rung während der Koalitionskriege und das in der Stadt in den Jahren 1792 - 1800 eingerichtete Lazarett, in dem preus- sische, kaiserliche und französische Soldaten gepflegt wurden und von denen eine Anzahl auf dem Friedhof ihre letzte Ruhe fanden, erzwangen trotz alledem die Erweiterung des Kirchhofs. Nachdem der Totengräber Johann Philipp Schlosser im Januar 1802 dem Stadtrat vorgetragen hatte, "daß zur Begrabung deren Todten auf dem Kirchhof kein Platz mehr vorfindlich seye, sondern wo er Gräber machen solle, noch ohnverwesene und zerstickelte Teile von den vorhin begrabenen Körper sich vorfinden thäten", entschloß man sich zur Erweiterung des Kirchhofs. Seit dieser Zeit stand die Pfarrgemeinde in Unterhandlung mit der kurfürstlichen Regierung um den Ankauf des angrenzenden Amtsplatzes, da "das fernere Begraben der Sterbenden wegen dem gar zu engen Kirchhofraum ohne zu besorgende größte Gefahr einer ansteckenden Krankheit nicht fortgesetzt werden könne." Am 14. Mai 1802 gestattete die Kurfürstliche - Kameral-Kommission nach vorheriger Einwilligung des Kurfürsten den Verkauf des größten Teils des Amtsplatzes am Gebück in Größe von 157 Ruten gegen bare Zahlung von 314 Reichstalern. So hätte man mit der Anlegung des neuen Friedhofs beginnen können, wenn nicht die Bürger durch den Krieg und die Teuerung zum großen Teil verarmt und zahlungsunfähig gewesen wären Der Stadtrat wandte sich im Namen der Pfarrgenossenschaft an den Kurfürsten und baf um Erlaß, beziehungsweise Minderung des Kaufpreises. Da aber auch die Staatskassen leer waren, war weder an einen Erlaß noch eine Minderung des Kaufpreises zu denken. Die Kirchenrechnung in den Jahren 1802 - 1808 weist daher neben der Zahlung des Kaufpreises an den Kellner Ostermann auch die übrigen Kosten für Planierung des Geländes, Errichtung eines Kreuzes mit Überdachung, Bau der Kirchhofsmauer und Bau eines "Bahrenhäußchens" aus. Am 13. September 1802 nahm Pfarrer Hartmann Hoffmann die kirchliche Weihe des Kirchhofs vor. Die gesamten Kosten wurden nach der Kopfzahl auf die Stadt und die Dörfer Horressen, Eigendorf, Eschelbach und Boden umgelegt. Noch in gleicher Zeit fällte man die Linden auf dem alten Friedhof, doch mußte die Planierung des Gräberfeldes auf den Einspruch der Bevölkerung, "weilen auf dem alten Kirchhof viele Gräber zu frische seyen" wieder eingestellt werden. Von diesem neuen Friedhof hinter der Kirche gelangten 1862 und 1868 kleinere Teile durch Kauf zu einem größeren Grundstückskomplex, auf dem die Oberin Katharina Kaspar aus Dernbach eine Höhere Mädchenschule errichtete. Der größte übrige Teil wurde bei der Konsolidation der Gemarkung Montabaur im Jahre 1874 der Stadtgemeinde Mcntabaur zugemessen.
Zu Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der neue Kirchhof im Gebück fast voll belegt, weshalb die nassauische Regierung auf die Anlegung eines neuen Totenhofes drängte. Man dachte zunächst daran, einen Acker der Pfarrei bei der Kreuzkapelle zu einem Friedhof anzulegen, nahm aber doch davon Abstand und kaufte im Jahre 1829 auf Vorschlag des Amtmanns Gieße vier Äcker an der Hollerer Straße in Größe von zwei Morgen 27 Ruten 5 Schuh kurtr. Maß. Das neue Gelände wurde planiert und umzäunt. In der Mitte des Friedhofs errichtete man ein großes Kreuz. Die Kosten wurden nach der Kopfzahl der Gemeinden Horressen, Eigendorf, Eschelbach, Boden und Mantabaur erhoben. Pfarrer Schaaf weihte den Gottesacker ein, nachdem am 14. August 1829 die kirchliche Behörde die Genehmigung gegeben hatte. An die Stelle des Kreuzes baute man in späteren Jahren die Friedhofskapelle, die am 31. Oktober 1863 von Koadjutor Jakob Stein auf den Erzengel Michael geweiht wurde. In den späteren Jahren hat man wiederholt den Friefhof auf Kosten des Hospitalfonds erweitert. 1851 waren es 163 Ruten 77 Schuh. 1858 121 Ruten 82 Schuh und 1888 126 Ruten 25 Schuh, die man hinzukaufte. Nach der Konsolidation am 11. April 1860 hatte der Friedhof an der Hollerer Straße eine Größe von 6 Morgen 16 Ruten 30 Schuh, heute weist er eine Größe von 7
Margen 50 Ruten 11 Schuh aus. Die einstigen Miteigentümer des Montabaurer Friedhofs haben zum Teil seit Jahrzehnten eigene Friedhöfe angelegt, Boden 1898, Eigendorf 1921, Horressen 1929 und Eschelbach 1950. Vorläufig dürfte der Friedhof für die Stadt Montabaur ausreichend sein.
Brief des Pfarrers Debus
RUNDBRIEF NR. 3 Walvis Bay, den 26. Juli 1966
P.O. Box 866
Ihr Lieben in der Heimat!
Wir erleben unseren ersten Walfischbuchter Winter. Die Tage beginnen mit Nebel, der sich erst gegen Mittag in Richtung Ozean verzieht. Wir frieren in der feuchten Kälte und sehnen uns nach Ostwind, der für Tage das Thermometer höher steigen läßt als selbst im Hochsommer. Diese meteorologische Besonderheit ist ein Teil jenes großen Rhythmus, mit dem Land und Meer das Gleichgewicht ihrer Luftmassen aufrechterhalten. Wenn sich die Luft im Inland während einiger Frostnächte so stark abgekühlt hat, daß sie kälter ist als die Luft über dem Atlantik, dann beginnt die schwere kalte Luft über die Hochlandkante herabzufließen (Windhoek liegt 1830 mhoch). Einem Wasserfall gleich rauscht sie zu Tal, gewinnt immer größere Geschwindigkeiten, trifft dann auf die glatte Fläche der Namib und rast ungehindert über 100 Meilen Wüste bis zum Meer. Durch die Reibungshitze erwärmt sie sich dabei immer stärker. Was so im Hochland als kalter Wind begann, trifft uns an der Küste als heißer, sandbeladener Sturm.
In der Regel dauert solch ein Ostwind drei Tage. Längere Perioden sind jedoch durchaus möglich. Anfang Juni hatten wir 11 Tage lang Ostwind. Zunächst kündet sich der Sturm durch die sogenannte Ostwindstimmung an. Da wird es angenehm warm. Das ganze Haus trocknet wieder mal richtig aus. Schon aus diesem Grund wünscht man sich Ostwind, denn der übliche Nebel dringt durch alle Türen und Ritzen, so daß selbst Wäsche und Kleider in den Schränken feucht werden. Kein sehr angenehmes Gefühl, wenn man sich morgens anziehtj
Nach der Ostwindstimmung kommt dann der Ostwind und mit ihm der Sand. In der Nacht beginnt ein leises Rauschen ums Haus, das von Stunde zu Stunde unheimlicher und stärker wird. Bis zum frühen Nachmittag rauscht und braust es dann durch die Straßen. Die Luft ist gelb und die Sicht begrenzt, daß man zuweilen keine 50 m weit sehen kann. Schmerzhaft, wie Nadelstiche, brennen die Sandkörner auf jedem unbedeckten Körperteil. Bei jeder Mundbewegung knirscht es zwischen den Zähnen, daß man vor sich selber Angst bekommt. Keine Tür, kein Fenster schließt so dicht, daß der Sand nicht hindurchkäme. So wandert denn bald eine kleine Düne durchs Zimmer und über den Flur. Kein Wunder, daß darum jedermann den Ostwind fürchtet und uns Neulingen Angst damit macht. Auf der einen Seite möchte natürlich jeder gern hören, daß es uns hier gefällt. Sagen wir aber, daß wir uns ganz wohlfühlen, kommt prompt die Drohung: "Warten Sie nur, bis der Ostwind kommt" !
Nun, drei Ostwinde haben wir bereits hinter uns und die haben uns ganz und gar nicht den Aufenthalt in Walvis Bay verleidet. Ganz im Gegenteil! Wir haben's genossen. War das herrlich warm! So richtig Afrika, wo wir uns wenigstens für Tage nicht darüber ärgern, daß wir die Wintersachen eingemottet in Deutschland zurückließen. Die Spitzentemperatur, allerdings ein Rekord für die letzten zehn Jahre, betrug 38 Grad. Solange der Sandsturm tobte, sind wir im Haus geblieben. Am Nachmittag und Abend aber ist es so herrlich klar und warm, daß wir gar nicht ins Bett wollen. Auch der Sand im Haus hat uns bislang nicht sonderlich erschüttert. Allerdings sind wir ja auch noch so einfach eingerichtet, daß in zehn Minuten alles saubergefegt ist. Wer dagegen bereits jahrelang hier lebt und im Lauf der Zeit sein Haus angefüllt hat mit Sesseln und Tischchen, Deck- chen und Nippes, Springbockfellen und Eingeborenenarbei-

