenüber dem gleichen Monat des vergangenen Jahres war der Bestand um 5 geringer.

Der Zugang an offenen Stellen war erheblich höher als im vergangenen Monat. Insgesamt wurden 859 neu zu besetzende Arbeitsplätze gemeldet, gegenüber 730 im Vor­monat. Davon entfielen 500 offene Stellen auf Männer und 359 auf Frauen. Somit stieg der Bedarf bei den Männern um 58 und bei den Frauen um 71.

Da der Kräftebedarf infolge des rückläufigen Bewer­berangebots nur teilweise abgedeckt werden konnte, stieg der Bestand an offenen Stellen auf 2 428 an, davon 1 786 für Männer und 692 für Frauen. Gegenüber dem Vormonat waren dies für Männer 168 freie Arbeitsplätze mehr und für Frauen 3 weniger und gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres war der Bestand um 112 höher. Bei der Untersuchung nach den Geschlechtern zeigte sich die gleiche Tendenz wie beim Vergleich zum Vormonat und zwar bei den Männern ein plus von 147 und bei den Frauen ein minus von 35.

Dem hohen Personalbedarf wurde meist nur unzu­länglich abgeholfen, da der heimische Arbeitsmarkt ziem­lich ausgeschöpft war und geeignete Bewerber daher grösstenteils nur aus der Fluktuation gewonnen werden konnten. Dadurch ging die Zahl der erfolgreichen Ver­mittlungen von 541 im Vormonat auf 495 um 46 zurück. Von den Vermittlungen entfielen 261 auf Männer und 234 auf Frauen. Nur insgesamt 154 Vermittlungen entfielen auf Ausländer. Auch gegenüber Juni 1969 haben die Ver­mittlungen abgenommen und zwar um 56. Bei der Tren­nung nach dem Geschlecht wird die verhältnismässig star­ke Fluktuation bei den Frauen deutlich erkennbar. Wäh­rend nämlich bei den Männern die Vermittlung gegenüber dem Vormonat um 72 gegenüber Juni 1969 um 77 ab- nahmen, stiegen sie bei den Frauen um 26 bzw. 21 an.

Die Arbeitslosenquote, errechnet aufgrund geschätz­ter Arbeitnehmeranteile an der Wohnbevölkerung, betrug we im Vormonat 0,4 %. Innerhalb der einzelnen Dienst­stellen schwankte die Arbeitslosenquote zwischen 0,8% (St. Goarshausen) und 0,1% (Diez und Höhr-Grenzhausen). Im Juni 1969 betrug die Arbeitslosenquote ebenfalls 0,4%. Kurzarbeit wurde keine angezeigt.

Junge Union macht Halbjahres-Bilanz

Zu der letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte der Ortsverband der Jungen Union Montabaur ins Kol­pinghaus geladen. Ortsvorsitzender Jürgen Vogel konnte an diessm Abend viele neue, junge Gesichter vorstellen und begrüssen, die in den letzten beiden Monaten in den Ortsverband aufgenommen wurden. Die Junge Union habe damit ihre Spitzenstellung als mitgliederstärkster Orts­verband des Unterwesterwaldkreises ausgebaut, meinte der Vorsitzende. Anscheinend habe die Oppositionsarbeit der CDU in Bonn mit dazu beigetragen, dass viele Jugend­liche ihre politische Heimat in der JU finden. Ziel des Abends war die Erörterung zurückliegender und bevor­stehender Arbeit des Ortsverbandes in der Form des zwanglosen Meinungsaustausches. Diese Arbeit liege na­türlich nicht nur in der Beschäftigung mit bundes- und landespolitischen Fragen, neben der notwendigen politi­schen Bildungsarbeit dürfe die Arbeit an kommunalpoli­tischen Problemen nicht vergessen werden, sagte Vogel. So habe die JU sich auch intensiv mit dem Bauvorhaben der neuen Turnhalle an der Joseph-Kehrein-Schule be­schäftigt und sei für eine "Grosse Lösung" (33 m-Halle) eingetreten, die dann der Stadtrat dann später auch be­jaht habe; man habe die gemeinsame Eingangsstufe für alle Schulen in Montabaur in die Diskussion gebracht und man werde dort genau so für eine möglichst schnel­le Realisierung drängen wie auf die geplante Institution eines Naherholungszentrums für die Kreisstadt.

Erfreut zeigte sich die Versammlung darüber, dass das Märchen vom "unaufhaltsamen Aufstieg des Sozialis­mus in Europa" mit dem Wahlausgang in Grossbritannien ausgeträumt sei. Ähnlich vernünftig und pragmatisch ha­be sich auch der deutsche Wähler bei den drei Landtags­wahlen des vergangenen Monats verhalten. Es habe sich erneut gezeigt, dass der Bürger in der Bundesrepublik weitgehend aller Ideologisierung widerstehe. Für die CDU und die JU Rheinland-Pfalz, die am Beginn eines Land­tagswahlkampfes stehe, bedeute dies, den Weg des poli­tischen Pragmatismus weiterhin zu beschreiten, ohne ihre Bindungen an das "C" im Namen der Union aufzugeben, weil dieses "C" nicht ideologisch im Sinne einer Ver- christlichung der Welt verstanden werde, sondern als eine realistische Gesellschaftspolitik, aufgebaut auf einer un­mittelbaren oder in naher Zukunft realisierbaren Men­schlichkeitsidee. Das schliesse Reform und Experiment ein und werde nicht erst seit dem "Machtwechsel" ver­sucht, wie von der jetzigen Regierung oft vorgegeben. Man war sich darüber im klaren, dass gerade der Jungen Union die spezielle Aufgabe zufalle, auf Reform und Ex­periment zu drängen. Das verstehe man natürlich gera­de auch für den kommunalpolitischen Bereich.