Kaum ausgestiegen stand ein bunter Karren, von zwei Ochsen gezogen vor uns. Dieser Versuchung konnten wir nicht widerstehen. Unter viel Geschrei und Gelächter, dem Hupen der Autos und dem Geknipse der Touristen machten wir so eine Besichtigungsfahrt durch Funchal. Dann wurden ein paar Souveniers gekauft, als wir es müde waren, uns noch länger der "Schlepper” zu erwehren. - Vor jedem Geschäft, und diese Stadt ist ein einziges Geschäft, steht solch ein Mensch und versucht, die Touristen zum Kauf in seinen Laden zu locken. - Begleitet von kleinen Jungs und ihrem Betteln "Give me sixpence" landeten wir gegen 12. 00 Uhr erschöpft in unsren Kabinen an.
Der Rest der Reise ist nun schnell erzählt. Das Bordleben lief ab Madeira auf vollen Touren und war doch langweiliger als die ersten Tage der Fahrt. Ruhig fuhr der Dampfer dahin. Überall auf den Sonnendecks lagen Menschen herum, die stumpfsinnig in der Sonne brutzelten. Ergebnis: im Eß- saal wurde es noch mal so hell, so leuchteten die Sonnenbrände. Klug geworden durch unsere Südfrankreichurlaube wagten wir uns anfangs nur kurz und dann von Tag zu Tag etwas länger inj Freie. So blieben wir auch von den Qualen eines Sonnenbrandes verschont.
Ja näher wir dem Äquator kamen, um so heißer wurde es.
In den Kabinen schnurrten die "Punkhas” = Ventilatoren. Unerträglich wurde die Hitze jedoch nie. Wir hatten es uns schlimmer vor gestellt. Direkt am Äquator bot sich uns dann das Schauspiel eines tropischen Gewitters. Urplötzlich wurde es um die Mittagszeit finster. Blitze zuckten rings um das Schiff, und die Wassermassen stürzten in bisher nie erlebter Heftigkeit auf uns nieder. So was von Regen! Und wir hatten gedacht, nach dem nassen Sommer 1965 zu wissen, was Regen ist. Nach einer Stunde war dann alles genau so schnell vorbei, und die Sonne lachte vom wolkenlosen Himmel. Daß unsere lieben Kleinen sich bei dem schönen Wetter nicht im Kindergarten einsperren ließen, ist klar. So waren die Eltern wenigstens beschäftigt. Was brauchen die auch zu sitzen , zu lesen und einfach auszuruhen? Haupt- attration war das Schwimmbecken auf Deck, wo man in Seewasser von 22 - 25° baden konnte. "Papa ausziehen,
Papa anziehen, Papa ausziehen. ... ", so tönte es vierfach in einem fort. Und wenn sie im Wasser waren, dann konnte Mutti rufen, so lange sie wollte. Freiwillig kam keiner aus dem Becken. Dann mußte Nachlauf gespielt werden oder mit den Ringen und Scheiben der Deckspiele. Beni marschierte für sein Leben gern von Bug zum Heck und zurück. Allein durfte er das nicht, also konnten Mutter oder Vater sich gleich mitbewegen. Dann waren da die "offiziellen Veranstaltungen", bei denen die Eltern als Aufsichtspersonen gebraucht wurden: Eine Kinderparty, Mickymaus-Filmvorführungen, Äquatortaufe, Besuch beim Kapi tän und Besichtigung der Brücke - das alles wurde den Kindern geboten, und uns wurde dabei die Zeit nicht zu lange. Lagen die Lieblinge dann endlich imüett, so langte es für uns gerade noch zum Dinner, einem abendlichen Rundgang in der Kühle auf Deck und zu einem kurzen Drink. Dann waren wir froh, gleichfalls zur Ruhe gehen zu dürfen - bis am anderen Morgen der Stewart um 7. 00 Uhr die erste Tasse Tee ans Bett brachte und das Volk dies als Startzeichen betrachtete, zu neuen Taten aufbrechen zu dürfen.
Die Tage vergingen so wirklich wie im Flug. Am Mittwoch, dem 2. März hieß es dann wieder mal, unsre Siebensachen zu packen. Unterbrochen wurden wir dabei durch die Aufforderung, zum Schiffstelephon zu kommen und ein Radioferngespräch aus Walvis Bay in Empfang zu nehmen. Was ist da los? Unsere Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Zwei Stunden mußten wir warten, bis die Verbindung endlich hergestellt war. Und dann war es nur ein Kirchenvorsteher der neuen Gemeinde, der uns herzlich willkommen hieß und die Ankündigung machte, am nächsten Morgen bei der Ankunft stünden die Schulkinder bereit, uns mit einem Ständchen zu empfangen-. O, nein! !! Nicht schon wieder! Wir hatten uns doch erst vom Abschied erholt. Fortsetzung auf Seite 9
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