Montabaur
Nr. 16/9C
Am 11. Dezember 1995 faßte ich den Entschluß, einen Transport von Hilfsgutem in das ehemalige Jugoslawien durchzuführen. Einige Gespräche in der Familie und im Kreise von Bekannten ergaben, daß ich mit Unterstützung rechnen konnte. Durch das Auswärtige Amt in Bonn bekam ich die Anschrift von Herrn Bernd Bisplinghoff aus Monreal bei Mayen, der inzwischen den 10. Transport dieser Art erfolgreich durchgeführt hat. Wir trafen uns noch am gleichen Abend. Nachdem ich mich davon |
überzeugen konnte, wie gut diese private
Initiative arbeitet, wurde die Zusammenarbeit j für den nächsten '
Transport beschlossen.
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Nun konnte das Sammeln der Hilfsgüter beginnen. Durch die I Unterstützung von Herrn Michael Wittich aus | dem Hause Verlag + Druck |
Höhr-Grenzhausen konnte ein
Spendenaufruf im Umkreis von cirka 20 Kilometern erfolgen. Da dieser Aufruf in nahezu jeden Haushalt gelangte, war die Resonanz entsprechend groß. Nach telefonischer Vereinbarung wurden größere Sachspenden abgeholt, andere wurden an den folgenden Samstagen an der Lagerhalle im Stadtpark in Bendorf abgegeben. Ein großer Teil der Spenden mußte erst einmal transportgerecht verpackt werden. Als besonders schwierig stellte sich die Suche nach geeigneten Transportmöglichkeiten nach Bosnien heraus. Auch mit diesem Anliegen fand ich bei Verlag u. Druck Hilfe. Ein Lastzug mit einer Nutzlast von 25 Tonnen wurde zur Verfügung gestellt. Ein zweiter LKW wurde mir von der Mayener Initiative überlassen.
10. und 11.02.1996
Die zwei Lastzüge wurden mit Hilfsgütem beladen, die in den Wochen zuvor gesammelt wurden. Da die Menge der Sachspenden so unerwartet groß war, wurden auch die LKW der Spendeninitiative Bisplinghoff aus Mayen teilweise mitgenutzt. Dank der Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr Löschzug Bendorf beim Packen und Laden konnten die Fahrzeuge schnell randvoll geladen werden.
12 . 02 .
Die Zollformalitäten wurden durch Herrn Bisplinghoff in Koblenz erledigt.
13.02.
Um 21.00 Uhr trafen wir, das sind Jörg Kostka, Jürgen Bohlscheid und ich, uns mit den anderen Fahrzeugen auf einem Parkplatz vor Höhr- Grenzhausen. Nachdem wir uns von unseren Familien verabschiedet hatten, ging die Fahrt los. Die Fahrt über Würzburg, München und Salzburg lief trotz der einsetzenden Schneefälle sehr gut. Da wir im 4-Stun- den-Rhythmus Fahrerwechsel machten, konnten wir die Strecke bis Ancona/Italien nonstop durchfahren.
14.02.
Ankunft im Hafen von Ancona um 19.00 Uhr. Es dauerte 2 Stunden, bis alle Schwierigkeiten in Form eigenwilliger italienischer Zollabfertigung erledigt waren. Sprichwörtlich in letzter Minute konnten wir unsere vier Lastzüge auf die »Marco Polo« fahren.
15.02.
Die Ankunft in Split, die erfolgte um 7.00 Uhr. Trotz dem Zweck der Fahrt stiegen Urlaubsgefühle auf. Nichts deutete auf die Geschehnisse der letzten Jahre hin. Auch die langwierige Zollabfertigung ließ keinen Unmut auf- kommen. Um 11.30 Uhr starteten wir in Richtung Primosten. Auf dem Weg dorthin besuchten wir auch das IFOR-Camp, in dem auch ein Teil der deutschen Bundeswehr stationiert ist. Leider war es nicht möglich, Kontakt zu einem »Ben- dorfer« zu bekommen, der dort seinen Dienst verrichtet. Auf der Küstenstraße wimmelte es von Militärfahrzeugen aller Nationen und hin und wieder sah man ein Containerdorf mit deutscher Flagge. Gegen 16.00 Uhr trafen wir in Primosten ein. Dies ist eine kleine Küstenstadt, in der viele Flüchtlinge Zuflucht gefunden hatten. Diese Flüchtlinge wurden von der Initiative Bisplinghoff schon mehrfach versorgt. Für die Nacht fanden wir Quartier bei der Familie von Frau Dr, Ocko, einer kroatischen Ärztin, die unseren Transport begleitete. Sie praktiziert seit vielen Jahren in Mayen und unterstützt die Initiative sehr engagiert.
16.02.
Schon früh starteten wir an diesem Tag, da wir auf unserem Weg noch zweimal
durch den Inlandzoll in Zadar und vor Bihap fahren mußten. Da wir mit Frau Dr. Ocko unsere eigene Dolmetscherin hatten, passierten wir die Kontrollen an diesem Tag recht zügig. Auf der Fahrt, die auch durch das Gebiet der Plitviper Seen führte, kamen wir immer wieder durch Dörfer, die völlig zerstört und verlassen waren - verbrannte Erde. Es war ein bedrückendes Gefühl, mit dieser harten Realität Kontakt zu bekommen. Hier begegneten uns auch keine IFOR-Fahr- zeuge mehr. Gegen 17.00 Uhr trafen wir in Bihap ein und beka- - men die Quartiere für die Nacht. Unsere Gastgeber bewirteten uns sehr gut und bei Gesprächen während des Abends konnten wir uns ein Bild davon machen, in welch schlimmer Lage die Bevölkerung von Bihap war. Genau 1202 Tage war die Stadt von Serben I rundum belagert. Die Versorgung mit Strom, Wasser und Lebens- P mittein war unterbrochen. Das Bestellen von Feldern und das Ein- I holen von Brennholz war aufgrund Beschusses nicht möglich. Hät- jte die Belagerung noch einige Wochen angedauert, wären außer Iden Kriegsopfern auch Hungertote zu beklagen gewesen.
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117.02.
I Nachdem wieder einmal die Zollformalitäten erledigt waren, fuh- Iren wir mit zwei Lastzügen zum Krankenhaus. Wir entluden die |ca. 90 Reha-Kinderwagen, die Rollstühle und die Pflegemittel. I Darüberhinaus konnten wir auch eine größere Menge Lebensmit- I tel an den Leiter des Hauses übergeben. Hier wurden wir auchvon | Redakteuren des Fernsehsenders von Bihap begrüßt. Die anderen I beiden LKWs leerten wir an dem Bürgerhaus der Stadt. Beson- I ders die 50 Kohleöfen fanden sofort reißenden Absatz. Es waren I überwiegend ältere Menschen und Kinder, die die Güter entge- I gennahmen. Ein Teil der Textilien wurde im Bürgerhaus eingelagert, um sortiert an Bedürftige ausgegeben zu werden.
18.02. Den Vormittag nutzen wir mit einer Rundfahrt in die zerstörten Vororte. Der Bürgermeister, bei dem ich auch übernachtete, kommentierte die unfaßbaren Bilder, die sich uns boten. Die Berichte, die durch die Medien verbreitet werden, können nur einen Bruchteil der tatsächlichen Zerstörung wiedergeben. Nachdem der Bürgermeister uns allen seinen aufrichtigen Dank ausgesprochen hatte, starteten wir gegen 15.00 Uhr in Richtung Maribor. Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir immer wieder völlig zerstörte Ortschaften. Besonders groß ist die Zerstörung von Karlovac. Da Herr Bisplinghoff schon während des Krieges dort Hilfsgüter hingeschafft hatte, wußte er von einigen Greueltaten in Karlovac zu berichten. Wir übernachteten in Maribor.
19.02.
Um 7.00 Uhr machten wir uns auf den Weg, um durch Österreich nonstop nach Hause zu fahren. Die Teilstrecke durch Österreich wurde durch die starken Schneefälle noch sehr schwierig, doch wir schafften es gerade noch, vor den Streckensperrungen durchzukommen.
Gegen 2.00 Uhr morgens i trafen wir wieder in Bendorf ein. Es war schon i ein merkwür- | diges Gefühl, die karnevalistischen Nachtschwärmer zu sehen.
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Nachdem wir
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' von den Stra-
.] pazen erholt
hatten, wurden die übrig-
fSMBSBUHKtMKKM gebliebenen ' Sachspenden schon wieder
für die nächste Tour der Initiative Bisplinghoff geladen. Auch das war wieder ein kompletter Lastzüg voller Güter, die nach Ostern ihre Reise antreten.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die zum Gelingen dieser Aktion beigetragen haben. Es war die Familie, es waren Freunde und Bekannte. Es waren Einzelpersonen, es waren aber auch Vereine wie z.B. die kath. Frauengemeinschaft. Sie stellte den Erlös des Verkaufes auf dem Weihnachtsmarkt zur Verfügung.
Ich bedanke mich bei Medi Kostka, Birte Bohlscheid und bei meiner Frau. Sie haben die Vorbereitungen tatkräftig unterstützt und die Fahrt ermöglicht.
Ein besonderes Dankeschön an Herrn Bernd Bisplinghoff und seine Helfer. Ohne ihre Unterstützung wäre alles schwieriger und weniger effektiv gewesen.
Die Initiative Bisplinghoff verdient alle erdenkliche Unterstützung.
Josef Sauerborn
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