Ausgabe 
28.10.1966
 
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Stil, sein Pathos sei leer, sein Idealismus sei nicht mehr ver­bindlich für eine Zeit, in der die mißbrauchten Begriffe "Idee", "Ideal" verdächtig geworden waren 0 Doch das Meinungspendel, an der Grenze der verschiedenar­tigsten Ablehnung angelangt, ist im Begriffe, Wieder zu­rückzuschlagen in die Richtung eines allgemeineren Verständ­nisses der Schillerschen Eigenartigkeit und Größe.

Es wäre auch absurd, wenn gerade jener Dichter unserer Zeit nichts zu sagen haben sollte, der wie kein anderer den Be­griff Freiheit geprägt und vorgelebt hat, einmal als leiden­schaftliches Engagement gegen staatliche Tyrannei, und weiter als Postulat, gegen die selbstverschuldete innere Un­freiheit - Bequemlichkeit, Konventionen, kommerzielles Denken - zu Felde zu ziehen.

Schiller ist so aktuell wie zu seiner Zeit. Auch sein Pathos wird wieder begriffen als die Kunstform, die die Handlung und die übergeordnete Idee gegenseitig motiviert, die das manch­mal unpsychologische Verhalten seiner Personen glaubhaft, die Schwarzweißmalerei der Charaktere seiner frühen Stücke legitim werden läßt. Erst durch den muskalisch-rhythmischen Schwung seiner Sprache ist die szenische Wirkung vollkom­men.

Zwischen den Jugenddramen "Die Räuber", "Friesko", "Kabale und Liebe" und den sogenannten klassischen Dramen steht "Don Carlos".

Noch im Stil seiner Jugenddramen konzipiert als Kampfruf gegen die^Mächte der Tyrannei, die durch das bewegende 'Schicksal Don Carlos bloßgestellt werden sollten, entwickelt sich der Stoff im Laufe der Jahre von der etwas subjektiven, privaten Anschauung durch Einführung der Figur des Marquis von Posa zu höherem objektiven Interesse.

Posa tritt auf als Verkünder des umfassenden Ideals der Gei­stesfreiheit und einer, die Einzelnen und die Nationen ver­bindenden Humanität, also eines Ideals, das auch heute noch auf seine Verwirklichung harrt. Darum ist dieses Werk so aktuell wie zu seiner Entstehung.

Die Rolle des Don Carlos wird Stephan LarnS> spielen, der Posa wird von Hermann Burck gegeben. Ihnen wird als der Gegenspieler als Philipp Intendant Conrad Dahlke entgegen­treten, der auch die Regie übernommen hat.

In weiteren wichtigen Rollen sehen Sie Carola von Manteuffel als Gemahlin des Königs, Ellen Rathsack als Prinzessin Eboli, Wilhelm Dieten als Großinquisitor und Arthur Kermes als Herzog Alba.

Kartenvorverkauf; Städt. Verkehrsamt, Rathaus, Zimmer 8, (vorl. Zugang durch Zimmer 5/6)

Volkshochschule Montabaur

Der Sprachkursus "Französisch für Fortgeschrittene" beginnt nicht wie angekündigt am Donnerstag, dem 3. November 1966, sondern am Donnerstag, dem 10. November 1966,

20.00 Uhr in der Volksschule.

Das Kaiser-Wilhelms-Gymnasium

Fortsetzung aus Nr. 43

Auch der höchste jemals erreichte Stand der Schülerzahl fiel unter Thamm, nämlich im Sommer 1912; 300 Schüler; allerdings fiel die Zahl gleich im Winter wieder auf 285, und auch bei dieser Zahl muß man sich fragen, wie es mög­lich war, solche Schülermassen in den engen Klassenräumen unterzubringen.

Zu Beginn des Jahres 1913 übernahm Direktor Dr. Thamm die Leitung des staatlichen Gymnasiums in Wiesbaden. In Montabaur führte Prof. Dr. Marx 1/4 Jahr lang die Vertre­tung des Direktors; Ostern 1913 kam als neuer Direktor der bisherige Oberlehrer Prof. Dr. Jöris vom Gymnasium in Limburg.

Unter Direktor Jöris fiel das letzte der frohen Erinnerungsfeste, nämlich im Juli 1914 die Feier des 50-jährigen Dienstjubi­läums des Gründers der Anstalt Oberregierungsrat Dr. Pähler. Eine Bronzetafel mit seinem Bild und Namen ziert seitdem die Außenseite des Gebäudes. Der rückschauende Beurteiler

hat den Eindruck, daß von 1900 an etwas viel Feste gefeiert wurden; sie schienen alle auf den Ton gestimmt:

"Wie herrlich weit wir es gebracht!"

In der Tat, die höchste Blüte der Anstalt war erreicht; Unter­nehmungsfreudige Direktoren, tüchtige, zum Teil hervor­ragende Lehrer, eine zahlreiche Schülerschaft, teils im Konvikt gut untergebracht, teils von Bürgern sorglich ge­pflegt, für die sie eine nicht zu verachtende Einnahmequelle bildete, eng umhegt durch eine bis ins kleirlste ausgearbei­tete Schul- und Hausordnung, södaß sie kaum anders konnten als lernen, gelegentlich aber doch mit besonderer Freude al­len eingehenden Gesetzen ein Schnippchen schlugen - ob­wohl sogar die Durstbestätigung der Jugend durch wöchentliche zwei planmäßige Trinkstunden der Oberklassen unter nach­sichtiger "Bieraufsicht" der Lehrer geregelt war - die Unter­haltungskosten der Anstalt durch einen beneidenswert hohen Staatszuschuß für die Stadt wesentlich erleichtert, die Schu­le wie ein Augapfel behütet durch ihren ersten Direktor Dr. Pähler, dem Präsidenten des Provinzialschulkollegiums in Kassel; Nach menschlichem Ermessen war der Bestand der An­stalt auf unabsehbare Zeit hinaus wirklich gesichert "fest wie der Erde Grund." Da kam die Wendung.

C. Krieg und Nachkriegszeit.

Der Weltkrieg bedeutete für die Schule zunächst eine schwEäes' Probe auf ihre Leistungsfähigkeit, auf die geistigsittliche Aus­bildung, auf die vaterländische Gesinnung und auch auf die körperliche Tüchtigkeit, die sie bei ihren Zöglingen erzielt hatte. Schule und Schüler haben die Probe wohl bestanden.

Eine Fülle neuer Aufgaben trat zu den alten Aufgaben der Schule hinzu und wurde bewältigt, auch empfindliche Ein­griffe in den geregelten Betrieb waren zu verwinden. Wohl kamen dabei die Anforderungen der Lehrpläne nicht immer ganz zu ihrem Rechte, aber dieser Ausfall fand reichlichen Ersatz durch die Erfüllung der Jugend mit neuen hohen Zielen , und durch Übung des Tatwillens in der Mitwirkung an den Auf­gaben des ganzen Volkes. Da kamen Einberufungen von Leh­rern und Schülern, Notprüfungen, Entlassungsfeiern, Einsprin­gen von Ersatzkräften, z. T. ohne entsprechende Vorbildung, Einführung der "Sommerzeit", Übungen der Jugendwehr, Sieges­feiern, Eintritt von Kriegs-Gastschülern, Forderungen der Kriegsanleihen, U-Boot-Spende, Kolonial-Spende, Buchen­knospen, Laubheu, Hilfe bei Feldarbeiten im Frühjahr und Herbst, Verlegung der Ferien, Kohlenferien, Beschlagnahme der Turnhalle durch ein Land sturm bataillon, Zusammen- drängung des Unterrichts, Briefe aus Kaserne und Feld, Trau­erbotschaften. Von den Lehrern waren Oberlehrer Gut und wissensch, Hilfslehrer Dr. Krön während des ganzen Krieges im Heerdienst, Oberlehrer Jäger, Professor Ebert und Zeichen­lehrer Bormes einige Monate lang. Von ihren Schülern stellte die Schule 150 Kriegsteilnehmer. 29 davon haben ihre Treue zu Kaiser und Reich, Volk und Vaterland mit dem Tode besiegelt. Eine Ehrentafel im Schulsaal kündet ihre .. Namen,

Mitten in der Kriegszeit, nämlich Ostern 1916 trat ein neuer Wechsel in der Anstaltsleitung ein; Direktor Dr. Jöris kehrte an sein Limburger Gymnasium als Direktor zurück. Sein Nachfolger in Montabaur wurde der bisherige Direktor des Kgl. Progymnasiums Tremessen in Provinz Posen, R. Holtz; er leitet auch heute noch das Montabaurer Gymnasium.

Kurz vor diesem Wechsel der Direktoren zeigte ein grober nächtlicher Unfug mehrerer Schüler, die nach ausgiebigem ' Trinkgelage sogar drei Lehrern der Anstalt die Fensterschei­ben einwarfen, daß in der allgemeinen Spannung und Unruhe die Jugend mit ihrem Tatendrang nicht immer die richtigen Bahnen innehielt.

Fortsetzung folgt!

Kneippverein Montabaur

Besser essen, länger leben

Das war das Leitmotiv des 4-tägigen Kochlehrgangs, den der Kneippverein Montabaur im Rahmen der Volkshochschule am

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