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Von einem Bürgermeister werde erwartet, daß er der Entwicklung der Stadt stets um einen Schritt voraus sein müsse. Ein Bürgermeister habe die Aufgabe, Chefdenker und Motor zu sein. Insbesondere in einer Zeit knapper werdender Haushaltsmittel und zahlreicher erledigter und begonnener Aufgaben komme es auf den Einfallsreichtum, die Aktivitäten und die Kontaktfreundigkeit sowie auf das Geschick des Bürgermeisters an, nicht nur Maßnahmen anzukurbeln, sondern sie im Rat durchzusetzen und auch ihre Finanzierung zu ermöglichen. Mer bereit sei, sich diesen Anforderungen zu stellen, werde die Vielfalt der Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten schätzen lernen, das Amt nicht als Beruf, sondern als Berufung empfinden.
Dr. Hütte wies den neuen Bürgermeister darauf hin, daß in Montabaur der Mittelstand stark ausgeprägt sei, die Bürger von Montabaur oft konservativ und nur schwer von der Notwendigkeit von Veränderungen zu überzeugen seien. Letzteres gelte insbesondere dann, wenn diese Neuerungen mit größerem Finanzbedarf verbunden seien. Er erwarte nicht nur, daß man ihn aufkläre, sondern daß man sich in der Diskussion mit seinen Argumenten auseinandersetze und ihr überzeuge.
Diese Eigenschaften seien auch im Stadtrat stark ausgeprägt. Die oft problembeladenen und langwierigen Stadtratssitzungen stellten - so Dr. Hütte - nicht geringe Anforderungen an die Sachkenntnis, das Verhandlungsgeschick und die Überzeugungskraft des Vorsitzenden. Erfolgserlebnisse und Enttäuschungen stünden in stetigem Wechsel. Trotz der Vielzahl der unter der Regie des verstorbenen Bürgermeisters Wilhelm Mangels erledigten Aufgaben gäbe es noch viele Probleme, die mittelfristig einer Lösung harrten. Als Beispiel nannte Dr. Hütte die Altstadtsanierung. Die an den fertiggesteliten Konrad-Adenauer-Platz angrenzenden Sanierungsgebiete bedürften einer baldigen Neuordnung. Dabei sei historisch wertvolle Bausubstanz zu erhalten. Die Wohnqualität im Innenstadtbereich müsse erhöht werden. Das älteste Viertel der Stadt, der Hintere Rebstock, bedürfe dringend einer aktiven Hilfe, um nicht dem Verfall preisgegeben zu sein.
Die Planung der Fußgängerzone in der Innenstadt vertrag keinen Aufschub. Jedes Zögern bedeute einen Verlust für die Geschäftsleute und damit auch einen .Verlust an Steueraufkommen. Die Planung der Fußgängerzone werde Zeit beanspruchen, da sie mit den Anwohnern, die die Hauptlast der Erschließung zu tragen hätten, umfassend zu diskutieren sei. Die Klärung der Abwässer, die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe bei Erschließung der Gewerbegebiete, die Planung und Ausweisung neuer Baugebiete seien Aufgaben, die den Bürgermeister voll in Anspruch nehmen werden.
I. Beigeordneter Dr. Paul Hütte wünschte dem Bürgermeister Dr. Paul Josef Possei - Dölken bei der Ausführung seines neuen Amtes Glück, Erfolg und Gottes Segen. Gleichzeitig brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, daß er und seine Familie sich möglichst bald in Montabaur wohl und heimisch fühle. Er wünschte, dem neuen Bürgermeister möge es gelingen, zwischen den Gruppen auszugleichen, seine Ideen zu verwirklichen und die Kommunalpolitik erfolgreich zu vertreten.
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