Ausgabe 
4.6.1970
Seite
216
 
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RUND UM MONTABAUR Nr. 13/23/70/8 morgens kamen die Buben in ihren frischengewaschen­en, blauleinenen Anzügen mit getränten Schuhen zur Schule - einer blauer als der andere. Und dann die rotgesunden apfelrunden Bubengesichter mit den wir­ren Haarschöpfen - Es war eine gesunde Rasse. Im Trierischland sieht man auch noch sehr häufig den Kittel, der in den altnassauischen Dörfern zu einer äußerst seltenen Trachtkuriosität geworden ist Leiderl Denn dieser Kittel ist ein vielseitig praktisches Kleidungsstück. Kurzum: die alte Männertracht sämt­licher Westerwaldgebiete ist dahin. Und sie wird sich nie wieder beleben lassen, es müßte dann das ganze Land in seine frühere Verkehrsabgeschlossenheit er­neut zurückfallen. Wo aber die Eisenbahnlokomotive pfeift und die Schrottelmaschine lärmt, Automobile knattern -, da heißts nicht mehr rückwärts, da kom- mendiert der Fortschritt sein zwingendes Voran.

Ist nun auch die Frauentracht verloren? Stückrath, den ich oben zu Wort kommen ließ, bejaht die Frage; Ich möchte da Einschränkungen machen auf Grund eigener Anschauung. Das Elbbachtaigebiet mit seinen rührigen Hausierern, seiner Basaltindustrie hat natür­lich längst die Frauentracht verstädtischt. Und wenn Stückrath den Westerwälder Frauen das Reformkleid in sichere Aussicht stellt, so gilt dies gewiss nicht für und hier im Elbbachtal: wir haben das Reformkleid, ja ein - Hosenrock verirrte sich einst auf unsere holprige Dorfstraße. So eminent blödsinnig und ge­sundheitsschädlich eine städtische Modetorheit ist - die Stadt geht über sie zur Tagesordnung über -, unsere Dienstboten und sondtige Modedämlichkeiten kopie­ren sie nach. Dem heutigen Warenhauskleiderschwin­del in seiner gesamten Verrücktheit zu zeichnen, ist jedoch nicht Zweck dieses Aufsatzes, der dartun möchte, daß es hier und da im Westerwald noch Oasen der alten Frauentracht gibt, die das Zukunftsverspre­chen geben: die alte Volkstracht des Westerwaldes ist noch nicht gänzlich verloren, sie blüht wieder auf in der Frauentracht. Wirklich ? Man höre!

Wie alljährlich besuchte ich vor Tagen meine liebe, alte Heimt: das Dörfchen Großholbach. Viele Leser des .Schauinsland' werden das idyllisch gelegene Dörfchen unweit Montabaur Trennen. Ich brauche also nicht sei­ne äußeren Reize zu schildern, z.B. die altertümliche.

die umstanden von mächtigen Linden und Kastanien­bäumen das Auge des wanderfrohen Heimatfreundes fesselt und wohl die schönste Dorfkirchenanlage des unteren Westerwaldes genannt werden kann. Großholbach feierte Kirmes, sein höchstes Fest. Die Jungmädchen weit paradierte im tausendfarbigen Bläschen. Auch gelbe Schuhe sah ich hier zum ersten­mal und sehr engmoderne Röcke. Auch hypergroßstäd­tische Wuschelfrisuren, hochgetürmt, kämmebeladen, netzumstrickt. Aber ich sah auch etwas, was mein Herz schneller schlagen ließ: auffällig viele junge Frauen im .Kleiderstaat' der alten Zeit. Im Samtjack mit brei­ten Besätzen, schweren Tuchrock und in der steifsei- denen kostbaren Schürze, der prächtigen Kappe aus seide mit den langen, handbreiten Bändern. - Ich frage meinen greisen Jugendfreund Jakob, dessen Bild dem Leser ein rasseechtes intelligentes Westerwälder Bau­erngesicht zeigt. Er sagte mir, daß die Frauentracht sei­ner Zeit wieder auflebe. Die Leute wollten von dem .Neumodigen' nicht mehr viel wissen, die meisten Bräute , auch die, welche bis dahin Blusen und Hüte get getragen haben, gingen im alten .Staat' zur Trauung.

Das war mir schier unglaubhaft. Dann aber sah ich in einem bekannten Hause zwei Brautbilder der jüngsten Zeit. Tatsächlich: beide Bräute trugen die Großmutter­tracht. Und ich hörte auch von vielen Seiten: Ja. das ist so, unsere Bräute kleiden sich wieder altmodig, weil das ja auch schöner ist und teuerer, dabei besser steht.' .Totes wieder zum Leben erwecken geht nicht....' (Stückrath). Aber hier in Großholbach ist das Tote wieder lebendig geworden. Es lebt in Wirklichkeit.

Eine Abkehr vom .Neumodigen' bereitet sich vor.'

Alle Frauen lobten mir die alte Tracht und kritisierten die neue. Lange hatte ich eine solche Sprache von Frauenseite her nicht mehr gehört; sie gab mir den Glauben wieder an heimatliche Eigenart und Charak­tertreue. Kann nun das Beispiel eines einzigen Dörf­chens uns überzeugen? Gewiß nicht. Aber die ganze Umgegend illustriert meine Behauptung. Kleinholbach, Girod und Steinefrenz pflegen ebenfalls wieder die al­te Frauentracht.'

Walter Kalb

Des weiteren entstand ein sehenswerter Waid-Lehr pfad, der noch weiter vervollständigt wird. Die be­sonderen Merkmale sind: Vogeluhr, Wildfütterun­gen, Vogelschutzgeräte, Vermehrung der roten Waldameise im Hinblick auf die biologische Schäd­lingsbekämpfung, Arboretum, Standorts-, Bestan­des- und Holzartenmarkierungen, Jagdhütten, Ge­denkstätte, Kastanienallee, Waldkapelle und Cam­pingplatz am Aarbach. An die Markierung der Bo­denflora ist im nächsten Jahr ebenfalls gedacht.

Die Wanderwege sind besonders gekennzeichnet ur zwar der kleine Umgang mit einer Laufzeit von ca 50 Minuten durch das Kennzeichen einer "Tanne" und der große Umgang mit einer Wanderzeit von ci 2 Stunden (6,5 km) und einem "Hirschgeweih". Diese Route führt durch das Gelbach- und das idyl lische Eisbachtal, vorbei an grünen Wiesen und ab­wechslungsreichen Waldbildern. Auf dem Weg ge­legene Pensionen bieten Erfrischungsgetränke aller Art.

In der neueren Zeit müßte der biologische Schäd­lingsbekämpfung mehr Interesse entgegengebracht werden, da neben der Anwendung von Pestiziden aus Rücksicht auf die Volksgesundheit immer mehi auch natürliche und ungefährlichere Methoden der Schädlingsbekämpfung treten müssen.

Hierbei bedarf es der besonderen Förderung der ideellen und wirtschaftlichen Vogelschutzmaßnah­men in Stadt und Land, in Wald unf Flur; denn durch das Vorhandensein einer größtmöglichen Siedlungsdichte und eines Artenreichtums in der Vogelwelt sind bereits gute Erfolge bezüglich der Vertilgung von Schadinsekten erzielt worden. Na­türlich müssen alle Maßnahmen prophylaktisch, d.h. vorbeugend, sein. Wenn erst eine Kalamität aufgetreten ist, können nur die Anwendungsmög­lichkeiten von Pestiziden eine ausreichende Wir­kung herbeiführen. Dies gilt gleichfalls für den Obst- und Gemüseanbau. Sorgen bereiten den Obst­und Gemüsebauern gleichermaßen allerdings dievei feinerten und überspitzten Qualitätsanforderungen der Verbraucher, welche leider immer noch den schön aussehenden, aber oft ein- oder zweidutzend mal mit Pestiziden bespritzten Obst oder Gemüse den viel gesünderen, aber vielleicht etwas weniger ansehnlichen Früchten gedankenlos den Vorzug ge­ben.

Erwähnenswert ist ein vollkommen neues Arbeits­gebiet der therapeutischen Wirkung des Vogelschut zes und der Vogelbeobachtung (z.B. in Kuranlagen und Heilbädern).

In diesen Bereich fällt auch die rote Waldameise, die auch im Forst eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat Erfreulicherweise ist es möglich, diese Waldameise künstlich zu vermehren, und das Verbreitungsgebiet beträchtlich auszudehnen.

Das Aussetzen von sterilisierten Insekten läßt den Schädlingsbestand schnell zusammenschrumpfen und nach einigen Generationen aussterben. Der Erfolg liegt darin, daß sie sich mit der natürlichen Population paaren und die Weibchen sodann un­fruchtbare Eier legen.

Das Arboretum zeigt, als Reihennflanzung mar­kiert und 30 Stück an der Zahl, die vorkommen­den und bereits im europäischen Raum standorts­gerechten Holzarten. Eine Erweiterung auf die Straucharten ist geplant.

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Landschaftsgestaltung - Unser Lebensraum! Praktischer Naturschutz nicht nur als Frem­denverkehrswerbung

Niemand denkt noch gerne an die Zeiten zurück, wo das Landschaftsschutzgebiet "Dickheck" im Natur­park - Nassau, beginnend an der B 49 - Gemarkung Großholbach mit seinen herrlichen Ausblickspunk-, ten und der ozonreichen Waldluft noch nicht für die Bevölkerung aus nah und fern erschlossen war. Durch den großzügigen Ausbau von Rundwanderwe­gen wird jedem Besucher die Möglichkeit geboten, sich hier zu erholen und darüber hinaus nach Her­zenslust zu wandern.

Neben dem besonders angelegten Parkplatz, auf welchem eine gute, übersichtliche Wandertafel und Eichen Stilmöbeln zum "Picknick" aufge­stellt sind, erreicht der Besucher ein Stück Weges das Sportgelände; eine Stätte der sportlichen Be­tätigung für jedermann.