Ausgabe 
29.4.1966
 
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ren nur 65 erschienen. Der 1. Vorsitzende eröffnete die Versammlung und begrüßte die Anwesenden, insbesondere die Ehrenmitglieder Jung, Henritzi' Anton, Henritzi Hans, Paulus und Piwowarsky.

Bei der anschließenden Totenehrung gedachte die Versamm­lung des verstorbenen Jugendlichen Rainer Erkelenz.

Dann gaben der 1. Geschäftsführer, der 1. Kassierer, die Kassenprüfer und die einzelnen Obleute ihre Berichte.

Der aus seinem Amte scheidende Leichtathletikobmann Ewald Heuchemer wurde vom 1. Vorsitzenden für seine langjährige, verdienstvolle Tätigkeit in der Leichtathle­tikabteilung und im Vorstand besonders geehrt. Er erhielt die goldene Ehrennadel des Vereins mit einer entsprechen­den Urkunde.

Nachdem die Versammlung dem Vorstand bei einer Stimm­enthaltung (!) Entlastung erteilt hatte, wurde der neue Vorstand gewählt, der sich wie folgt zusammensetzt:

1. Vorsitzender: Wilhelm Rätz, 2. Vorsitzender: Ernst Gäfgen, 1. Geschäftsführer: Hermann Schlosser, 2. Ge­schäftsführer: Klaus Fasel, 1. Kassierer: Alex Foerster,

2. Kassierer: Karl Gasteyer, Fußballobmann: Reinhold Meuer, Fußb. Jug. leiter: Rolf Bock, Leichtathletikobmann: Marga Wiegand, Leichtathletik . Jug. leiter: Albert Kram Turnwart: Helmut Denker, Frauenturnwartin: Inge Schrö­ter, Tischtennisobmann: Gerhard Schlosser, TT-Jug. Lei­ter: Raimund Seel, Beisitzer: Ewald Heuchemer, Beisitzer: Ludwig Heibel, Beisitzer: Eberhard Molzberger.

Der seitherige Jugendleiter der Fußballabteilung Gustl r . Theuer mußte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellen. Der 1. Vorsitzende dankte ihm namens des Vorstandes und des Vereins für seine langjährige, er­folgreiche Jugendarbeit in der Fußballabteilung.

Pfarrer P.Debus schreibt uns

den 23. März 1 966 P.O. Box 866.

Fortsetzung aus Nr. 16.

Es gab einen amerikanischen Wildwestfilm (vielleicht kann ich da gleich mein Englisch auffrischen, wo wir doch nach Wild-Südwest gehen). Der Raum war so voll, daß ich nur einen Eckplatz bekam und um eine Säule schie­len mußte. Bald jedoch erhielt ich allen Platz, den ich wollte. Das Schiff holte nämlich unerwartet so stark über, daß die Leute auf ihren Sesseln reihenweise umkippten.

Es sah aus wie Dominosteine, die wir als Kinder hinter­einander aufstellten; dann bekam der erste Stein einen Schups und schrumms legte sich einer nach dem anderen.

Die Säule wurde zu meiner Rettung. Nach diesem Schrek- ken war es verständlich, daß viele, vor allem die älteren Leute, sich aufmachten und sich aus dem Saal hangelten.

Ich genoß dagegen die Knallerei der Cowboys bis zum Ende. Wenn ich dabei meinen Sessel zu bändigen hatte wie einen wilden Mustang, so nicht deshalb, weil ich in­folge der spannenden Handlung so gefesselt war, daß alles um mich her versank und ich mitritt, sondern weil das gute Schiff gewaltige Bocksprünge machte.

An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, rutschte durch die Kabine - Koffer, Schuhe, Sessel, Papierkorb, die schwere Kom­mode. Alle halbe Stunde mußten wir aufstehen und die Matrazen wieder zurechtrücken, sonst wären wir mit ihnen zur Koje hinaus und durch die Kabine gesegelt.

Dazu die Schreie geängstigter Frauen und Kinder, wenn das Schiff sich wieder mal gar zu sehr auf die Seite legte (unsre schliefen fest). Dann und wann geriet das Heck über Wasser, die Schraube schlug ins Leere und alles er­zitterte. Nun kann ich verstehen, was es heißt: " Das Schiff ächzte und stöhnte". Es knarrte und quietschte oben­drein. Im "Innern" blieb es bei uns weiterhin ruhig. Nur mein Herz krampfte sich zusammen in Gedanken an den "Familiengötzen" im Bauch des Schiffes. Wie wird es wohl dem Auto ergehen? Ob es auch richtig festgezurrt ist?

Nun, es hat die Reise ohne Beulen und Schrammen über­standen. Ganz im Gegensatz zu einem Mercedes, der in Vlissingen ebenfalls mit an Bord kam. Aber vielleicht hat der gerade an der Bordwand gestanden und ist dagegen ge- bummst.

Am Sonntagvmorgen war der Speisesaal beängstigend leer und wurde weiterhin von Mahlzeit zu Mahlzeit leerer. Auch ein Teil der Besatzung hatte es erwischt. Nur Familie De- bus erschien zur staunenden Bewunderung aller immer in voller Stärke und zu jedem Essen. Und da so viel über war, haben wir unser Bestes getan, nichts umkommen zu lassen. Einmal habe ich zum Nachtisch Pudding, Kompott und dreimal Eiscreme gegessen. Vor allem Beni aber ließ die Leute Augen machen. Auf seinen dicken Beinchen schaukel­te er wie ein alter Seebär durch die Gegend und brauchte sich nicht einmal, wie die Großen, festzuhalten. Sein be­liebtestes Spiel war, bergauf zu stapfen, wenn das Schiff etwa nach Backbord überholte , und dann - wenn es sich nach Steuerbord neigte - so schnell bergab zu laufen, daß die Beine nur so über die Planken wirbelten.

Im Speisesaal hieß es während dieser Tage natürlich: Ei­ne Hand für den Mann und eine fürs Schiff"; will sagen: mit einer Hand gegessen. Christian der mal nicht aufpaßte, schlug mitsamt Stuhl einen Salto nach hinten und wurde vom Stewart unter dem Nachbartisch aufgesammelt. Klein- Beni hatte immer einen Stewart hinter sich, der Babys Stuhl festhielt, wenn es brenzlich wurde.

Für zerbrochenes Geschirr muß die Reederei wohl ganz ge­hörig zahlen. Mal rutschte die Hälfte der Gläser und Tas­sen von den Tischen, mal verlor ein Stewart sein vollbe­ladenes Tablett. Einmal brach ein ganzer Tisch mitsamt den Leuten, die daran saßen, zusammen. Bei einem Mit­tagessen öffnete sich die Tür des großen Geschirrschrankes an der Längsseite des Saales und der Inhalt ergoß sich scheppernd in die Gegend. Für die unmöglichen Debus- Kinder ein Grund mehr, in Schreie hellen Entzückens aus­zubrechen. Die Kadetten waren wirklich durch nichts zu erschüttern. Da der Kindergarten geschlossen war - erstens war die Gefahr zu groß, daß die Kleinen durch herumflie­gendes Spielzeug und Möbel verletzt wurden, zweitens lagen die Kindergärtnerinnen flach - spielten unsere Süßen zwischen den Malzeiten in den Gängen Nachlaufen oder ließen Murmeln rollen, die mit jeder Bewegung des Schif­fes hin und her kullerten. Das Stöhnen der gequälten Krea­tur, das aus den Nachbarkabinen drang, wenn mal jemand sein Innerstes nach außen kehrte, störte sie nicht im Ge­ringsten. Allenfalls Christian hielt ab und zu nachdenklich nach dem Klabautermann Ausschau, der sich zeigen solle, bevor das Schiff sinkt, wie ich ihm erzählt hatte.

Das Meer in seiner wilden Schönheit zu schildern, ist mir einfach unmöglich. Haushoch rollten die Wellen heran, Schleier weißer Gischt wehten über die Wogenkämme. Nur mühsam konnte man sich auf dem Oberdeck gegen den Sturm vorankämpfen. Das Erlebnis dieses Hurricans läßt sich vielleicht am besten zusammenfassen in einer Bemer­kung meiner lieben Frau. Als wir zwei Tage später inmitten einer Schar gerade wieder zum Leben gekommener Mitrei­senden an Deck standen und auf die nun leise dahinrollen­de Dünung schauten, sagte sie: "Nein, was ist das Meer so langweilig" ! Die beklagenswerten Opfer des Sturmes hät­ten sie dafür am liebsten gesteinigt.

Am Morgen des 22. Februar, eines Dienstages, konnten wir mit einem Tag Verspätung in den Hafen von Fuchal auf Madeira einlaufen. Das Schif. hatte kaum festgemacht, da waren schon die ersten Händler an Bord und boten gestickte Decken, Flechtarbeiten aus Rohr und eine Unmenge Sou- veniers feil. Als wir die Gangway herunterkamen, umring­ten uns wild gestikulierende Gestalten; Taxifahrer, von denen uns jeder am liebsten mit Gewalt in seine Limousine gezerrt hätte. Mühsam kämpften wir uns durch die fuchteln­den Arme und schreienden Münder und fuhren in einem Mo­torboot über das Hafenbecken zur Stadt.

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