Ausgabe 
1.10.1965
 
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[I

MEINE SCHWESTER UND ICH

von Truck F. Sondere

Meine Schwester Liane ist seit vorgestern Sieb­zehn. Sie ißt jetzt nur noch Haferflocken mit Buttermilch, weil sie ein Filmstar werden will - hat sie gesagt. Sie trägt Schuhe mit verrückten Absätzen und hat seit ihrem Geburtstag ein ei­genes Zimmer.

Und das wurmt mich, das mit dem Zimmer. Inge, meine andere Schwester, ist elf Jahre alt, und ich bin zwölf. Und wir beide, Inge und ich, schlafen noch in einem Zimmer. An sich hätte ich nichts dagegen, wenn Inge nur nicht so schrecklich laut und lange am Daumen lut­schen würde. Manchmal kann ich davon gar nicht einschlafen. Komisch ist auch, daß Liane jeden Tag länger im Badezimmer planscht und sogar Papa damit aufregt, weil er dann keine Zeit mehr hat und sich nicht ordentlich rasie­ren kann. Und Mutti hat gesagt, wir sollten uns nichts dabei denken, daß Liane ihre Nylon­sachen jetzt in ihrem eigenen Zimmer trock­net. Als ob wir nicht wüßten, daß Liane so doo­fe Sachen hat, die wir - Inge und ich - nicht auchen. Gestern waren wir heimlich in Lianes Zimmer. Wir haben uns von dem Geburtstags­parfüm in die Haare gemacht und in Lianes Ta­gebuch gelesen. Da stand beim 25.: "Klaus ist schick". Und darunter war gekritzelt: "Er liebt mich".

Inge hat mit dem Dauerschreiben den Klaus ins Tagebuch gemalt und ich habe in dieser Zeit nach der großen Pralinenschachtel gesucht, die Liane von Vati bekommen hat. Es war aber nur noch eine Praline in der Schachtel. Eine einge­wickelte. Wir haben sie probiert, aber dann haben wir sie wieder eingewickelt und in die Schachtel zurückgetan. Krokant mögen wir nämlich beide nicht. Im Kleiderschrank hinter den Pullis von Liane lag eine Schachtel Ziga­retten. Ich habe mir eine davon genommen und habe sie auf dem Clo geraucht. Mir war ganz schlecht. Inge hat derzeit draußen vor der Tür Schmiere gestanden. Vati sagt auch jeden Tag, Liane sei jetzt eine junge Dame. Aber gestern hat er ihr eine runtergehauen, als sie erst nach dem Abendessen heimkam. Herrjeh, war das aufregend. Liane hat geheult wie ein Dü­senjäger, Mama hat Vatin dann ausgezankt und dann sind wir auch geohrfeigt worden, weil wir so furchtbar schrecklich lachen mußten. Es hat aber gar nicht wehgetan. Vati hat hinterher je­dem einen Zehner für Kaugummig gegeben und wir mußten feierlich versprechen, nicht mehr zu lachen, wenn Liane heult.

Ich glaube, wenn man siebzehn Jahre alt und ein Mädchen ist, heult man für jeden Dreck. Heute hat es um Vier im Hof gepfiffen. Ich hab' rausgeschaut, und da stand Meiers Willi da und sagte zu mir: "Hau ab, Kleiner!" Da hab ich dem Willi einen Scheuerschwamm übergeworfen, an dem noch ein bißchen Erb­sensuppe dran war. Inge hat gemeint, der woll-

Pcimo - Hachrichten

te ja doch nur bei Liane Latein abschreiben, aber ich habe gesehen, wie der Willi den Klau? verprügelt hat. Und das war aus Liebe. Im Fernsehen die Cowboys verhauen sich ja auch immer um die Frauen. Aber die Wildwestfrau­en die heulen ja nicht, die lachen dann immer, wenn sich die Cowboys verhauen. Und deshalb wird ja auch unsere Liane nie ein Filmstar. Die schafft das nicht. Hoffentlich kommt bald ei­ner und heiratet Liane, dann sind wir sie los. Dann kriege ich Lianes Zimmer und dann kann sich Inge von mir aus den Daumen ablutschen.

Güter des gehobenen Bedarfs

nehmen infolge des wachsenden Wohlstandes und der größeren Freizeit unter den Kousumge- wohnheiten einen größeren Raum ein. Infolge­dessen ist der Anteil für den Grundbedarf der Lebenshaltung von 58^0 im Jahre 1950 auf 45°/o 1964 spürbar zurückgegangen. Vor allem ist der Repräsentationsaufwand zu einem bestimm­ten Nachfragefaktor geworden. Das Sozialpre­stige sucht eben nach Befriedigung.

Bitter ist die Geduld, doch ihre Frucht ist süß.

(Persisches Sprichwort)

Senf-

Spritze

RSH. Chikago,

Böse Folgen wird für den 39jährigen Frederick Corn in Chikago die Eröffnungsfeier der exklusiven Bar haben, die er sich von einem gro­ßen Lotteriegewinn gekauft hatte.

In seinem Übermut betrank er sich, bestrich den Ventilator

dick mit Senf und setzte ihn in Betrieb. Während er über sei­nen Einfall Tränen lachte, waren die mit Senf bespritzten Gäste starr vor Schrecken. Sie­ben Anwälte, die in unmittel­barer Nähe des Ventilators saßen, werden nun dafür sor­gen, daß Corn einen ansehn­lichen Schadenersatz leisten, muß.

. . hamse jetzt gefunden, wos fehlt!"

Die Italiener

haben die Schraube hei den deutschen Touristen überdreht. Steigende Preise und Mängel im Gast-1 Stättengewerbe haben dazu geführt, daß viele italienmüde geworden sind. Obgleich man sich im vorigen Jahr bemüht hat, vorhandene Mängel abzustellen, haben die deutschen Urlauber nui noch 535 Mill. DM in Italien ausgegeben. 1963. waren es über 700 Mill. DM. Begehrtestes Rei­seziel ist nach wie vor Österreich, wo der Um­satz mit deutschen Gästen auf 830 Mill. DM gestiegen ist.

Vergessene Verse

Der Geizhals

Ein Geizhals fiel in einen Fluß, der tief und reißend war. Ein Fischer, der das Leben Ihm retten wollte , sprang hinein und rief:

Er möchte nur die Hand ihm geben ;

Allein der Geizhals sprach, indem er untersank: Ich kann nichts geben, und ertrank.

Aloys Blumauer (17551798)

Für den Rätselfreund

Waagerecht: 1 . Wechselbürgschaft, 4. Wohlgeruch. 7. japanische Groß­stadt, 8. Nachtvogel, 9. Nebenfluß der Saale, 10. Haushaltplan. 11 . Stadt im Sauerland. 12. über­schwenglich Begeisterter. 13. zaristi­sches Parlament. 15. tierisches Pett, 18. durchsichtiges Foto, 19. Künst­lergehalt, 20. Habsucht, 21. Be­geisterung. 22. Fluß in Spanien. - Senkrecht: 1 . Schriftstück, 2. elek­trische Maßeinheit. 3. Lehrbuch, 4. Abbau. 5. alkoholisches Misch­getränk. 6. Truppenspitze. 13. vene­zianischer Herrscher. 14. euro­päisches Grenzgebirge. 16. inhalt­los. 17. Markgraf der Ostmark unter Otto d. Gr.

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