Ausgabe 
29.8.1969
 
Einzelbild herunterladen

Zuneigung, die er zu Puntila faßte, seinen Abschied nimmt.

Zu Laina, der Köchin, sagt er beim Weggehen: "Das Er­wachen riskier ich lieber nicht. Heute nacht hat er sich so besoffen, daß er mir gegen Morgen versprochen hat, er wird mir die Hälfte von seinem Wald überschreiben, und vor Zeugen. Wenn er das hört, ruft er diesmal die Polizei. "

Mit diesem Stück, das im Jahre 1940 entstanden ist, hat Brecht versucht, die Gattung des Volksstückes, die für ge­wöhnlich als "'krudes und anspruchsloses Theater" angesehen wird, zu erneuern, Was ihn befähigte, dieses Ziel zu rea­lisieren, war seine Fähigkeit, typische Szenen, wie sie an jedem Gutshof Vorkommen können, durch seine Sprache und seine Kunst, theatergerechte Situationen zu schaffen, in echte Poesie zu verwandeln.

Abonnements und Kartenvorverkauf: Städt. Verkehrsamt,

Rathaus Zimmer 8.

MASSNAHMEN UND

Möglichkeiten

ZUR INTENSIVIERUNG DES FREMDENVER­KEHRS IM UNTERWESTERWALDKREIS Der Westerwald, insbesondere der Unterwesterwald, ist als Ferienland geradezu prädestiniert. Die herbe Landschaft mit ihren großen Waldungen, den zum Teil noch unberührten Tälern, den gut zu bewältigenden Höhen; vor allem aber die verkehrstechnische Lage zu dem Rhein-Ruhr- und dem Rhein- Main-Gebiet bieten natürlich und andere Vorteile, die dem interessierten Urlauber mit allen Mitteln einer zugkräfti­gen Werbung nahegebracht werden sollten. Eine Aufgabe, die leider in der Vergangenheit wohl nicht mit dem nötigen Nachdruck betrieben werden konnte. Das hat dazu geführt, daß der Westerwald insgesamt auf dem Fremdenverkehrs­sektor eindeutig abgerutscht ist. Andere Ferienlandschaften haben unseren Raum nach intensiver innerer und äußerer Wer­bung längst überrundet, obwohl sie landschaftlich keines­wegs reizvoller sind. Im Gegenteil! (Beispiel: Teutoburger Wald).

Ein mit der Zeit leistungsfähiges Beherbergungsgewerbe , aufgeschlossene und vorausschauende, ja mutige Fremden­verkehrsfachleute und eine äußerst geschickte Werbung ha­ben in anderen Gebieten eine positive Wandlung gebracht und zwar in einem Maße, daß man hier von einem Wirt­schaftswunder durch den Fremdenverkehr spricht. Das ist nicht abwegig, wenn man bedenkt, daß schon für das Jahr 1965 der Umsatz des Erholungs- und Ferienverkehrs (ohne Passantenverkehr, Verwandtenbesuche und Camping) vom Institut für Fremdenverkehr in München auf 6,5 Milliar­den Mark geschätzt wurde.

Es ist müßig, die Bedeutung des Fremdenverkehrs als nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor weiter zu untermauern. Vielmehr sollte in naher Zukunft eine Antwort auf die Fra­ge gefunden werden, auf welche Weise unser Kreis als Fremdenverkehrsgebiet erschlossen und gleichzeitig richtig "verkauft" werden kann; ohne mit konservativen, schon liebgewonnenen altväterlichen Überlegungen und Weishei­ten den Erfolg auf die Dauer zu gefährden oder gar zu ver­hindern. Ein Patentrezept für eine rasche, erfolgreiche An­kurbelung des Fremdenverkehrs gibt es sicherlich nicht, da­für spielen zu viele verschiedene Faktoren eine Rolle.

Gleichwohl würden, speziell auf unseren Raum bezogen, Gegebenheiten, Möglichkeiten und Maßnahmen auf dem .

Sektor des Fremdenverkehrs - auf einen Nenner gebracht - wohl wie folgt aussehen:

I. Gegebenheiten 1. Derzeitiges Angebot:

a) reizvolle Landschaft, gesunde Höhenlage, mildes ausge­glichenes Klima;

b) zahlreiche Pensionen und Hotelbetriebe verschiedener Ka­tegorien, sowie kleiner Campingplätze;

c) Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und Unterhaltung (Bäder, Kinos, Minigolfplätze, Reitställe, Wanderwege ect). ;

- 3J-

d) gutes Straßennetz (Autobahn, Landstraßen aller Art).

2. Derzeitige Mängel und Nachteile:

a) zu wenig Hotel- und Pensionsbetriebe für hohe Ansprüche, nicht ausreichende Campingplätze;

b) keine großzügig und entsprechend durchorganisierten Fremdenverkehrs- bzw. Ferienzentren;

c) bei weitem nicht genügend Möglichkeiten der Freizeit­gestaltung, zu wenig Wasserflächen, keine geheizten Freibäder;

d) relativ schlechter Service auf allen Gebieten in den Ge­meinden;

e) relativ ungünstige öffentliche Verkehrsmittel und gleich­zeitig mangelnde Koordinierung und Abstimmung der Fahrpläne unter den Verkehrsbetrieben.

II. Möglichkeiten, Maßnahmen

1. Innere Werbung:

a) Allgemeine Maßnahmen

+ Erstellung einer Fremdenverkehrs- bzw. Marktanalyse;

+ Einflußnahme auf Beherbergungsbetriebe jeder Art und entsprechende Beratung in allen Fremdenverkehrsange­legenheiten (zunächst einmal in den Mitgliedsgemeinden);

+ Beratung und Unterstützung der Mitgliedsgemeinden bei der Dorfverschönerung und ähnlichen Aktionen;

+ Konkrete Zusammenarbeit mit den in Frage kommenden örtlichen und überörtlichen Vereinen, Organisationen und kulturellen Einrichtungen;

+ Kontaktaufnahme mit Verkehrsbetrieben, Behörden und Industriebetrieben (soweit der Fremdenverkehr in irgend­einer Form an gesprochen ist);

+ Einführung von Inclusivpreisen;

+ Klassifizierung aller Beherbergungsbetriebe.

b) Maßnahmen struktureller Art

+ Schaffung von ausgeprägten Fremdenverkehrszonen, die möglichst von Industrieansiedlungen sowie von Trassen für Autobahnbauten, Hochspannungsleitungen und Pipe­lines freigehalten werden sollten;

+ Errichtung von großen, mustergültigen Ferien- und Er­holungszentren, vorbildlichen Pensions- und Hotelneu­bauten, Sanatorien und Kinderheimen; gleichzeitig bessere Ausnutzung der Vor- und Nachsaison;

+ Schaffung von Wintersporteinrichtungen (Eisflächen, Rodelbahnen ect).

c) Gästebetreuung

+ Erstellung von für den Urlauber notwendigen Freizeitein­richtungen und Unterhaltungsmöglichkeiten (Ponnysta- tionen, Golfplätze, Fischteiche, Tennisplätze, Reit­ställe, geheizte Freibäder, Kinderspielplätze, Lesesäle, Kneippeinrichtungen, Hobbywerkstuben, Ferienfahrschu­len ect);

+ Durchführung von Veranstaltungen aller Art unter Hin­zuziehung von örtlichen und überörtlichen Vereinen (Bun­te Nachmittage oder Abende, Konzerte) und von Rund­fahrten durch den Westerwald;

+ Unterstützung und Gründung von Trachtengruppen und Trachtenkapellen, sowie anderen das Brauchtum des Westerwaldes pflegenden Gruppen;

+ Einführung eines besseren Service (vom Zubringerdienst für den Urlauber bis zum Verkauf der Sonntagszeitung);

+ Eröffnung einer zentralen Tourist-Informationsstelle mit Zimmervermittlung und angeschlossenem Reise­büro;

+ Herausgabe von besonderen Veranstaltungskalendern, Wanderführern und touristischen Hinweisen;

+ Herausgabe eines Gutscheinhteftes für Dauergäste (Gut­scheine als besondere Vergünstigungen beim Besuch von Fremdenverkehrseinrichtungen).

2. Äußere Werbung:

a) Direkte Werbung

+ Herausgabe einer "Prospektfamilie" (Geschenkprospekt, Streuprospekt /"Folder", einfaches und originelles Werbe- und Erinnerungsprospekt);