Ausgabe 
10.1.1969
 
Einzelbild herunterladen

ALLGEMEINE NACHRICHTEN

Altbürgermeister Robert Kraulich

wird_ heute 7 0 Jahre alt

Seit 5 Jahren im aktiven Ruhestand

» 7 V*

Der Bericht dör Westerwälder Zeitung zu seinem 60. Ge­burtstag war recht umfangreich. Der bekannte Kommunal­politiker Robert Kraulich leitete damals 10 Jahre lang die Geschicke der Stadt als hauptamtlicher Bürgermeister.

Die Jahre sind ins Land gegangen.

Vieles erscheint uns heute als selbstverständlich, was an öffentlichen Einrichtungen, städteplanerischen Maßnahmen oder zur Pflege des Vereins- und Kulturlebens, in seiner Zeit verwirklicht wurde.

Ein kurzer Rückblick auf wesentliche Dinge sei erlaubt :

Kurz nach der Währungsreform entstand unter für damalige Zeiten erheblichem Kostenaufwand das " Stadion-Mons- Tabor ",

Zu erwähnen sind weiter, die Verbesserung und der Ausbau des innerstädtischen Straßennetzes und die Erschließung von dringend benötigtem Baugelände.

Mit der Erweiterung der Wasserversorgungsanlage und dem Bau von zwei Tiefbrunnen, wurde eine lange andauernde Wassernot der Bevölkerung behoben.

Die Kanalisation des Stadtgebietes, mit dem Anschluß an die zentrale Kläranlage, stellten außergewöhnliche An­forderungen an die Finanzkraft der Stadt.

Wenn Montabaur seit kurzem Hauptschule geworden ist, so nicht zuletzt deshalb, weil der Erweiterungsbau der Joseph-Kehrein-Schule hierfür die Voraussetzungen schuf.

Zur Belebung und Förderung der Wirtschaftskraft, setzte sich Kraulich tatkräftig für die Stationierung der Bundes­wehr in Montabaur ein.

Wer Kommunalpolitik als Bürgermeister betreiben will, muß Meilensteine auf seinem Weg setzen.

Die Kritik am begonnenen Werk verblaßt vor der Anerkennung, die gute Arbeit erst dann findet, wenn sie getan ist.

In Anerkennung persönlicher Verdienste verlieh der Stadtrat dem am 31. Januar 1964 aus dem Amt scheidenden Bürger­meister die Ehrenbürgerrechte der Stadt Montabaur.

Für seine langjährige Tätigkeit als Gründer und Vorsitzen­der des " Vereins zur Pflege heimatlicher Kirchen erhielt Kraulich im Jahre 1960 den päpstlichen Orden " Pro eccleasia et pontifice ".

Dem rüstigen Jubilar, der noch in vielen Organisationen, Verbänden und Vereinen aktiv tätig ist, gilt unser herzlicher Glückwunsch zu seinem Geburtstag.

300 Jahre ehemaliges F ranz iskanerklo ster Montabaur

von Heinrich Fries Fortsetzung

Noch mehr Sorge bereitete den Patres die Beschaffung eines geeigneten Bauplatzes, der sich im Stadtbering nicht fand.

Als die Franziskaner sich um den Erwerb des Hospitals be­mühten, auf dessen Gelände sie das Kloster errichten wollten, da war man zunächst nicht gewillt, den Wünschen zu entspre­chen.

Zwar bestätigte Erzbischof und Kurfürst Karl Kaspar von der Leyen ( 1652-1676 ) den Franziskanern 1652 erneut ihre Nieder­lassung, gab ihnen aber den Rat, wegen der Übernahme des Hospitals mit dem Stadtrat zu verhandeln, um eine Einigung herbeizuführen.

Doch von diesem war vorerst keine Zusage zu erlangen.

So mußte man weiterhin in dem kleinen Haus beim Hospital wohnen.

Auch als man 1653/54 von dem Hüttenmeister Jean Mariot dem Älteren zum Preis von 500 Reichstalern ein Haus neben dem " Roten Löwen " ( Rathaus ) kaufte, konnte der Konvent nur das Hinterhaus beziehen. Das Vorderhaus am Markt blieb im Besitz des Verkäufers und wurde 1657 für ein Darlehen von 200 Reichstalern zur Tilgung der Kaufsumme auf 1 Jahr dem Pastor Johann Kauß in Montabaur eingeräumt.

Inzwischen war 1653 ( 22. November ) die Niederlassung in Montabaur zum Konvent erhoben worden. Damit war der Neu­bau eines Klosters nicht mehr länger hinauszuschieben. Nach vielen Verhandlungen mit der Stadt und der Landesregierung um den Erwerb, des Hospitals kam es nach Jahren zu einer Ver­einbarung, die aber mit soviel Vorleistungen ( Neubau eines städtischen Brauhauses, Umbau des alten Brauhauses zu einem Pfründnerheim ) belastet war, daß das eigentliche Vorhaben gar nicht realisiert werden konnte. Am 17. Dezember 1659 sind beide Parteien, Stadtrat und Konvent, zu einer Aussprache vor den Amtmann Philipp Emmerich, Freiherr von Metternich ge­laden, der sich wohl an diesem Tag in Montabaur aufhielt.

Die Franziskanerpatres tragen dem Amtmann vor, daß der Kurfürst ihnen die Niederlassung von 8 Personen gnädigst ge­stattet und sie sich deshalb zur besseren Verrichtung des Gottes­dienstes um eine füglichere Wohnung bewerben wollen, da ihr derzeitiger Aufenthalt " zu geistlichem clösterlichen Leben gantz unbequerrf'sei. Da ihnen nichts geeigtne&ter wäre als das Hospitalhaus gegenüber der Kirche ( des Hospitals ) erklären sich die Patres bereit, auf ihre Kosten der Stadt ein neues Brau­haus zu bauen und das jetzige als Hospitalpfründnerwohnung einrichten zu wollen,

Amtmann, Bürgermeister und Rat erklären darauf, daß dies zu bewilligen nur dem Kurfürst zustehe. Doch sei die Stadt einverstanden, wenn ihrein neues Brauhaus mit Gewölbe und Keller gebaut werde und das jetzige Brauhaus als Wohnung für die Pfründner und armen Leute, insgesamt für 24 Personen, eingerichtet werde und auch Scheuer und Ställe an die neuen Plätze verlegt würden, vorbehaltlich der kurfürstlichen Ge­nehmigung.

Am 7. Juni 1660 genehmigte der Kurfürst die Absprache zwi­schen der Stadt und dem Konvent und gestattete eine Nieder­lassung von 8 Personen. Zunächst ging man daran, das gegen­überliegende Brauhaus in ein Pfründnerheim umzubauen.