Ausgabe 
7.11.1969
 
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DER FREIZEITGÄRTNER

Freizeit 69

Gartenprogramm als Anfang

Vernünftige Gestaltung von ausschlaggebender Bedeutung

Der Hausgarten alten Stils erscheint uns heute reichlich primitiv. Es fehlt ihm die not­wendige Ordnung, er ist überladen und gleicht in vielen Fällen einer Wildnis. Grund dafür ist, daß der Hausgarten früher nicht als erweiterter Wohnraum betrachtet wor­den ist, sondern als reiner Nutzgarten. Man wollte lediglich, Gemüse, Obst und Blu­men für den Eigenbedarf anbauen und legte dabei keinen Wert auf Gestaltungs­gesetze. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Der Freizeitgärtner von heute bemüht sich, seinen Garten als Erholungsplatz für die Familie zu gestalten.

Bevor man seinen Garten ganz gleich, ob er 200 oder 500 qm umfaßt anlegt, entwirft man zweckmäßigerweise ein Gartenprogramm. Dabei ist zu berück­sichtigen, daß man nicht übermäßig Kraftaufwand in diese Art der Freizeit-

9,5 MILLIONEN

KLEINGÄRTNER

ln der Bundesrepublik gibt es nach einer Information der Ausstellung Freizeit 69" gegenwärtig 9,5 Mil­lionen Gartenbesitzer. Die Durch­schnittsgröße der Gärten beträgt bei ihnen 300 bis 700 Quadratme­ter. Der Garten dient allen in den freien Stunden zur Erholung, Ent- spannungund Erhaltung der Gesund­heit.

beschäftigung investieren will. Sonst hät­te der Garten seine Aufgabe verfehlt. Natürlichen Ausgleich und erholsame Stunden vermitteln auch Pflegearbeiten, die nicht an körperliche Schwerarbeit grenzen. Der Boden bedeutet deshalb auch für die Anlage keine Schwierigkeit. Einen Garten kann man praktisch auf jedem Boden anlegen.

Beim Gartenprogramm muß man zu­nächst einmal festlegen, wie man das zur Verfügung stehende Gelände aufteilen will. Da sollte man einmal die Rasen­fläche einplanen, ferner die Blumenbee­te, die Randbepflanzung, den Sitzplatz, Kinderspielplatz mit Sandkasten, even­tuell ein Planschbecken, Obst und Gemüsegärtchen. Wichtig ist, daß man eine Harmonie zustande bringt, die Gar­tenfläche nicht überladen wirkt und alles am rechten Ort zu finden ist.

Unentbehrlich ist die gut gepflegte Ra­senfläche. Man kann sie als das neutrale und zusammenfassende Element des Gar­tens bezeichnen. Für das Auge bedeutet die Rasenfläche einen ruhenden Pol in­mitten der Vielfalt von Blumen und

Pflanzen. Sie vermittelt außerdem den optischen Eindruck einer Raumvergrös- serung, die besonders bei kleineren Gär­ten recht wirkungsvoll ist. Nicht zuletzt will man den Rasen als Liegewiese oder für Spiele benutzen. Wenn man die Ra­senfläche plant, muß man allerdings auch an die späteren Pflegemaßnahmen den­ken. Durch eine wenig geschickte Form­gebung der Rasenflächen werden diese Arbeiten nämlich wesentlich erschwert. Der Rasenschnitt läßt sich beispielswei­se auf geraden, zusammenhängenden Flä­chen wesentlich leichter verwirklichen. Blumen und Gehölze wirken besonders reizvoll am Rande der Rasenfläche. Ra­senkanten sollten möglichst wenige vor­handen sein. Man kann das Nachschnei­den der Rasenkanten einsparen, wenn man bei der Anlage darauf achtet, daß die Wegkanten mit der Rasenfläche eben­erdig verlaufen.

Welche Bäume sind geeignet?

Die zweite Frage bei der Aufstellung des Gartenprogramms ist:Welche Bäu­me und Sträucher will ich pflanzen? Der Gartenfreund will naturgemäß auf das Grün auch im Winter nicht verzichten. Deshalb ist es sein Wunsch, auch einen Nadelbaum zu pflanzen. Man soll sich aber davor hüten, in einen kleinen Gar­ten Tannen und Fichten zu pflanzen, die später durch ihren mächtigen Wuchs die Harmonie des Gartens sprengen. Auch Kiefern, Lärchen oder Zedern werden meist zu groß und passen nicht in das Gesamtbild.

Besonders geeignet für den Hausgarten sind kleinkronige Bäume, wie Zierkir­schen oder Vogelbeeren, ebenso auch Obstbäume zumal in der Halbstamm und Buschform. Man sollte es auch ver­meiden, Pappeln, Birken oder Weiden in das Gartenprogramm aufzunehmen, weil sie durch ihr Wurzelwerk (es handelt sich um Flachwurzler) viel Schaden im Garten anrichten können.

Mit größter Sorgfalt wählt man den Standort für den sogenanntenHaus­

baum. Es sind nicht nur Liebe und Nei­gung des Gartenbesitzers dabei ausschlag­gebend, sondern ebenso die Lage des Grundstücks, das Haus in seiner äußeren Gestalt, der Boden und das Klima. Erst wenn alles gut aufeinander abgestimmt ist, kann man die Entscheidung treffen. Es ist dabei auch an die spätere Krone zu denken und an den Wurzelstock. Hüten sollte man sich davor, zu viele Bäume im Garten zu pflanzen.

Sträucher haben auch eine wichtige Auf­gabe im Garten. Sie können manches verdecken, was dem Auge mißfällt, eben­so als Abgrenzung zum Nachbargrund­stück oder zwischen den einzelnen Gar­tenteilen dienen. Bei der Wahl von Zier­sträuchern ist auf die Blütezeit, auf den Fruchtschmuck und auf die Holzfarbe Rücksicht zu nehmen. Immergrüne Ge-

BEHANDLUNG

VON KOMPOST

Im Haus selbst, aber auch im Gar­ten gibt es eine Menge Abfälle, die für die Düngung wertvoll werden können, wenn man sie zu Kompost verarbeitet. Einen Kompostsilo kann man aus Holz oder aus Beton leicht herstellen. Wichtig ist vor allem, daß genügend Luft heran kann. Die Abfälle sollen nämlich nichtverfau- len, sondern verwesen. Es ist nicht nötig, den Kompost im Silo umzu­setzen. Man kann den Abfall immer wieder darauf geben. Wenn die Schicht etwa 30 cm hoch ist, setzt man Ätzkalk zu und eine Schicht Torfmull darüber. Auf diese Weise läßt sich der Kompost schneller fertigstellen, Nährstoffverluste wer­den vermieden. Von Zeit zu Zeit falls der natürliche Regen fehlt begießt man den Kompost.

hölze sind zwar in der Anschaffung teu­rer, tragen aber sehr zur Belebung des Gartenbildes bei. Eine Bereicherung bringen auch Hecken, freiwachsende Blüten oder Fruchtgehölze, die den Garten umgrenzen. Q

EIN SPIELPLATZ

FÜR DIE KLEINEN

In jedem Garten sollte soviel Platz vor­handen sein, daß man auch für die Klei nen einen Spielplatz anlegen kann.