Ausgabe 
2.9.1966
 
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C. Vorgesehener Erwerb weiterer Flächen (2. Friedhofserweiterung)

1. in städtischem Eigentum 0,6466 ha

2. in fremdem Eigentum 0,3905 ha

Zieht man diese Friedhofsflächen zusammen, so ergibt sich laut Flächennutzungsplan die Möglichkeit, 4,8404 ha. Friedhofsgelände anzulegen.

Ob die Stadt Montabaur damit auf Jahrzehnte hinaus ihre Sorgen im Bestattungswesen beheben kann, wird die Zu­kunft zeigen.

Eine Übersicht über die Anzahl der Grabstätten auf dem alten Friedhof ergibt folgendes Bild:

In den 28 Grabblocks des alten Friedhofs und 2 neu ange­legten und bereits in Anspruch genommenen Grabblocks der kleinen Friedhofserweiterung sind insgesamt 1.179 Reihen­grabstätten und 1. 357 Wahlgrabstätten belegt. Auf dem alten Friedhof sind als insgesamt 2. 536 Gräber angelegt.

Die sieben Grabblocks des Erweiterungsteils (1. Friedhofs­erweiterung) können 659 Reihengrabstätten und 401 Wahl­grabstätten aufnehmen.

Erweiterungsbau der Volksschule

Fortsetzung aus Nr. 35/66

Die Schule unserer Zeit, die neue Schule, ist in eine gewan­delte Welt mit neuen Aufgaben gestellt. Naturwissenschaft und Technik haben umfassend und tief das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben geändert. In der vorherge­gangenen Zeit gab es stabile Verhältnisse. Damals sind wir zum guten Teil von traditionellen Ordnungen getragen worden, von Familie, Nachbarschaft, Beruf, Gemeinde und Kirche. Diese haben unser Leben bestimmt, haben unseren Entschlüssen und unserem Tun die Richtung gegeben. Heute aber ist alles in Fluß. Vieles von dem, was vordem durch Sitte und Brauch, durch die Gesellschaftsordnung und die bil­denden Einflüsse der Kirche uns nahe gelegt und verpflich­tend war, ist dahin geschwunden. So bildet sich immer augenfälliger ein neuer Menschentyp heraus: der Mensch, der weder den Willen hat, noch sich die Zeit nimmt und also verlernt hat, in die Tiefe seines Wesens zu schauen, sich selbst zu erkennen und aus den verborgenen Kräften seiner Seele zu leben - der sich vielmehr gedanklich nur an der Oberfläche bewegt und sich in Äußerlichkeiten ver­liert, dem letztlich Geld und Genuß das Alpha und Omega des Lebens sind. Dieser verderbliche Sog unserer Zeit hat auch schon unsere Kinder erfaßt. Die Umwelt, das Fern­sehen, der Rundfunk und die Illustrierten, zersetzen die kindliche Naivität und verursachen eine Frühreife. Viele Kinder sind übersättigt von knalligen Reizen und fadem Wis­sen, können sich schlecht konzentrieren, sind oberflächlich und zerstreut;, haben oft nur wenig Sinn und Lust zu ernst­hafter Arbeit und gewissenhafter Pflichterfüllung.

Das macht dem Erzieher und Lehrer das Leben schwer.

Nach wie vor sieht er sich zwei Aufgaben gegenüber ge­stellt. Einmal soll er mit seinem lehrenden Wort und sei­nem technischen Können den Kindern die für das spätere Leben nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln; zum anderen - gleich wichtig, aber wesentlicher - soll er sie erziehen und bilden. Hinsichtlich der ersten Aufgaben ist in allen Kreisen Übereinstimmung gegeben; hinsichtlich der zweiten, der Erziehungs- und Bildkingsaufgabe, aber sind die Meinungen geteilt. Der Erziehungsauftrag wird oft bestritten, ja, es ist geradezu zu einem Wagnis ge­worden, den Erziehungsauftrag der Schule betont heraus­zustellen. Im Bannkreis der Technik gibt es nicht mehr eine Bildung im alten, strengen Sinn des Wortes. Der Technik ist die Hinaufführung des Menschen in das Sinn­gefüge der Welt und des christlichen Lebens eine überleb­te, abgetane Sache. Ihr gilt nur das Zweckhafte, was meß- und wägbar, was materiell nützlich ist.

Ich frage dem gegenüber; Wie sollen wir der von uns ge­schaffenen Technik gewachsen sein, daß wir ihr nicht ver­sklaven - wie sollen wir in dieser zweiten industriellen Re­

volution unsere menschengemäße Gestalt gewinnen und unsere Menschenwürde behaupten - wie sollen wir den Kampf ums Dasein bestehen, wenn nur der Kopf mit Wissen ge­füllt, aber die Herzensbildung versäumt ist? Wie soll der Mensch auch unserer Zeit zu einem beglückten und sinn­erfüllten Leben kommen, wenn er nicht schon im Kindes­älter fähig und bereit gemacht wird, in allen Lagen des Lebens, in Beruf und Gesellschaft, in Liebe und Familie, in der Begegnung mit dem Mitmenschen, in der Auseinan­dersetzung mit sich selber, immer und überall Gott als letz­te Instanz über sich zu sehen, sich von ihm unaufhörlich? *an- gesprochen und unausweichlich angefordert zu wissen?

Papst Pius, XI hat 1929 in seinem "Rundschreiben über die christliche Erziehung die Aufgabe der Schule so umschrie­ben; "Die christliche Erziehung umfaßt den ganzen Bereich des menschlichen Lebens, des sinnlichen und übersinn­lichen, des geistigen und sittlichen, des Lebens des einzel­nen, der Familie und der Gemeinschaft, nicht, um es ir­gendwie einzuengen, sondern um es zu erheben, zu ordnen und zu vervollkommnen nach dem Beispiel und der Lehre Christi".

Da müssen Erzieher und Erzieherin natürlich mit der Zeit gehen, müssen immer in dem Hier und Jetzt stehen. In all ihrem Tun müssen sie eine Synthese des unwandelbar ewig Gültigen und des wandelbaren zeitlich Gegebenen schauen und erstreben. Das setzt eigenes, umfassendes Wissen, ein durchgeistigtes Können, ein starkes opferbereites Wol­len und ein pädagogisches Spitzengefühl voraus. In der Erziehungslehre gibt es keine starren Normen. Sie ist kein Katechismus der Erziehungsregeln, sondern geladen mit Dynamik.

Darum muß der gewissenhafte Lehrer immerzu den Erzie­hungsauftrag und die Erziehungsmittel, wie auch die An- sprechbarkeit und Bildsamkeit der Kinder neu überprüfen.

Das ist eine verantwortungsschwere Aufgabe, eine heilige Last des Gewissens, die nur bei einer vollen Hingabe an den Beruf bewältigt werden kann.

Mein verstorbener väterlicher Freund, der als Volkspäda­goge und Volksschriftsteller weithin bekannte Dr. Anton Heinen, hat die Arbeit des Lehrers so gesehen; "Gott hat uns die Erde zugewiesen, sie zu bebauen und zu beherr­schen. Unser Geist ist ein Abglanz des Gottesgeistes. Wir haben die Aufgabe und die Pflicht, ihn zu entwickeln und so die Welt auch geistig in unsere Herrschaft zu bringen.

Dazu muß das Kind den Zeitbedürfnissen und seinen An­lagen entsprechend erzogen werden. Wir haben kein Recht, gottgegebene Kräfte unentwickelt liegen zu lassen. Vor allem der religiöse Gedanke, das Bewußtsein, daß jeder eine große, gottgegebene Lebensaufgabe zu erfüllen hat, muß geweckt und gepflegt werden. Dieser Gedanke muß die Kindesseele beherrschen und ihr Sporn zur Gewissenhaftig­keit, zur Wahrhaftigkeit, zur Schaffensfreude und zur Ein­ordnung in die Disziplin von Schule, Elternhaus und Ge­meinschaft werden. "

Das.ist der Geist, der in diesem Hause walten möge - das ist der Sinn der in ihm zu leistenden Arbeit. Ich weiß, daß die Lehrerinnen und Lehrer unserer Joseph Kehrein Schule mit heißem Herzen bemüht sind, ihren Kindern die Fülle und den Sinn des Lebens aufzuschließen. Sie wollen in ihnen das Bewußtsein der Gotteskindschaft wecken und sie zur klaren Einsicht führen, daß sie sich selber zu verwirklichen haben durch sittliches Tun, durch ein Tun aus Ehre und Gewissen, aus Treue gegen das letzte* und schöpferische Geheimnis allen Lebens - gegen Gott. So wollen und werden unsere Lehrerin­nen und Lehrer ihrer Stadt den Dank bezeigen für dieses neue prächtige Schulgebäude, indem sie es zu einer Pflegestätte echter Gemeinschaft, zu einer "Wunderstätte wahrer Men­schenbildung" machen.

Menschen, die viel sein wollen, sind nicht viel. Recht haben ist nicht so wichtig wie recht tun. Ruhe ist eine gute Vorbereitung auf eine Tat.

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