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Tagesordnungspunkt 11/4:
Umbenennung eines Teils der Elisabethenstraße in "Judengasse" (Drucksache-Nr. 40/1995)
Bürgermeister Dr. Possel-Dölken stellt die Empfehlung der Verwaltung vor, entsprechend dem Stand von 1938 einen Teil der Elisabethenstraße in "Judengasse" umzubenennen.
Erster Stadtbeigeordneter Dr. Hütte (CDU) informiert im Rat, die CDU-Fraktion werde zu dem Punkt unterschiedlich abstimmen. Er trägt vor, er plädiere für die Umbenennung des Teilstückes, das bis 1938 den Namen "Judengasse" getragen habe, um so einen Teil von Alt-Montabaur lebendig zu erhalten. Diese Namensgebung gehe auf das 15. Jahrhundert zurück. Dr. Hütte betont, ausschließlich die Judengasse sei in den 30er Jahren umbenannt worden; ansonsten keine andere Gasse. Durch die jetzige Umbennung solle auch erreicht werden, in Erinnerung zu behalten, daß die Juden seit dem 11./12. Jahrhundert zu Montabaur gehörten und erst seit ca. 60 Jahren nicht mehr ortsansässig seien.
Ratsmitglied Bächer (SPD) spricht sich namens der SPD-Fraktion für die Umbenennung aus. Er beantragt, die Elisabethenstraße in ihrer ganzen Länge entsprechend dem Zustand, der in den Unterlagen vor 1899 beschrieben werde, umzubenennen.
Ratsmitglied Schweizer (FWG) trägt in der Sitzung seine Recherchen zur Geschichte der Judengasse/Elisabethenstraße vor. Er beantragt, falls es überhaupt zu einer Umbenennung kommen solle, dann solle diese entsprechend den historischen Begebenheiten erfolgen. Hierzu müßte man nochmals näher in den Archiven prüfen, welcher Teil der jetzigen Elisabethenstraße die Judengasse gewesen sei. Er stellt nach Einsichtnahme in die Unterlagen des Stadtarchives fest, daß historisch belegbar lediglich die Bezeichnung Judengasse für das Teilstück der rechten Straßenseite in der Elisabethenstraße ab dem Parkplatz bis zur Ecke Sauertal sei.
Als Alternative schlägt er dem Stadtrat vor, in Erinnerung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ein Teilstück der Albertstraße umzubenennen. Der Bereich von der Fröschpfortstraße bis zur Jahnstraße solle als "Am Judenfriedhof' bezeichnet werden.
Ratsmitglied Lorenz (BfM) spricht sich für den Vorschlag von Dr. Hütte aus, die Judengasse als alten Traditionsnamen in die Stadt zurückzuholen. Er betont, das Anliegen müsse sein, den Zustand von 1899 wieder herzustellen. Zu dem Zeitpunkt habe ein demokratisch gewählter Rat die Entscheidung getroffen. Die Umbennung von 1938 durch ein undemokratisches Regime solle rückgängig gemacht werden.
Ratsmitglied Vetter (SPD) erläutert aus seiner Erinnerung als Zeitzeuge, daß die Judengasse vom Haus "Hisgen" (Ecke Sauertal) bis zum Haus "Opper" verlaufen sei. Das Teilstück parallel zur Kirche habe Elisabethenstraße geheißen.
Ratsmitglied Storm (Bündnis 90/Grüne) spricht sich ebenfalls dafür aus, die Straßenbezeichnung auf den historischen Zustand zurückzuführen entsprechend dem Verwaltungs- bzw. CDU-Vorschlag.
Nachdem Stadtarchivar Henkel über den Sachstand nach den Archivunterlagen berichtet hat, erfolgt nach einer kontroversen Diskussion die Abstimmung.
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