ten, der hat wohl seine Last und braucht viel Zeit, Staub bzw. Sand zu wischen.
Freilich, der größte Ärger ist mir bislang noch erspart geblieben. Ich habe noch nie bei Ostwind über Land fahren müssen. Auf freier Strecke soll dieser Sandsturm wie ein Sandstrahlgebläse wirken, das auf der zwanzigminütigen Fahrt von Walvis Bay nach Swakopmund zumindest Nummernschild und Felgen von allem Lack befreit. Eine neue Frontscheibe sei dann auch fällig. Doch bis mir das passiert, haben wir allesamt gegen die gesunde, trockene Hitze nichts einzuwenden und sind der Meinung, es könne jetzt mal ruhig ein paar Wochen Ostwind sein, da im Augenblick die Tagestemperatur bei -?■ 2 Grad am Morgen liegen und bis Mittag nur auf 15 Grad ansteigen. Und das in einem Land, das keine geheizten Räume kennt. So wandere ich mit einem tragbaren Petroleumofen von Zimmer zu Zimmer und schimpfe darüber, daß ich mit dem Auszug aus dem Monta- bäurer Pfarrhaus doch nicht die leidige Ölfüllerei los bin. Kommt im Winter der Ostwind, so bringt der Sommer den gefürchteten "Südwester". Auch davon haben wir im Anfang unseres Hierseins, das in die letzten Sommerwochen fiel, bereits einige Kostproben erhalten. Der Südwester ist nichts anderes als der Osrwind - nur mit umgekehrten Vorzeichen. Der Sog der über dem Festland aufsteigenden Warmluft zieht die kühlere Seeluft als Westwind herein. Auf diese Weise herrscht in der Namib im Winter überwiegend Ost-, im Sommer in der Regel Westwind. Der Sand fliegt beidemale. nur jeweils aus der anderen Richtung. Damit ist denn auch für nie endenden Gesprächsstoff gesorgt. "Sand" ist für jeden Bewohner von Walvis Bay Haupt- und Lieblingsthema. Der eine hat sich in fürchterlichem Sandsturm mal fast! verirrt; der andere klagt über sein gärtnerisches Mißgeschick, an dem der Sand schuld ist; wieder ein anderer entwirft gewaltige Projekte, mit denen die Stadt, unter großen finanziellen Anstrengungen natürlich, Herr des Sandes werden könnte - wenn man doch nur auf ihn hören wollte! !; die Hausfrau beschwert sich über die zusätzliche Putzarbeit. Der "fromme" Fatalist aber behauptet: Als Gott die von ihm geschaffene Welt überblickte und dabei Walfischbay entdeckte, sei er so entsetzt über den Anblick gewesen, daß er seitdem dabei ist, das Ganze wieder mit Sand zuzudecken.
Nur wir Frischimportierten finden, daß alles halb so schlimm ist. Ja. daß letztlich alles wie überall sonst ist. Hat es in Deutschland mal zwei Tage geregnet, behauptet jeder, das ganze Jahr sei verregnet und es gäbe nichts als Regen. Was dem einen sein Regen, das ist dem andern halt sein Sand.
Natürlich müssen die Fenster mindestens einmal im Monat von außen geputzt werden, sonst kann man nicht mehr durchsehen, so dick klebt der Sand dran. Doch dafür haben wir Nestori, einen Kontraktovambo, der sich samstags bei uns seinen zusätzlichen Rand (DM 5, GO) verdient. Diese Ovam- bos, über 5.000 an der Zahl, kommen für ein Jahr aus Ovam- boland, dem großen Reservat im No r den Südwestäfrikas, nach Walvis Bay. Sie wohnen in einem riesigen Lager, Compound genannt, und arbeiten vor allem in der Industrie, hauptsächlich in den Fischfabriken. Nach Ablauf ihres Kontraktes müssen sie dann wieder ins Reservat zurück. Angeblich, damit sie sich nicht zu sehr von ihrer Stammesordnung entfremden. Oder schafft man damit ein nie versiegendes Handlangerreservoir ?
Unser Nestori, ein immer fröhlicher Bursche, der Frau und vier Kinder im Ovamboland hat und hier in einer Fischfabrik arbeitet, kommt samstags um 12.00 Uhr und macht sich dann meistens ans Auto. Das hat eine gründliche Säuberung auch immer bitter nötig. Im Innern liegt die halbe Wüste auf Boden und Sitzen. Außen ist es dick eingestaubt, und alle Chromteile weisen große Roststellen auf. Der Nebel und der außerordentlich hohe Salzgehalt des Walfischbayer Sandes lassen ja alles in kürzester Zeit völlig verrosten. Daß dabei mein Auto immer noch wie neu aussieht, verdanke ich Nestori, der wie alle Ovambos mit unendlicher Geduld und
;h hätte dazu weder Zeit
noch Nerven. Eine "Autowäsche" hat hier nämlich so vor sich zu gehen; Zuerst wird der Sand mit dem Handfeger abgekehrt, dann wird der Wagen feucht abgeledert und anschließend mit einer Politur auf Hochglanz gebracht. Wer sein Auto mit Gewalt kaputtmachen möchte, nimmt den Schlauch und spritzt. Dann fängt es in Null-Komma-Nichts an allen Ecken und Enden zu rosten an.
Lustig muß für Dritte unsere Unterhaltung anzuhören sein.
Ich versuche es erst einmal in Deutsch. Dann kommt dasselbe zur Bekräftigung in Afrikaans und. wenn's geht, als Zugabe noch ein Ovambobrocken. Anschließend bleibt nur die Hoffnung, daß Nestori alles kapiert hat. Er antwortet nämlich grundsätzlich auf jedes meiner Worte mit mindestens zwei Mal; "Ja, Mister!” Sonst nichts; und das sagt er so mechanisch, daß ich immer wieder hinterher platt bin. weil er tatsächlich verstanden hat. was ich wollte.
Neben Nestori und Martha ist David der dritte unserer dienstbaren Geister. David ist der Kirchenjunge, d.h. ein Kontraktovambo. den die Gemeinde für die Arbeiten auf dem Kirchengrundstück, sowie für das Putzen von Kindergarten und Kirche angestellt hat. Da alle Schwarzen "Junge" genannt werden - auch wenn es sich um einen Großvater handelt - ist David eben der Kirchenjunge.
- Den weiteren Bericht bringen wir in einer unserer nächsten Ausgaben -
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