Ausgabe 
7.11.1969
 
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DER ÄLTESTE NOCH LEBENDE KARNEVALIST

VON MONTABAUR ERZÄHLT .

Am 12. Oktober dieses Jahres suchte der Vorstand der Kar­nevalsgesellschaft "Heiterkeit" Montabaur zusammen mit dem zukünftigen Prinzen im Altersheim Horbach den äl­testen noch lebenden montabäurer Karnevalisten, Philipp Wörsdörfer, auf. Es war erstaunlich, wie frisch noch seine Erinnerung war an das närrische Treiben vor nunmehr fast 90 Jahren. Philipp Wörsdörfer, inzwischen 92 Jahre alt, be­teiligte sich zum ersten Mal als fünfjähriger Junge im Jahre 1882 an einem Montabäurer Fassenachtszug. Er gehörte damals zu einer Zigeunergruppe. Da seine Beine wohl noch für die lange Zugstrecke zu kurz waren, wurde er von sei­nem Nachbarn, Rudolf Helbach, auf dem Rücken in einer Kieze getragen. Unter anderen gehörte zu dieser Grup­pe auch ein Mann, der sich als Bär verkleidet hatte. Ob aus Angst vor dem Bären, aus Aufregung oder verständlicher Freude blieb an jenem Vormittag ungeklärt, Philipp Wörs­dörfer wußte nur noch, daß er plötzlich unbedingt - wie er selbst sagte - "ein Rappelche machen mußte". Doch all sein Flehen "Onkel Helbach, ich muß emol" ging im all­gemeinen Jubel und Trubel unter. Der gute Onkel Helbach war lediglich am Ende des Fassenachtszuges bass erstaunt, daß trotz der geringen Last, die er getragen hatte, und trotz der relativ kalten Jahreszeit er und die Kieze total durchge­schwitzt waren.

Im Fassenachtszug 1882 durfte natürlich der größte Fasse­nachtsgeck der damaligen Zeit, Schuster' s Bert, seines Zeichens Schultafellackierer, nicht fehlen. Er sass stolz auf einem Leiterwagen, den er alle 100 Meter anhalten ließ, um den Bürgern von Montabaur und Umgebung ein altes Hausrezept von ihm zu verkünden:

"Branntwein ist im Sommer und im Winter gesund für Er­wachsene und Kinder."

Mit Schmunzeln und nicht ohne Stolz erzählte Philipp Wörs­dörfer auch noch jene Anekdote, wie sein Vater im Jahre 1861 als wilder Kosak im Montabäurer Fassenachtszug mit­ritt. Der geliehene Gaul war jedoch so lahm, daß er an­dauernd mit Bier munter gehalten werden mußte. Wer al­lerdings zuletzt mehr Promille intus hatte, ob der feurige Gaul oder der wilde Kosak, konnte uns der Erzähler leider nicht mehr verraten.

Als uns der alte Mann auch noch seinen größten Herzens­wunsch verriet, nämlich einmal noch an der Montabäurer Fassenacht dabei sein zu dürfen, lud ihn der zukünftige Prinz spontan zum Prinzenbankett und Fassenachtszug offi­ziell ein. Da ging dem 92-jährigen das Herz über und er rief voller Freude aus: "Dat is e Wort ! - Mer komme, un wemmer geritte komme! "

So.

Wer Lust und Liebe hat, an der Gestaltung des Montabäurer Fassenachtszuges mitzuwirken, sei es als Hilfe beim Wagen bau oder aktiv in einer originellen Fußgruppe, der ist uns jederzeit herzlich willkommen.

Anruf genügt: Montabaur 3682.

.... oder so

Jeder, für den die aktive Mitarbeit an den Geschehnissen rund um die Montabäurer Fassenacht kein lohnendes Ziel da­stellt, sei hiermit herzlichst aufgerufen, als inaktives Mitglied der Karnevalsgesellschaft "Heiterkeit" Monta­baur beizutreten und dadurch sein Schärplein zu den gewiß nicht kleinen finanziellen Pflichten der Gesellschaft bei­zusteuern.

Bitte nachfolgende Beitrittserklärung ausschneiden und aus­gefüllt einsenden an:

Herrn

Franz Röder 843 Montabaur Colletstr. 16

(Monatlicher Mindestbeitrag: DM 1,--

Beitrittserklärung

Ich

Wohnort

Straße

erkläre hiermit meinen Beitritt als inaktives Mitglied zur Karnevalsgesellschaft "Heiterkeit" Montabaur und verpflich­te mich, zur Ausgestaltung des Montabäurer Karnevals einen monatlichen Beitrag von

DM. zu zahlen .

Die Beitragszahlung soll ab.beginnen.

Montabaur, den.

( Unterschrift)