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Das Kunstwerk des Monats
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Der
Erfinder
der
Buchdrucker
kunst
Ohne die Erfindung des Johannes Gensfleiscn zu Gutenberg ist unsere moderne Zivilisation, sind alle Errungenschaften, die dem modernen Menschen selbstverständlich erscheinen, undenkbar. Was bedeutete eine Entdeckung,
Erfindung, wenn ihr durch das millionenfach gedruckte, vervielfältigte Wort nicht Verbreitung,
Echo, Erfolg und Kritik beschieden wären? Mit der Entwicklung des Buchdrucks mit Hilfe beweglicher Lettern beginnt daher die Neuzeit. Gutenbergs Erfindung war der Gongschlag zum Start einer neuen Epoche der Menschheitsgeschichte.
Der Mainzer Patrizier-' sohn, der verschuldet, vereinsamt und wahrscheinlich auch blind 1468, etwa 70 oder 75 Jahre alt,starb, ist uns in keinem zeitgenössischen Porträt gegenwärtig. In Andre The- vets 1584 in Paris erschienenen Buch „Vies et por- traits des hommes illus- tres" findet sich der hier abgebildete Kupferstich eines nicht genannten Meisters, auf den die Mehrzahl der späteren Gutenberg - Darstellungen zurückgeht. Sauber und
akkurat versucht der sicher nicht geniale Illustrator das, was er über diesen Gutenberg weiß, Gestalt werden zu lassen. Da sind kostbare Kleider, pelzverbrämt, ein gut geschnittenes Gesicht mit gepflegtem Bart - das paßt zu dem Patrizier Gensfleisch aus Mainz, dem Besitzer des Anwesens „zum Gutenberg", der nach hartem Streit zwischen Patriziern und Zünften die Heimatstadt verläßt und sich in Straßburg als Gast in die Liste der Patrizier und die der Zunft der Goldschmiede eintragen läßt. Auch der kluge, harte Blick gehört zum Wesen des Mannes, den Aufzeichnungen und Zeugenbekundungen als gastfrei, trinkfreudig, auf seinen Gewinn bedacht und nüchtern denkend bezeich-
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Johannes Gutenberg
Kupferstich eines unbekannten Meisters (um 1584)
nen. Wenig geglückt erscheint die Pose der Hände, welche auf die geschichtliche Bedeutung des Porträtierten zielt: Hier fordert ein gewichtiger Mann unter Hinweis auf das Objekt seiner Erfindung Achtung und Aufmerksamkeit seiner Zeitgenossen und der Nachwelt. 120 Jahre nach Gutenbergs Tod entstand dieser Kupferstich. Überlieferung, Phantasie und Wunsch haben das Bild eines Mannes geformt, der, von seinem Teilhaber wirtschaftlich ruiniert, doch den triumphalen Start seiner Erfindung miterleben durfte. Der Blick in sein Antlitz bleibt der Nachwelt verwehrt, sein Werk indessen bereitete ein neues Zeitalter vor.
Dr. U. B.

