Ausgabe 
3.2.1967
 
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Das Kunstwerk des Monats

* I

Der

Erfinder

der

Buchdrucker­

kunst

Ohne die Erfindung des Johannes Gensfleiscn zu Gutenberg ist unsere mo­derne Zivilisation, sind alle Errungenschaften, die dem modernen Menschen selbstverständlich erschei­nen, undenkbar. Was be­deutete eine Entdeckung,

Erfindung, wenn ihr durch das millionenfach ge­druckte, vervielfältigte Wort nicht Verbreitung,

Echo, Erfolg und Kritik beschieden wären? Mit der Entwicklung des Buch­drucks mit Hilfe beweg­licher Lettern beginnt da­her die Neuzeit. Guten­bergs Erfindung war der Gongschlag zum Start einer neuen Epoche der Menschheitsgeschichte.

Der Mainzer Patrizier-' sohn, der verschuldet, ver­einsamt und wahrschein­lich auch blind 1468, etwa 70 oder 75 Jahre alt,starb, ist uns in keinem zeit­genössischen Porträt ge­genwärtig. In Andre The- vets 1584 in Paris erschie­nenen BuchVies et por- traits des hommes illus- tres" findet sich der hier abgebildete Kupferstich eines nicht genannten Meisters, auf den die Mehrzahl der späteren Gutenberg - Darstellungen zurückgeht. Sauber und

akkurat versucht der sicher nicht geniale Illustrator das, was er über diesen Gutenberg weiß, Gestalt werden zu lassen. Da sind kostbare Kleider, pelzverbrämt, ein gut geschnit­tenes Gesicht mit gepflegtem Bart - das paßt zu dem Patrizier Gensfleisch aus Mainz, dem Besitzer des An­wesenszum Gutenberg", der nach hartem Streit zwischen Patriziern und Zünften die Heimatstadt verläßt und sich in Straßburg als Gast in die Liste der Patrizier und die der Zunft der Goldschmiede eintragen läßt. Auch der kluge, harte Blick gehört zum Wesen des Mannes, den Aufzeich­nungen und Zeugenbekundungen als gastfrei, trinkfreudig, auf seinen Gewinn bedacht und nüchtern denkend bezeich-

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Johannes Gutenberg

Kupferstich eines unbekannten Meisters (um 1584)

nen. Wenig geglückt erscheint die Pose der Hände, welche auf die geschichtliche Bedeutung des Porträtierten zielt: Hier fordert ein gewichtiger Mann unter Hinweis auf das Objekt seiner Erfindung Achtung und Aufmerksamkeit sei­ner Zeitgenossen und der Nachwelt. 120 Jahre nach Guten­bergs Tod entstand dieser Kupferstich. Überlieferung, Phantasie und Wunsch haben das Bild eines Mannes ge­formt, der, von seinem Teilhaber wirtschaftlich ruiniert, doch den triumphalen Start seiner Erfindung miterleben durfte. Der Blick in sein Antlitz bleibt der Nachwelt ver­wehrt, sein Werk indessen bereitete ein neues Zeitalter vor.

Dr. U. B.