Ausgabe 
7.11.1969
 
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GESCHICHTLICHES ZUM 11. im 11.

Feste zu feiern, weil sie gerade fallen, ist wenig sinnvoll. Man sollte ihrem Anlaß und ihre Herkunft kennenlernen und sich dann je nachdem für ein Mitfeiern entscheiden oder nicht.

Mit dem Wissen um die Zahl 11 als volkstümlich gewordenes Symbol der Narretei ist es noch nicht getan. Wenn man schon den 11.11. auf den Hauptnenner KARNEVAL bringt, so tut man - ohne zunächst auf den Begriff "Carneval" einzu­gehen - gut daran, sich auf das deutsche Wort "Fastnacht" (seit 1200 "vastnaht") zu verlegen.

Diesen Namen bekam die Nacht oder genauer der Abend (Fastelovend) und dann der ganze Tag vor dem Aschermitt­woch, dem Beginn der Fastenzeit. An Fastnacht wurde also besonders stark der Freude am Leben gehuldigt und den Fleischwaren noch einmal mit aller Hingebung zugesprochen. Analog dazu kam es zum 11.11.

Auch an diesem Tage, der heute - eigentlich fälschlich - als "Inauguration" einer neuen Karnevals-Session gelten soll, fehlt nicht ein geschichtlicher Ursprung: In der gallischen Kirche war ursprünglich der Advent nicht die Vorbereitungs­zeit für Weihnachten, sondern für das ältere Hauptfest Epiphanie (Erscheinung des Herrn) am 6. Januar. Der Advent stellte also gleichfalls eine Fastenzeit dar, die am Tage nach St.Martin (11. November) begann und sich über 56 Tage erstreckte. Dies führte mithin wieder zu einer gewissen "Fastnachts" -Stimmung. Im Zusammenhang mit dem No­vember als Schlachtmonat sowie als Abschluß des Wirt­schaftsjahres und der Zeitwende im bäuerlichen Leben - auch in der Stadt gab es damals noch Bauern - war der begüterte Martinstag gerade recht, wie am Tage vor Aschermittwoch noch einmal zu schwelgen in allem, was Küche und Keller boten.

Meint nun ein Superreformer: Wenn das Fasten wegfalle, könne man auch folglich das Getue um Karneval und den 11. im 11. absetzen, dann meine ich: "Ein Glück, daß man noch konservativ bleiben kann im Fröhlichsein und im Ver­zichten. "

HEITERKEITSSTAMMTISCH BEIM

"PATER LEO "

Hier treffen sich das ganze Jahr über Samstag für Samstag die eingefleischten Karnevalisten von Montabaur. Selbst zu einer Jahreszeit, wo der normale Bürger unseres schönen Städtchens noch gar nicht an Fassenacht denkt, rauchen hier bereits die Köpfe. Es wird schon eifrig diskutiert, bisweilen heftig debattiert, Verse werden geschmiedet und auch wie­der verworfen, Kalauer werden gerissen, Geschehnisse in und um Montabaur auf ihre Büttenreife überprüft und nicht zu­letzt Pointen im kleinsten Kreis in ihrer Wirkung auf die Lach muskeln getestet.

Hin und wieder hört man: "Knüller - kann mer bringe! "

Daß bei dieser anstrengenden Tätigkeit auch die Kehlen ent­sprechend für die Fassenacht geölt werden müssen, sei nur am Rande erwähnt.

PRINZENMACHER UNTERWEGS .

Während sich die Familienväter in Montabaur ihre Gedanken um die Weihnachtsgeschenke machen, planen die Väter der Montabäurer Fassenacht bereits eifrig die kommende Kam­pagne.Erste und größte Aufgabe ist die Wahl eines zünftigen Prinzen. Wer darum die beiden oben abgebildeten Herren im Oktober oder November mit einem überdimensionalen Blumen­sträuße durch die abend liehen Straßen unserer Stadt schreiten sieht, der weiß genau: Die Prinzenmacher sind unterwegs.

Am 8. Oktober d. Jahres war es wieder einmal soweit. Wer hat sie gesehen ? ? ?

Die obige Aufnahme zeigt die Prinzenmacher in der Wohnung der zukünftigen Tollität.

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NOCH ANONYM

Liebe Montabäurer !

Jetzt zum 11.11. sei es Euch bereits verraten: Unsere geliebte Heimatstadt hat für die kommende Fastnachts-Kampagne 1970 wieder einen Prinzen. Unter meinem bürgerlichen Namen bin ich als waschechter Montabäurer wohl jedem bekannt.

Als närrische Tollität werde ich jedoch erst am 9.1.1970 offiziell den Bürgern von Montabaur und Umgebung vorge­stellt. Bis dahin also noch ein bißchen Geduld! Es ist ja auch des medizinischen Wunders genug, daß ein Prinz, der noch gar nicht aus der Taufe gehoben ist, bereits zu seinen Unter­tanen spricht.

Doch alle sollen jetzt schon wissen: Höchste Verpflichtung wird für mich sein, zusammen mit meinen treuen Helfern aus den Reihen der "Heiterkeit" die Karnevals-Session 1970 so zu gestalten, daß die doch schon traditionsreiche "Monta­bäurer Fassenacht" weiterhin ln hellstem Glanz und Licht erstrahle. Von Euch, meinen zukünftigen närrischen Unter­tanen, wünsche ich mir nur eines: Eure Mithilfe zum guten Gelingen in Form von echter Begeisterung! Da die Planungen und Vorbereitungen für die "tollen Tage" bei allen Aktiven bereits auf Hochtouren laufen, bin ich heute schon der festen Überzeugung: Der Fastnachtszug 1970 wird an Größe und Schönheit bestimmt alle Erwartungen erfüllen. Die Sitzungen des Elferrates werden wieder wie in den letzten Jahren zu den Höhepunkten der närrischen Kampagne gehören.

So kann ich als Euer zukünftiger Prinz aus ehrlichem Herzen sagen: "Es ist um die Fastnacht 1970 bestens bestellt! "