Akte 
Sitzung 21. Dezember 1983
Entstehung
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mögliche Auswirkungen der Energietechnik auf das gesellschaftliche Leben dargestellt und Vorschläge zur Verhinderung von Fehlentwicklungen gemacht.

Ihre Aufgabe sei es auch gewesen, unter dem Aspekt der langfristigen Sicherung des weltweiten Energiebedarfs Möglichkeiten und Risiken ver­schiedener Energieträger aufzuzeigen. Im Sommer 1980 habe diese Kommission ihre Beratung abgeschlossen und den Bericht vorgelegt. Gleichzeitig hätten Wissenschaftler des Ökoinstituts in Freiburg eine Studie veröffentlicht.

Beide Studien seien übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, das sogenannte " sanfte Energiekonzept" sei eine realistische Perspektive für die zukünftige Energieversorgung. In beiden Arbeiten sei man zu dem Schluß gekommen, bei der Sicherung der künftigen Energieversorgung spiele die Gemeinde eine bedeutende Rolle. Ihr komme hierbei eine doppelte Aufgabe zu: Zum einen müßten sich die Gemeinden stärker darum kümmern, woher die Energie komme, die in ihrem Gemeindegebiet verbraucht werde. Zum anderen müsse die Gemeinde die Institution sein, die durch die Tarifgestaltung in angemessener Meise auf das Energieverhalten ihrer Bürger einwirke.

Die bisherige Energieversorgung, die auch Grundlage des vorliegenden Konzessions­vertrages sei, stütze sich auf das Energiewirtschaftsgesetz aus dem Jahre 1935. Dieses Gesetz sichere den Stromverkäufern das Recht, den freien Wettbewerb auf dem Gebiet der Stromversorgung vollständig zu unterbinden. Gestützt auf dieses Gesetz ließen sich die Stromerzeuger von den Gemeinden das Recht einräumen, Leitungen in öffentliche Verkehrsflächen zu legen. Gleichzeitig werde durch dieses Gesetz und die Verträge den Gemeinden jegliche Aktivität, die auf eine eigene öffentliche Stromversorgung abziele, untersagt. Die Gegenleistung dafür, also die Konzessionsabgaben, gingen zu Lasten der Stromkunden. Durch den Konzessionsvertrag verzichte die Gemeinde auf Jahrzehnte darauf, selbst Strom zu erzeugen und beraube sich damit auf lange Zeit der Möglichkeit, eine kostengünstige und rohstoffschonende Energieerzeugung aufzubauen, eine Ziel­setzung, die im Gegensatz zu der Energiepolitik der Versorgungsunternehmen stehe. Die großen Energiekonzerne konzentrierten sich noch immer sehr einseitig auf die Erzeugung von Strom in Großkraftwerken und betrachten die dabei anfallende Wärme als "Abfall", der in die Luft oder die Gewässer abgestoßen werde. Es sei kaum bekannt, daß die in den Großkraftwerken vernichtete Abwärme in etwa dem Heizungsbedarf aller Wohnungen entspreche. Dies sei eine unverantwortliche Verschwendung großen Stils. Es stelle sich die Frage, auf welchem Weg eine Gemeinde eine Abkehr von dem verschwenderischen bisherigen Energiekonzept zugunsten eines intelligenten Energieeinsatzes herbeiführen könne. Die Alternative heiße: "Dezentrale Wärmekraftkoppelung". Dies bedeutete eine gekoppelte Erzeugung von Wärme und Strom in kleinen Einheiten, den soge­nannten Blockheizkraftwerken, die dezentral an den Stellen errichtet werden sollten, an denen die Wärme genutzt werden könne. Dadurch erspare man sich die aufwendige Fernverteilung. Die Wärmekraftkoppelung ermögliche einen sinnvolleren Energieeinsatz, schone daher die vorhandenen Energiequellen und belaste weniger die Umwelt. Blockheizkraftwerke könnten bevorzugt eingesetzt werden für die Energieversorgung von Wohnblocks, öffentlichen Gebäuden und Anlagen (Ver­waltungsgebäude, Schwimmbäder, Krankenhäuser) und Wohnsiedlungen. Die In­vestitionskosten lägen bei 1.200,-- DM pro installiertem kW. Die Investitions­kosten eines herkömmlichen Großkraftwerkes seien mit 2.000,-- DM pro kW fast doppelt so hoch, wobei die Energienutzung nahezu dreimal kleiner sei als bei einem Blockheizkraftwerk. Daraus ergebe sich auch, daß Blockheizkraftwerke als Totalenergieanlage eine wesentlich geringe Kapitalrückflußzeit hätten (zwischen 1 und 10 Jahren gegenüber 20 Jahren bei Großenergieanlagen). Block­heizkraftwerke seien die Kraftwerke, die von allen existierenden am schnellsten starten. Sie seien bei Bedarf sofort einsetzbar. Seit der ersten Inbetriebnahme im Jahre 1975 seien die eingesetzten Motoren immer

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