auch nicht anders sein.
Nun, wir haben gewußt, daß da in Walvis Bay "kein Platz für wilde Tiere" ist. Was kann denn im Sandmeer der Namib schon leben! Deshalb sind wir mit sehr geringen Erwartungen hier angekommen. Konnten darum auch nicht so bitter enttäuscht werden wie jener junge Deutsche, von dem hier folgende Geschichte umläuft: Steigt da eines Tages ein junger Mann aus Hamburg, angeworben von einer großen Handelsfirma, mit drei Schießgewehren in Walvis Bay an Land. Nach vier Tagen hartnäckiger Verhandlungen mit dem Zoll gelingt es ihm auch, seine Elefantenbüchse von Bord zu bringen. Enttäuscht mußte er jedoch feststellen, daß in Walvis Bay keine Elefanten hinter den Dünen aufs Gejagtwerden warten. So ließ er sich nach Windhoek versetzen. Doch auch dort spazieren weder Elefanten noch sonst was durch die Straßen. Nur Menschen. Schimpfend ließ er sich nach Deutschland zurückfliegen.
Allein, es muß ja nicht immer Großwild sein! Wer sich mit weniger zufrieden gibt und dazu die Augen aufmacht, der ist täglich neu überrascht, wie viel und was da alles "kreucht und fleucht". Und die Wüste lebt tatsächlich. Ein Delphin, der hoch aus dem Wasser springt und sich dabei überschlägt, der Anblick Hunderter von Flamingos, die die Lagune rosa schimmern lassen sind Quellen stets neuen Entzückens.
Die Kriechspur einer Schlange im Sand und ein Skorpion, der schnell wieder unter einem Stein verschwindet, lassen das Herz schneller schlagen.
Das Wappen von Walvis Bay, gekrönt von einem Anker und flankiert von zwei Flamingos, zeigt in der oberen Hälfte einen Walfisch auf zwei Wellenlinien, in der unteren Hälfte einen Pelikan. Von diesen Tieren muß darum zuerst die Rede sein.
Der Wal, der Stadt und Bucht den Namen gab, ist so gut wie ausgerottet. Nur noch gelegentlich wird ein toter Wahl angeschwemmt oder die Atemfontäne einer Walmutter mit Jungem gesichtet. Wo früher die Walfänger ankerten, drängt sich heute ein Heer von Heringskuttern. Vor der Küste Südwestafrikas liegen die reichsten Fischfanggründe der Welt. Gefangen wird neben verschiedenen Weißfischen hauptsächlich der Pilchard, eine Heringsart. Die acht Fischfabriken von Walvis Bay, jede mit einer Fangquote von 100.000 t verarbeiten Pilchards zu Konserven, Fischöl und Fischmehl.
Im Hafen liegen dann unter anderem die Schiffe der DOAL (Deutsch-Ostafrika-Linie) und der SAL (Süd-Afrika-Linie) und laden Tonnen um Tonnen Fischmehl. Die Konserven gehen vor allem nach Japan, eingemacht in von Japan gelieferter Sojasauce; den USA, speziell für DelMonte in US- made Tomatensauce; Großbritannien, das seine eigene Senf- sauche dazu liefert, und anderen Ländern der Welt. Zusätzlich fischt die halbe Welt vor den Hoheitsgewässern Südwests, bzw. Südafrikas; u. a. Spanier, Sowjetrussen, Bundesrepublik, Korea, Japan. Im Hafen von Walvis Bay laden sie dann ihre Fänge auf große Kühlschiffe, deren Besatzungen Straßenbild und Bars der Stadt noch bunter erscheinen lassen.
Angeln ist selbstverständlich die verbreitetste Freizeitbeschäftigung der Walfischbayern. Jeder darf angeln, wo er will. Doch während der Angelfreund an den stillen Weihern des Westerwaldes Natur, Ruhe und frische Luft genießt und auch nicht böse ist, wenn er mit nichts anderem nach Hause kommt als mit einem "Es hat mal einer gebissen", artet hier das Angeln zur Schwerstarbeit aus. An guten Tagen ziehen geübte Angler bis zu 80 Fischen aus dem Wasser und zwar 5-20 pfündige Weißfische. Es soll noch Größere geben. Mitunter fängt man allerdings auch nichts wie Sandhaie; häßliche flache Fische mit einem langen Stachelschwanz, um ihrer Form willen auch Banjo genannt.
Meine ersten Angelversuche habe ich bereits hinter mir.
Wie ist man dann am anderen Tag zerschlagen nach 6 Stunden "rein in die Brandung bis zu den Knien, daß einen der nächste Brecher fast umschmeißt, die schwere Angel mit ihrem großen Bleigewicht auswerfen, zurück ans Ufer und
aufrollen". Geangelt wird mit Pilchards, die man, gleich einen ganzen Eimer voll, bei einer der Fischfabriken holt.
Das schönste an einem solchen Tag am Strand sind, wie könnte es für den Pfarrer anders sein, die Menschen. Meine Angelfreunde sind vier Afrikaner (Buren), die bei der Eisenbahn arbeiten. Einer davon ist durch die Heirat mit einer Deutschen mein Gemeindeglied. In einem Gemisch von Deutsch, Afrikaans und Englisch bemühen sich alle, dem "Pater", der sich sehr dämlich anstellt, behilflich zu sein. Etwa so: "Moenie angry sein, Pastoor. Erst hast DU Pastoor gelernt. By ons lernst Du fishing". - Das Afrikaans kennt nur das "Du" als Anredeform. Diese Eigenart hat auch Eingang gefunden in das berühmte "Südwesterdeutsch". Zuerst habe ich immer schlucken müssen, wenn mich ein Gemeindeglied oder ein Konfirmand mit "Pastor, Du" anredete.
Zum Baden ist es in dieser Jahreszeit begreiflicherweise zu kalt. Das hindert nicht, daß"unsere Kinder doch immer wieder bei den häufigen Ausflügen zum Strand ins Wasser fallen. Die Mutti nimmt vorsorglich stets für jeden eine Ersatzgarnitur mit. Aber es ist einfach auch zu verlockend, den am Strand auslaufenden Wellen nach- und davonzulaufen, oder nach Jungfischschwärmen Ausschau zu halten. Große Aufregung herrscht jedesmal, wenn eine Schule Tümmler voll Übermut vor der Brandung der Küste entlangzieht. Es gehört wohl zu den großartigsten Anblicken der Schöpfung, zu sehen, wie 5 und mehr dieser eleganten Fische mit den Wellen spielen, hoch aus dem Wasser und durch die Brandung springen.
Das innerste und flachste Stück der Bucht, die Lagune, gehört den Flamingos, Pelikanen, Strandläufern und Möwen.
Nur wer das gesehen hat, weiß, daß es wirklich ein Vogelparadies gibt. Lustig und eifrig trippeln die Strandläufer vor den Wellen dahin. Die Möwen zanken sich heißer um einen fetten Brocken. Majestätisch ziehen die Pelikane übers Wasser und treiben in langer Kette den Fisch vor sich her. Die Flamingos, ihren krummen, schwarzen Schnabel im Morast, vollführen im Strand lächerliche Zappelschritte mit ihren langen roten Stelzenbeinen. Dabei rühren sie den Untergrund auf. Zuweilen stehen sie so dicht beieinander, daß der Horizont mit einem weißen oder rosa Strich abschließt. Ja, und so häßlich ihr Grunzlaut klingt, so wunderschön ist der Anblick, wenn sich Hunderte von Flamingos in einer bald roten, bald schwarzen Wolke aufschwingen und in langer Kette landeinwärts fliegen. Ganz still jedoch werde ich, wenn sich 20 und mehr Pelikane im warmen Luftstrom hochschrauben und über die Stadt segeln.
Soll ich noch weiter von den Kormoranen, Enten, Reihern und all den mir bis jetzt noch unbekannten Vögeln berichten? ! Wer kann verstehen und ermessen, wie erholsam das ist, müde oder enttäuscht oder verärgert schnell mal an die Lagune zu fahren, den Motor abzustellen und dann einfach dem Sonnenuntergang und den Vögeln zuzuschauen, das Plätschern der Wellen und das Gehonke der Flamingos anzuhören! Nach einer halben Stunde fasse ich dann wieder neuen Mut.
Das Tierleben an Land ist nicht minder beachtenswert und aufregend. Seine Vertreter sind: Ameisen, Mäuse, Katzen und Hunde. Das klingt nicht sehr vielversprechend. Abwarten !
Das, was im salzgeschwängerten Sand von Walvis Bay am besten zu gedeihen scheint, sind winzigkleine rote Ameisen. Überall in den Gärten marschieren sie in nie abreißender Kolonne. Als unser Hänschen in seinem Hut eine Eidechse aus der Wüste mitbrachte, waren wir sehr froh über unsre "Haustiere". Alle Mann fingen Ameisen für die Eidechse, die dann Beni, zum Kummer der Kinder und zur Freude der Eltern, in einem unbewachten Augenblick freisetzte. Weniger beliebt sind die kleinen Krabbeltiere in der Küche, wo sie an heißen Tagen aus dem Nichts auftauchen und in langer Reihe auf alles Süße zustreben. Marmelade mit Ameisen, Pudding a la Ameise und Obst mit Gekribbel will schließlich

