niemand. Im Bad dagegen stören sie nicht. Da sie nicht beißen, sind sie vielmehr sehr willkommen als Bemannung für die Badenwannenflotte.
Das alles heißt natürlich nicht, daß unser Haus ein einziges Ameisennest ist. Jetzt im Winter, findet man nicht eine Ameise. Es ist nur so, daß man bei diesem ruhigen Leben ohne Aufregungen und Ablenkung einen Blick für die kleinen Dinge bekommt.
Einen kleinen Löwen, wie versprochen, hat unser Hänschen noch nicht gefangen. Langsam beginne ich jedoch, ihm selbst das zuzutrauen. Er packt alles an. Vorige Woche brachte er eine Maus mit ins Haus, die er dann ausgerechnet in meinem Amtszimmer loslassen mußte. Zwei Tage lang spürte ich ihr nach und fürchtete um meine Akten, bis ich sie endlich erwischte und an die freie Luft setzen konnte.
Ja, die Mäuse! Ihnen scheint das Klima ausgezeichnet zu bekommen. In Hühnergegenden und Vogelvolieren kann man sie ganz ungeniert herumklettern sehen. Im Augenblick, da ich dies in stiller Abendstunde schreiben, huschen sie zwischen Flachdach und Zimmerdecke über mich weg. Schon eine feine Sache, mal so ruhig zu wohnen, daß man selbst die Mäuse rascheln hören kann.
Und nun zu den neben 2.600 Autos wahren Beherrschern der Straßen von Walvis Bax, den Hunden. Hunde - dieses Phänomen zu schildern überstürzen sich die Gedanken. Hundesteuer gibt es nicht. Die Eingeborenen haben Hunde, die Weißen haben Hunde, und wer verzieht, der läßt sein Vieh einfach beim Haus zurück als lebendes Inventar. Zu jedem Haus gehört wenigstens ein Hund. Herrenlose Hunde streunen in ganzen Rudeln durch die Straßen und um die Randbezirke der Stadt. Ihr Hauptsport ist, plötzlich aus einem Hoftor zu rasen und mit Geheul einem vor's Auto zu springen. Zuerst habe ich jedesmal voll Schrecken gestoppt, um Frauchens Liebling nur ja nicht zu überfahren. Inzwischen habe ich erfahren, daß ich bei plötzlichem Stoppen der Schuldige bin, sollte es zu einem Auffahrunfall kommen, und daß meine freudig begrüßte Versicherungssumme von DM 70, - nur Personenschäden deckt. Also feste druff auf die Töle!
Unnötig zu sagen, daß es hier Hunde gibt, bei deren Anblick es einem schlecht werden kann. Dackel mit Pudelfell, Schäferhund mit Boxerschnauze, Terrierleib und Spitzkopf, es ist einfach unbeschreiblich. Wenn ich meine Gemeindeglieder besuche und völlig unerwartet vor verschlossener Tür stehe, weil die Leute doch zu Hause sein müssen, dann weiß ich sofort; "Aha, hier haben sie eine läufige Hündin und legen Wert auf Rasse".
Um das rein unerschöpfliche Thema "Hund" abzuschließen, möchte ich nur noch eine kleine Begebenheit erzählen. Unsre Marktfrau wollte Beni eine kleine Katze schenken. Ich; Nein, wir haben doch schon fünf Kinder. Sie; Na und. ich habe 4 Kinder, 3 Hunde und 2 Katzen.
Dennoch haben wir, von Hänschens gelegentlichen Fängen abgesehen, immer noch kein Haustier.
Vor Jahren soll die Stadtverwaltung folgendes Verbot erlassen haben; Wer sich unter einen Baum setzt, zahlt 10 Rand Strafe. Das ist natürlich ein Witz, denn in ganz Walvis Bay gibt es kein Gewächs, das den Namen "Baum" verdient.
Die armen Hunde! Zu ihrer Erleichterung gibt es jedoch Verkehrsschilder zur Genüge, wenn es auch kein deutscher Schilderwald ist. Doch was sollen die Katzen machen? Da ist kein Baum, der sichere Zuflucht bietet. Sc führen sie ein wahres Hundeleben. Dabei hätten sie es doch sonst so schön. Mäuse gibt es massenhaft. Die Menschn lieben Katzen jeder Schattierung. Nur, wie soll man sich vor den Hunden schützen? Was ein rechter Kater ist, der geht nachts streunen. Aber nachts gehören die Straßen den Hunden, die sich zusammenrotten und auf Katzenjagd gehen. Wie oft habe ich das schon gehört, wenn ich bei meinen Besuchen den Waldi der Familie mit geheucheltem Wohlwollen streichle; "Ja, wir haben auch eine Muschi gehabt, aber
dann war sie eines Tages bzw. Nachts verschwunden und kam nicht wieder". Viele Hunde sind der Katzen Tod!
Das Tierleben Afrikas jedoch beginnt für uns hinter der Stadt in der Wüste. Noch vor dem 2. Weltkrieg sollen ohne Mühe große Herden von Springböcken und anderen Antilopenarten zu sehen gewesen sein. Dann wurde die Namib leergeschossen. Inzwischen ist ein Riesenbezirk zum Wildschutzgebiet erklärt worden, doch mit den großen Herden ist es aus. Wie waren wir aufgeregt, als wir anläßlich eines Tagesausfluges in die Wüste auf einmal ganz in der Ferne zwei Strauße erspähten. Unser erstes wirkliches Afrikaerlebnis sollte aber erst noch kommen. Wir waren in der Wüstenbeobachtungsstation Gobabeb, zwei Autostunden landeinwärts. Einer unserer Lehrer arbeitete dort während der Ferien und führte uns herum. Als wir spät am Abend die Heimreise antraten, tauchten plötzlich 7 Strauße auf, die in hoher Flucht neben dem Auto herrasten, um auf einmal, ich mußte scharf bremsen, unmittelbar vor uns die Pad zu kreuzen. Kein Baum, kein Busch versperrte die Aussicht, und so konnten wir gut beobachten, wie die sieben Vögel mit Riesenschritten, den langen Hals hochaufgerich- tet, die Flügel mit den schwarz-weißen Federn ausgestreckt, dahinjagten.
Mit dem kleinen Leben der Wüste sind wir, dank unseres deutschen Lehrers, schon wohlvertraut. Da gibt es Spinnen, Käfer, Eidechsen, Schlangen und Skorpione. Sind wir mal draußen, dann stürzt sich Beni mit dem Freudenschrei "Gogges, Gogges" auf eine Art Mistkäfer, der in großer Zahl in der Nähe jedes Wüstenbusches herumkrabbelt. Christian ist Spezialist für Skorpione, obwohl er wie alle anderen das strikte Verbot hat, größere Steine und Holz aufzuheben. Er holt sich dann einen Stock und dreht alles um. Der Vater darf dann das Untier töten. Hänschen geht auf Eidechsenjagd. Die einzig Produktive ist Esther. Sie sucht mit ihrem Papa Rubinen, wie die kleinen Granaten genannt werden, die in unsrem Teil der Namib zu finden sind.
Nach einer Stunde haben wir eine ganze Handvoll dieser Halbedelsteine beisammen. Meist winzige Splitter und nur ein bis zwei Größere, die es sich vielleicht zu schleifen lohnt. Eines Tages soll dann Mutti einen Rubinenring und eine Kette bekommen.
So bietet die Wüste, in der man sich und alles wirklich vergessen kann, jedem etwas. In all ihrer Großartigkeit zieht sie einen sehr schnell in ihren Bann. Alles scheint in ihr einfach und klar. Was sind die Menschen dagegen doch so kompliziert. Über sie, die Menschen dieses Landes im Allgemeinen wie meine Gemeinde im Besonderen schwankt mein Urteil noch so sehr und ändert sich von Tag zu Tag, daß ich immer noch, nach fast 5 Monaten, jedes schriftliche Urteil scheue. Doch eines Tages werde ich auch davon schreiben können und müssen. Bis dahin seid herzlich gegrüßt von uns allen.
In treuem Gedenken an Montabaur Ihr
P. Debus, Pfr.
Montabaur und der ''Deutsche Bruderkrieg" 1866
4. TEIL
Die nassauischen Truppen kämpften Ende Juli in Würzburg. Doch dann sah man sich gezwungen, mit dem preußischen Sieger einen Waffenstillstand zu schließen. Am 7. August, kaum zwei Monate nach Kriegsbeginn, wurde die nassauische Brigade entlassen. In der Nähe von Günzburg auf dem südlichen Donauufer bezog man nun im Beisein Herzogs Adolfs Quartiere.
Mt der Besetzung Wiesbadens wurde auch das Presseorgan der Regierung, die "Nassauische Landes-Zeitung" verboten.
Als Amtsblatt diente nunmehr das "Wochenblatt für die Herzoglichen Aemter Montabaur, Selters und Wallmerod."
Überall im Montabaurer Raum wurden jetzt preußische Trup-
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