Ausgabe 
3.3.1966
 
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MARIETT SORA

PLAUDERT MIT IHNEN

ES GSBT JA AUCH NOCH ANOERE

ZWISCHEN MITTERNACHT UND MORGEN

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◄STEREO

MaHett Sorä

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Guten Tag, liebe Freunde,

darüber, daß mein Schallplattentitel"Es gibt ja auch noch andere", in der Sendung: Lieblingsschlager der Woche des Saarl. Rundfunks, auf Platz 1 gekommen ist, habe ich mich riesig gefreut und möchte all den Le­sern danken, die ihn sich wünschten.

Heute möchte ich Ihnen nun erzählen, wie es nach den unbeschwerten Tagen, wovon ich letztesmal schrieb, Ernst wurde mit der Musik.

Ich hatte inzwischen erkannt, daß Musikmachen mehr für mich bedeutete, als nur ein Hobby zu bleiben, und der Wunsch nach solider Ausbildung war geboren. Ich sparte mir von meiner Lehrlingsvergütung eine große,neue Konzertgitarre zusammen, nahm Unterricht in Gitarre, Musiktheorie, Tanz und als Mannequin.

Es waren harte Lehrjahre, die sehr viel zeitliche und finanzielle Opfer von mir forderten, denn ich absol - vierte all diese Dinge neben meiner eigentlichen Tätigkeit als Verwaltungslehrling und spätere Angestellte,- aber die Fortschritte machten alles wieder wett. Vor allem machte mir mein Gesangs Studium, das ich in vorderster Linie betrieb und deshalb auch zu der bekannten Opernsängerin Maria Madien Madsen überwech- selte, Spaß. Hier lernte ich all das, wovon viele glauben, daß es nicht zur Ausbildung eines Schlagersängers gehört, nämlich Töne richtig apsetzen,richtig atmen, saubere Aussprache und überhaupt, eine .Stimme gut zu führen. Ich besuchte nebenbei viele Veranstaltungen, um zu sehen, wie machen es die anderen, denn Büh ­nenroutine hatte ich ja noch nicht. Meine Fragen waren stets: Was kann man verbessern und was kommt beim Publikum allgemein gut an.

Ich arbeitete an meinem eigenen Stil, gesanglich und in der Vortragsart, denn kopieren war mir von jeher verhaßt, das schied für mich aus.

Und dann war es -soweit! Eines Tages bot mir mein Lehrer, Kapellmeister Bert Schnarr, Frankfurt/Main, an, bei einer großen Veranstaltung, in einer Stadthalle mit ca. 12oo Personen, mein Debüt zu geben. Ich war sehr nervös und hatte großes Lampenfieber. Ich arbeitete an den acht Liedern, die ich singen sollte,

Tag und Nacht. Acht Lieder sind für.einen Anfänger sehr viel, aber mein Lehrer bestand darauf-und das, wie'ich heute weiß, mit Recht. Er wollte mir eine richtige"Feuertaufe" geben. Vielleicht war schon diese anfängliche Disziplin, 2 x 15 Minuten " durchzustehen" daran schuld, daß ich sehr bald eine eigene Zwei- Stunden-Schow einstudierte.Nun, deT erste Abend kam und plötzlich war das Lampenfieber wie weggebla­sen. Alte Bühnenhasen spuckten mir 3 mal über die linke Schulter - toi-toi-toi-, wie es in unserer Branche üblich ist und'dann gings hinaus, auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Veranstaltung verlief großartig, ich hatte einen Bombenerfolg. Ich verpatzte zu meinem eigenen Erstaunen nicht das Geringste. Nuri hatte ich großen Auftrieb bekommen. Ich wollte noch viel mehr lernen, um meinem Publikum wirklich alles zu geben, was ich zu vergeben habe.

In der folgenden Zeit gings eigentlich Schlag auf Schlag. Weitere Bühnenengagements folgten. Ich wurde wei­terempfohlen und die ersten Agenturen meldeten sich. So erlangte ich im Laufe des folgenden Jahres die Bühnenroutine, die für einen Künstler in unserer Branche unumgänglich ist, wenn er später einmal aus der Masse herausragen will. Natürlich blieb mein heimlicher Wunsch, eines Tages über den Fernsehschirm zu flimmern. Jedoch wagte ich noch nicht dieses große Ziel ins Auge zu fassen. Doch es sollte viel schneller gehen, als ich selbst glaubte. Eines Tages bekam ich einen Brief, und ich traute meinen Augen nicht, vom 2. Deutschen Fernsehen, mit der Aufforderung, an einem Nachwuchswettbewerb mitzumachen. Das war eine Chance - und ich war fest entschlossen, sie zu nutzen und darüber berichte ich Ihnen das nächste Mal.

Bis dahin herzlichst Ihre

Autogramm wünsche bitte über:

Mariett Sora

c/o DEUTSCHE VOGUE Schallplattengesellschaft 5021 Großkönigsdorf bei Köln

Zur Mühle 2 S