Ausgabe 
14.7.1967
 
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Die ganze überschäumende Festesfreude kam aber in der gewaltigen Festmesse für Chor, Orgel und Bläser zum Aus­druck, die der Kirchenchor "St. Cäcilia" unter Leitung von Alfred Koob und mit dem Komponisten Prof. Karl Walter, Wien, an der Orgel aufführte. Die Bläsergruppe kam vom Stadttheater Mainz. Karl Walter, ein gebürtiger Montabaurer, hatte die Festmesse, die sich inzwischen einen festen Platz in der modernen Kirchenmusik gesichert hat, anl. der Tausendjahrfeier 1959 der Pfarrkirche St.

Peter in Ketten komponiert. Zum 25 - jährigen Jubi­läum seines priesterlichen Freundes hatte der Komponist ein Dankgebet meisterlich vertont, das der Kirchenchor während des Hochamts vortrug. Bruckners "Tantum ergo" beschloß die kirchliche Feierstunde.

Beim anschließenden Empfang, der vom Kirchen Vorstand und der Kath. Aktion im Pfarrzentrum gegeben wurde, überreichte Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier Dekan B reidling das vom Bundespräsidenten verliehene Bundes­verdientstkreuz 1. Klasse.

Der Landesvater, von 1947 bis 1949 selbst Mitglied der Pfarrgemeinde von Montabaur, würdigte die Verdienste des Jubilars, der sowohl als Priester, als auch als Staats­bürger Hervorragendes für seine Kirchengemeinde, aber auch für seine Stadt Montabaur geleistet habe. "Ich er­innere an die in schwerster Zeit durch Ihre Mithilfe zu­standegekommene Schulspeisung für die Jugend, an die Organisation einer neuen Bildungsarbeit, ich denke an die Jugendarbeit, an den Bau neuer Kirchen in der Pfarrei Montabaur, an die Erhaltung und Erweiterung des Ent­bindungsheims, an den Bau neuer Kindergärten und zuletzt an den Bau des Pfarrzentrums, " sagte der Minister­präsident und schloß seine Festansprache, indem er Dekan Breidling die hohe Auszeichnung anheftete: "Das Wirken in der Kirche ist auch ein Wirken an der Gemeinschaft im Staat. "

Landrat Dr. Georg Klinkhammer übermittelte .uäie Glück­wünsche der Bevölkerung des Unterwesterwaldkreises. Durch Ihre Vitalität und Ihren Frohsinn haben Sie viel Sonnenschein in die Stadt gebracht. " sagte der Landrat. Namens der Mitbürger der Stadt Montabaur beglück­wünscht Bürgermeister Mangels den Jubilar, der in vielen städtischen Dingen maßgeblich mitgewirkt und Akzente gesetzt habe. Pfarrer Seifert von der Evangelischen Kir­chengemeinde entbot Dekan Breidling seine Glückwünsche, die er mit dem Dank für die allzeit gute Zusammenarbeit verband. Alle Gratulanten überreichten Gescnenke.

Mit bewegten Worten dankte Dekan Breidling für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen und Geschenke. Er sprach- von den vielfältigen Bedrängnissen in den Tagen, da er als Nachfolger des verhafteten und später verbannten Pfarrers Anton Aloys Jäger nach Montabaur gekommen sei.

Der Jubilar schilderte die Sorgen, Ängste und Nöte der Kriegs- und Nachkriegszeit und gedachte des schweren Anfangs nach dem Zusammenbruch. Er entwarf ein le­bendiges Bild jener Jahre und dankte allen, die gemein­sam mit ihm an der Bewältigung der Aufgaben gearbeitet hatten.

Am Abend versammelte sich die Pfarrfamilie im Kolping­haus, um ihrem Seelsorger für seine aufopferungsvolle Arbeit zu danken. Josef Pehl begrüßte namens des Kirchen­vorstandes und der Kath. Aktion die Versammelten und richtete herzl. Dankesworte an den Jubilar.

Altbürgermeister Robert Kraulich hielt die Laudatio. In beredten Worten gab er einen Abriß über das Wirken des De­kans in der Pfarrei und in der Öffentlichkeit, der den besten Abschnitt seines Priesterlebens den Menschen von Monta­baur gewidmet und Großes geleistet habe. Kraulich stattete dem Dekan auch seinen persönlichen Dank ab für die stets vorbildliche Zusammenarbeit in den langen Jahren seiner Amtszeit als Bürgermeister.

"Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin! " Diesen Leitspruch habe er, so Siagte Dekan Breidling, vor fast vierzig Jahren auf sein Primizbild setzen lassen und dieses Apostelwort stehe seitdem über seinem Priesterleben.

Der Jubilar richtete herzliche Dankesworte an alle, mit denen er in den letzten 25 Jahren in gemeinsamem Schaffen als Mensch und Seelsorger gestanden habe.

S.ein Dank galt insbesondere der großen, allzeit treuen Pfarrfamilie von Montabaur. "Ich möchte auch in Zukunft meine ganze Kraft und meine Liebe der Jugend, den Alten und Kranken widmen. Das Konzil hat insbesondere die Laien zu aktiver kirchlicher Mitarbeit aufgerufen. Ich brauch Euch alle! " rief der Dekan seinen Pfarrkindern zu, die treu zu ihrem Pfarrer, so hatte es Robert Kraulich in seiner Festansprache versprochen, auch in Zukunft stehen werden.

Mit viel Liebe und großem Können hatte der Filmclub Montabaur aus Anlaß des Jubiläums einen Tonfilm, betitelt "Unter den Türmen von St. Peter", gedreht und der an diesem Abend uraufgeführt wurde. Die Feierstunde wurde musikalisch gestaltet vom Collegium musicum unter Leitung von Friedrich Kraut, vom Kath. Kirchenchor "St. Cäcilia" unter Alfred Koob und einer Pfadfinderinnengruppe, angeführt von Dorothe Müller.

Nach der Feierstunde im Kolpinghaus brachten der Fanfarenzug der Freiw. Feuerwehr Montabaur unter Stabführung von Hel-, mutGroß, der MGV "Mendelssohn-Bartholdy" unter Hans Lingerhand und eine Musikkapelle dem Pfarrherrn ein Ständchen.

Glückwünsche namens der Vereine entbot Reinhard Son­nenschein. Abschließend erstrahlte das tausendjährige Gotteshaus in. bengalEscbfeaa Licht.

Am Montag . ehrte die Kapellengemeinde Eschelbach den Jubilar, dem außerdem eine köstliche Überraschung zuteil wurde; alle 18 Kapläne, die in den 25 Jahren seiner Amts­zeit unter dem Jubilar an der Pfarrkirche in Montabaur wirken konnten, gaben sich am Montagnachmittag im Pfarrhaus ein Stelldichein, um ihren Lehrmeister zu ehren.

GESCHICHTE DES STAATLICHEN GYMNASIUMS MONTABAUR 1930-1966

Fortsetzung aus Nummer 27/ 1 96 7 Schon 1945 vollzog sich die Namensänderung im stillen und konnte auch kaum bemerkt werden. Nach zwei Weltkriegen, nach zwei Revolutionen und noch mitterr im Chaos der dritten Revolution ging ein solches Ereignis in dem Wirrwarr der Zeit unter. Ein geschichtlich ,begründeter Name wog nicht mehr, die turbulenten Zeiten zerrissen das Band zwischen Vergangenheit und Gegenwart, höhlten Traditionen aus und machten rsolche Namen zu leerem Schall. Man mag das schon deshalb bedauern, weil die Bürger von Montabaur auch heute noch an dem alten Namen für "ihr Gymnasium" festhalten, aber in gewissem Sinne ist dieses Untertauchen in die Namenlosigkeit auch wieder geschicht­lich begründet und nur aus der Geschichte heraus zu ver­stehen.

Die zweite Namensänderung weist der Schule zudem den Raum an, in den sie in der Gesellschaft der Gegenwart ge­hört. Das kann weder eine Stadt noch ein Kreis sein. Die Schule, und besonders die Höhere Schule ist das Fundament, auf dem das Gebäude der Zukunft unseres Volkes errichtet wird, weil nur das Volk die Zukunft bewältigen und in der Zukunft wird bestehen können, dem es gelingt, geistige Führungskräfte in größter Zahl zu mobilisieren und diese auch zu aktivieren. Das aber ist sicherlich die vornehmste Aufgabe einer vorausschauenden und verantwortungsbewußten Regierung eines Landes, aber nicht die eines Kreises oder gar einer Stadt.

Aus der Sicht der Schule ist die Verstaatlichung nur zu be­grüßen; denn sie befreite sie von Sorgen und brachte ihr mancherlei Vorteile. Jetzt hing die Einrichtung von Plan­stellen im Kollegium nicht mehr von der jeweiligen Finanz-

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