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Die Ausgabe der Gewinne erfolgt gemäß den auf dem Lotterieschein aufgedruckten Bedingungen.
ENDE DES AMTLICHEN TEILES
Rundbrief Nr. 4
Walvisbaai, den 15. Februar 1967
Ein Jahr nach der Abreise von Montabaur
IHR LIEBEN IN DER HEIMAT
Walvis Bay - die Stadt der Kirchen! Das ist ein Kapitel für sich. Man könnte es auch überschreiben: "Wer zählt die Völker, nennt die Namen?" Jede Volks- und Sprach- gruppe hat ihr Bekenntnis mit in die hektisch wachsende Stadt gebracht. Keine Sekte, deren Anhänger sichinicht in unserer Hafenstadt niedergelassen hätten. In jedem Straßenzug steht mindestens eine Kirche; groß oder klein, unscheinbar oder protzig, mit oder ohne Turm. Wer vom Hafen in die Stadt kommt, muß am "Flying angei", in der anglikanischen Seemannsmission vorbei. Das derzeit letzte Gebäude landeinwärts ist die "kerk op die duine" - die Kirche buchstäblich auf den Dünen, wo eine ebenso nationalistische wie schwärmerische Afrikaaner- sekte die spärliche Nachbarschaft durch ihre ekstatischen Schreie beim Gottesdienst erschreckt. Nachts leuchtet das große Kreuz (Glasbausteine, innen Neonlicht) auf dem hohen Turm der röm. -kaht. Kirche im dunklen Himmel über Walvis Bay. Tagsüber läutet es immer irgendwo, ob mit vollem Geläut oder nur mit kleinem Schiffs- g'löckchen.
Mindestens 13 Bekennmisse und kirchliche Gemeinschaften kann ich auf Anhieb aufzähien. Wieviele es genau sind, weiß wohl nur Gott allein. Das Erstaunlichste jedoch ist, daß sie alle, alle leben, bauen, Priester, Pastoren oder Predikanten haben und unterhalten - ohne mit Hilfe des Staates eingetriebener Kirchensteuer. Jede Gemeinde gründet sich nur auf ihre freiwilligen Mitglieder und deren Beiträge. Eine Ausnahme machen da wohl nur die Anglikaner
mit*amerikanischem Reverend und amerikanischen Geldern, sowie die Lutheraner mit deutschem Pfarrer und Zuschüssen des Kirchlichen Außenamtes der EKD. Die stattliche kath. Kirche ist allerdings wohl auch nifcht nur von Mitglieds - beiträgen gebaut worden.
Die größte Gemeinde, den stärksten Gottesdienstbesuch und den dicksten Wagen hat natürlich der Dominee. Das entspricht dem al'lesbehErrsch enden Einfluß der Nederduitse Gereformeerde Kerk - n.g. kerk oder auch nur "die kerk” genannt - auf allen Gebieten des von Weißen geherrschten Südafrikas. Die Mehrzahl der Buren, auch in Walvis Bay bei weitem die stärkste Volksgruppe, gehört zur n.g. kerk. Wie ihre holländischen, niederdeutschen und französischen Vorväter, die als Siedler im Dienst der Ostindischen Kompanie, als verkaufte Söldner deutschen Fürsten oder als Glaubensflüchtlinge aus dem Frankreich des Sonnen- könig-^m Kap der Guten Hoffnung landeten, sind die zum Volk atr Afrikaner gewordenen Nachfahren eifrig-eiserne Calvinisten. Der Sonntag wird streng geheiligt und gehört immer noch mehr der Bibellektüre als dem Sport. Wenn in Südwest Sportveranstaltungen am Tag des Herrn nicht verboten sind, wie das in der Republik von Südafrika der Fall ist, sor sind nur die 20 % Deutschen im Lande daran schuld. Auf sie muß man Rücksicht nehmen. Ihr, vor ein paar Jahren von einigen Münchnern importierter Karneval, der aus klimatischen Gründen um Pfingsten herum gefeiert wird, ist den Dominees ebenfalls ein gewaltiger Stein des Anstoßes. Seit ich, kurz nach meiner Ankunft, gegen einen Maskenball des Deutschen Fußballclubs in der Karwoche Einspruch erhob, bin ich der erklärte Freund meines reformierten Amtsbruders. Dabei .störte mich nur der Zeitpunkt des Mummenschanzes.
Die 3 n.g. Kirchen der Stadt sind immer voll. Die Kirchenzucht wird streng gehandhabt und man besinnt sich sehr schnell, wenn einem der Dominee den Ausschluß vom Abendmahl androht. Da sie den Zehnten fordert, kennt der Kerk keine Geldsorgen. Noch ist der Afrikaaner, ob Farmer oder Stäatspräsidenta ein tiefgläubiger Mann-, allerdings mit einem gehörigen Schuß Bauemschläue. Boer heißt ja auch Bauer, und bis in unsere Zeit ist das Volk der Buren ein Bauernvolk gewesen. Kein Wunder, daß es sich (mancher behauptet: dickschädfelig) erbittert gegen den Ansturm der modernen Industriegesellschaft und ihres Lebensstiles wehrt. Noch haben unsere 3 Dominees ihre 3 Gemeinden fest in der Hand. Noch bleibt das Schwimmbad am Sonntag geschlossen. Noch gibt es inc Südafrika kein FErnsehen, weil auch die Kerk dagegen ist. Der Ministerpräsident hat einen Bruder, der ein hohes Kirchenamtbekleidet. Der Staatspräsident ist deutscher Missionarsenkei und Sohn eines n.g. Pfarrers. Noch sind Staat und Kirche praktisch eins, trotz aller theoretischen Trennung.
Die Eigenwilligkeit der Buren, durch ihre'Geschichte wie den schier endlosen Raum des südlichen Afrikas in gleicher Weise geprägt, blieb auch im Bereich des Gltaubeds nicht ohne Folgen. Als die Briten nach Übernahme der Kap- kolonie 1814 eine straffe Ordnung und Besteuerung einführten, begaben sich ungezählte freiheitsgewohnte Buren auf den großen Trek, um nordwärts das gelobte Land zu suchen.
Wie Abraham mit Weib, Kindern, Gesinde und großen Herden auf der Wanderschaft, fanden sie sich im Alten Testament wieder. Alttestamentarisch-gesetzlich ist darum auch ihre Frömmigkeit bis zum heutigen Tage. Spitze Zungen behaupten sogar, die südafrikanische Post habe bis heute noch nicht das Neue Testament seinen Empfängern zugestellt. Jedenfalls war mancher schnell bei der Hand, die Erfordernisse und Veränderungen der sich wandelnden Welt als nicht mit den Geboten Gottes vereinbar abzutun und einer Xirche, die sich nicht mehr an die Sitten und Gebräuche der Väter hielt, die Gefolgschaft aufzukündigen. So kam es zu zahiosen Absplitterungen von der n.g. kerk.
Und sei es nur, weil man die neumodische Erfindung der Hosenknöpfe für Teufelswerk hielt. Am auffälligsten sind
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