das Evangelium stellen.
Auf dem Eckgrundstück 9. Straße/i5. Weg steht das Pfarrhaus mit seinem Außgengebäude, das hier zu jedem Haus dazugehört. Mit unserem Haus sind wir sehr zufrieden, nachdem wir uns an die landesüblichen Besonderheiten gewöhnt haben. Es ist ein Flachbau ohne Keller, und Boden. Dem Neuankömmling erscheint das unvorstellbar, bis er merkt, daß beides ja auch nicht gebraucht wird. Wofür einen Keller, wenn^man keine Heizung braucht und wegen der Hitze keine Kartoffeln einiagern kann. In Walvis Bay macht obendrein der hohe Grundwasserspiegel die Anlage eines Kellers unmöglich. Unsere Kinder sind dauernd dabei, im Garten Brunnen anzulegen. Nach 30 bis 50 cm kommt das Wasser. Ich habe immer Angst, es können sich mal ein abendliche Besucher ein Bein brechen. Auch ein Boden ist nicht nötig, da die Wäsche zu jeder Tageszeit im Freien in ^in bis zwei Stunden trocknet und große Wandschränke allen Krempel aufzunehmen fähig sind.
Angeblich haben wir das schönste Deutsch-Südwester Pfarrhaus. Zwar gibt es Größere, auch ist mit unserem Garten kein Staat zu machen. Die Herren im Inland haben herrliche Gärten, in denen Orangen-, Zitronen-, Mandarinen- und Guavenbäume das ganze Jahr über tragen. Doch mein Kirchenvorstand hat seinem Pfarrer das Haus mit viel Geschmack eingerichtet. An den Möbeln wurde nicht gespart. Das Wohnzimmer - 3,20 x 6,50 m - hat 3 Fenster von insgesamt 6,50 m Breite, sowie indirekte Beleuchtung (in den Gardinenkästen). Möbel südafrikanischer Herkunft und Teppich sind in den Farben braun, grau und rot gehalten. Zwei der drei Schlafzimmer haben eine bis zur Decke reichende Schrankwand. Darin läßt sich aber auch, alles unterbringen. Das Amtszimmer mit seinen
5 Fenstern bietet allen Platz, den ich brauche. W’emr der Schreiner in vielleicht zwei Jahren die Bücherwand endlich liefert, werde ich restlos zufrieden sein. Küche mit eingebauter Speisekammer, Bad und zwei Toiletten bilden den Rest der Räumlichkeiten. Kummer machen uns eigentlich nur die Wände. Dieses Haus ist in Wahrheit ein Bunker.
Selbst der Innenputz besteht aus solidem Be ton. Oder ist es reiner Zement? Das muß wohl so sein, nicht, um Walvis Bay mal in zähem Häuserkampf zu verteidigen, sollte die UNO anrücken (das wird die Küstenbatterie an der Spitze der Bucht mit ihren Kanönchen versuchen sollen), sondern um dem allesfressenden Walvisbayer Sand zu widerstehen. Dem fällt nämlich so gut wie alles zum Opfer. Die Mauer um den Pfarrgarten sieht streckenweise wie ein Gitter aus; Verputz und Backsteine iösen sich auf, und es bleiben nur die Zementfugen stehen. Erst gestern habe ich die völlig verrosteten Türscharnieren am Außengebäude erneuern müssen. Sie haben gerade etwas über ein Jahr gehalten. Alle 10 Monate braucht das Auto einen neuen Auspuff. Schuhe halten bestenfalls
6 Monate. Hannes, der so gerne barfuß läuft, hat tiefe Salzfraßrisse in den Füßen. Soll einem eines Tages nicht die Nachbarschaft durch die Löcher in den Wänden ins Schlafzimmer gucken, 3müssen die Häuser wohl mehr als solide gebaut werden, sofern man nicht mit‘(feinem Holzhaus zufrieden ist. Holz widersteht am besten. Nur kann es in einem Holzhäuschen unangenehm heiß werden. Ein "Zementhaus" ist da schon besser. Nur, wie hängt man die Bilder an die Wände? Nachdem ich bei der Einrichtung unserer Wohnung erst mal ungezählte Eisenriägel krumm, Stahlnägel kaputt und TO Ir den Daumen blaut geschlagen habe, tritt heute nur noch die Bohrmaschine in Aktion, wenn irgendwas an die Wand gehängt werden soll.
Im Garten steht das Außengebäude. Es vereinigt unter seinem Dach Garage, zwei Zimmer, Dusche und Toilette. Die Garage ist so geräumig, daß unsere drei großen Möbelkisten, in denen unser Umzugsgut verstaut war,
darin Platz gefunden haben, ohne das Auto zu verdrängen. Der Kirchenvorstand.hätte es ja wohl gern gesehen, wenn wir diese Kisten zu Kleinholz gehackt und somit alle Hoffnung auf die Rückkehr nach Deutschland aufgegeben hätten. Doch davon steht nichts in meinem Vertrag, und es seiht immer noch so aus, als würden wir die Kisten mal wieder gebrauchen können.
Die beiden Räume im Außengebäude ^benutzen wir als Fremdenzimmer. Es kommt oft Besuch- Freunde und Bekannte aus dem Inland, die in den kühlen Nächten am Meer mal wieder richtig schlafen möchten, im Hafen den Duft der großen weiten Welt schnuppern und ein paar Tage Ferien am Strand machen wollen. Auch gelegentliche Besucher aus Übersee werden im Außengebäude untergebracht, wo sie den Familienbetrieb nicht stören können. Jeder darf so lange bieiBen wie fer Lust hat, und dann noch? möglichst einen Tag länger. Wir haben uns bereits von der sprichwörtlichen, berühmten und wahrhaft überwältigenden Südwester Gastfreundschaft anstecken lassen. Zwar haben die Färmer heute ein Auto und Radio, bekommen auch Tageszeitungen, die sofern es hiesige sind, nur ein bis zwei Tage alt sind. Dennoch freut man sich über jeden Fremden, der einem'von der Weit "da draußen" erzählen kann und läßt ihn nur ungern weiterziehen. Die Städter haben sich, in dieser Hinsicht jedenfalls, nicht geändert. Man hat ja auch Zeit. Fernsehen gibt es nicht. Vom schlechten Radioempfang bekommt man Kopfschmerzen, also stellt man es schon gar nicht an, una schwätzt lieber beim traditionellen Sundowner (Whisky- Soda oder Bier), der sich bis in die Nach hineinziehen kann, ausgiebig und endlos. Ein Feldbett ist vorhanden, rgeist haben die Gäste auch gleich ihre eigenen Luftmatratzen dabei, "also bleibt mal hier. Schlafen könnt ihr im Außengebäude, im Wohnzimmer oder auf der Veranda".
Und das gilt selbstverständlich und erst recht für Leute, die bloß mit einer Empfehlling, von dritter Seite ankommen. Viel Umstände machen wir mit unseren Gästen nicht. Doch ohne die Herrlichkeiten unserer neuen Heimat gesehen zu haben, kommt keiner davon.
Natürlich sind wir wie alle Walfischbuchter stolz auf die Flamingos in der Lagune, auf die tosende Brandung und die angeschwemmten Robben, auf die höchsten Dünen der Weit, die Geschäftigkeit des Hafens und die Freiheit in der IlWüste. Ganz so trostlos und gottverlassen, wie alle inländer behaupten,, ist unser Walvis Bay nun doch nicht.
Wir jedenfalls waren nach 4 Wochen Urlaub im Januar am Kap, und zwar an der Gardenroute bei George, dem angeblich schönsten Teil Südafrikas, froh, wieder "zu Hause" zu sein. Damit wäre denn klar, mit welchen Gefühlen wir in unser 2. Walfischbuchter Jahr gehen.
Wir grüßen recht herzlich
Ihr P. Debus
AKTUELL+AKTUELL+AKTUELL+AKTUELL
Sittenwidrige Kaufverträge
Die Ausnützung der geschäftlichen Unerfahrenheit älterer Leute durch geschäftstüchtige Vertreter hat jetzt ein Ende. Nach einem Urteil des Oberiandesgerichts Düsseldorf sind Kaufverträge, in denen Käufer zu Verpflichtungen bewogen werden, die ihre Vlrtscliaftlichen Verhältnisse übersteigen, sittenwidrig und damit nichtig. Die gekaufte Ware muß vom Hersteller zurückgenommen, dem Käufer das bereits gezahlte Geld zurückerstattet werden.
Der vom OLG Düsseldorf für nichtig erklärte Kaufvertrag einer Waschmaschinenfirma, die meist mit älteren Leuten abschioß, enthielt die Klausel, daß bei Rücktritt vom Vertrag ein Schadenersatz von 35 Prozent der Kaufsumme an den Fabrikanten gezahlt werden mußte. Wer von seiner Ratenzahlung ins Stocken geriet, war geprellt.
(OLG Düsseldorf - 6 U 298/64).
- 62 -

