Bestand 
Protokolle der Stadtverordneten-Versammlung 1919-1928
Entstehung
Einzelbild herunterladen
428
ihr tägliches Brot harte Kämpfe auszutragen.
Ganz besondere Not herrscht auch unter den Sozial- und Kleinrentnern. Da ich von Haus aus und durch meine seitherige Tätigkeit sozial eingestellt bin, weiß ich auch wohl die gerade heute besonders schwere Zeit zu schützen.
Wir klagen so oft über unsere Volksgesundheit. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir uns notwendig dem Gebiete der Wohnungsfürsorge zuwenden müssen. Ich muß anerkennen, dass die Stadt Montabaur auf diesem Gebiete bereits schon großes geleistet hat. Die wichtigste Aufgabe wird in nächster Zeit die Schaffung von Klein- und Arbeiterwohnungen sein, selbst wenn große Opfer, die wohl sicher zu bringen sind, gebracht werden müssen. Körperlich und geistig gesunde Menschen können nur in gesunden Wohnungen gedeihen. Deshalb müssen wir auch auf die äußere Umgebung unserer Heime Wert legen.
Besonders liegt mir die Erhaltung unserer einzigen höheren Bildungsstätte, des Gymnasiums hier in Montabaur am Herzen. Gerade für unsere Jugend ist es von unschätzbarem Vorteil, ein solches Institut in hiesiger Stadt zu besitzen. Wir wollen daher alles tun, wie es auch bisher geschehen ist, um diese Bildungsanstalt in unserer Kreisstadt zu behalten.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen, meine Damen und Herren, auch sagen, daß es an mir nicht fehlen wird, ein gutes Einverständnis zwischen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung zu erheischen, daß auch der Bürgermeister nicht nur für sich, sondern der Bürger-schaft wegen da ist.
Ich danke allen für das mir geschenkte Vertrauen, möchte über auch denen freundlich die Hand reichen, die glaubten, mir ihre Stimme nicht geben zu können und zwar, nicht zur Versöhnung, denn wir haben ja keine Freundschaft, sondern zur gemeinsamen Arbeit zum Wohl der Stadt Montabaur, für das zu arbeiten wie von der Bürgerschaft hierher berufen worden sind. Sonst würde ich mich einer großen Pflichtverletzung schuldig machen, besonders da die Stadt Montabaur noch mehr als einmal, und gerade in der kommenden Zeit Gelegenheit haben wird, sich weiter-